Arjen Robben bei der Fußball-WM Ego-Shooter mit sozialer Ader

Bemerkenswerte Wandlung: Arjen Robben

(Foto: Getty Images)

Auch im Achtelfinale gegen Mexiko dribbelt und trickst Arjen Robben, was seine Füße hergeben - und verblüfft die Fußballwelt, als er den entscheidenden Elfmeter Klaas-Jan Huntelaar überlässt. Doch es gibt auch noch den alten Robben, den Schummler.

Von Thomas Hummel, Porto Alegre

Dieser Arjen Robben darf vermutlich bald vor den Vereinten Nationen sprechen. Darüber, wie toll es ist, für die Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen. Wie viel mehr Erfolg selbst das größte Genie damit hat. Ganz alleine vor sich hin zu zaubern, ist ja gut und schön. Aber als soziales Element in der Gruppe ist die Welt einfach wunderbar.

Arjen Robben als Botschafter für Solidarität in der Welt? Zumindest auf dem Fußballplatz hat sich der Niederländer vom Ego-Shooter zu einem außergewöhnlichen Individualisten mit Sozialkompetenz entwickelt. Schon in München hatte er so den FC Bayern durch die vergangene Saison geleitet. Doch nie wurde das so exemplarisch sichtbar wie in der Nachspielzeit des WM-Achtelfinales am Sonntag gegen Mexiko.

Ekstase in der Nachspielzeit

Die Niederländer haben den längeren Atem in der Mittagshitze von Fortaleza: Gegen Mexiko drehen sie das Spiel in den Schlussminuten - auch dank eines Elfmeters. Dass Trainer van Gaal erst in höchster Not zum beliebten 4-3-3 zurückkehrt, wird in der Heimat dennoch für Diskussionen sorgen. mehr ...

Es gab Elfmeter für die Niederlande. Da Robin van Persie nicht mehr auf dem Platz stand, war Robben als Schütze vorgesehen. Doch Robben schoss nicht. Er gab den Ball einem Mitspieler. Freiwillig.

"Ich wusste, dass Klaas-Jan Huntelaar noch frisch war. Ich weiß, er hat einen guten Schuss, und ich habe vollstes Vertrauen in ihn. Manchmal muss man schlau sein. Deshalb habe ich ihn gefragt, ob er ihn schießen will. Und er wollte", erklärte Robben später der verblüfften Fußballwelt. In Erinnerung sind immer noch die Elfer-Dramen von 2012 gegen Dortmund und Chelsea und Robbens Verbitterung, weil er seitdem kaum mehr schießen darf in München.

Huntelaar nahm das Angebot an und verwandelte sehr sicher ins linke untere Eck. Es war der Schuss, der den Niederlanden das Viertelfinale einbrachte. "Als er reinging, was das reines Adrenalin. Die beste Droge", erzählte der Stürmer aus Schalke.

Niederlande gegen Mexiko

Die Höhepunkte des Spiels - jetzt nachschauen in der ARD-Mediathek. (Foto: DPA) mehr ...

2:1 hat die Elftal gegen Mexiko gewonnen. Nach insgesamt 100 Spielminuten (in der ersten Hälfte gab es vier, in der zweiten sechs Zusatzminuten) zog Arjen Robben seinen letzten Sprint an, hüpfte über die Werbebande und streckte dem Publikum jubelnd seine Muskeln entgegen. Der 30-Jährige durfte sich mal wieder als Schlüsselspieler sehen, der ein großes Stück dazu beitrug, das drohende Aus zu verhindern. Nach dem 1:0 der Mexikaner durch Giovani dos Santos in der 48. Minute beruhigte er erst seine Mitspieler, um dann endlich das so lange fehlende Tempo anzuziehen. Als es in der 75. Minute eine Trinkpause von Schiedsrichter Pedro Proença gab, sprach neben Trainer Louis van Gaal vor allem Robben auf die Kollegen ein.

Nach dem Rückstand hetzte er jedes Mal mit dem Ball los, dribbelte und trickste, was seine Füße hergaben und versetzte die Mexikaner in helle Aufregung. Seine x-te Ecke in der 88. Minute flog auf den Kopf von Huntelaar, der nach hinten ablegte, wo Wesley Sneijder den Ausgleich erzielte.

In der vierten von sechs Minuten der Nachspielzeit zog Robben ein letzten Mal los, umspielte den ersten Mexikaner, legte den Ball an Rafael Márquez vorbei, der ihm dabei auf den Fuß stieg. Arjen Robben hätte wohl nicht fallen müssen, schon gar nicht in der ihm eigenen Theatralik. Doch einen freiwilligen Sturzflug konnte ihm auch nicht unterstellt werden. "Da habe ich mich einfach clever verhalten", sagte Robben hinterher dem niederländischen Sender Nos, bedauerte aber seine Schwalbe in der ersten Hälfte: "Das war schrecklich dumm, ich möchte mich entschuldigen."

In dieser letzten Szene gab Proença aber Strafstoß. Und Robben übergab den Ball.