Den Volkslanglauf in Anchorage übersteht man nur in Gedanken an Tiefschneehänge und Pelz-Bikinis. Belohnt wird man dafür mit spektakulären Ausblicken auf den Ozean - und am Ende mit Pizza.
Da ist er wieder. Ein älterer Herr, sieht aus wie Jon Voight in seinen letzten Filmen. Voight wird bald 70. Locker zieht er an dem schwitzenden, keuchenden Etwas vorbei, winkt fröhlich und ruft: "I'm back!" Es ist sein drittes Überholmanöver an diesem Morgen irgendwo südlich von Anchorage.
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Jon Voight und der Keucher nehmen am größten Volks-Langlauf Alaskas teil, der "Tour of Anchorage". 1600 starten insgesamt: Väter, Söhne, Anfänger, Rennläufer, 25, 40 oder 50 Kilometer. Wie lange Voight schon unterwegs ist, weiß der Keucher nicht, er hat genug mit sich selbst zu tun.
Eigentlich war er zum Skifahren hergekommen: unberührte Hänge, Pulverschnee, solche Sachen. Langlauf-Erfahrung? Ein halber Tag bei der Skilehrerprüfung - vor 25 Jahren. Aber ein gewisser Rest Ehrgeiz und die Frotzeleien der Kollegen haben ihn doch gereizt.
Die erste Hürde: eine Stil-Frage. "Skaten oder klassisch?", will der Mann bei der Anmeldung wissen. Stirnrunzeln beim Starter. "Skaten", sagt er irgendwann. Stirnrunzeln beim Gegenüber. "Sicher?" Nun ja. Er gibt noch ein paar Tipps ("Kraft sparen für den Schluss: Da wird es steil!"), dann lässt er Startnummer 1543 ziehen.
Viel zu schnell rennt er los, hat im engen Waldstück ständig das Gefühl, im Weg zu sein und lernt bald die Gepflogenheiten kennen. Ertönt von hinten der Ruf "On your left!", weiß er: Da ist einer noch schneller unterwegs. Er wird die drei Worte an diesem Morgen sehr oft hören.
Nächste Hürde: die Ausrüstung. Was für schmale Latten! Unendlich lange Stöcke! Und diese Bindung! Ein netter Mensch hilft, stirnrunzelt aber auch merklich. Egal, schon kurz hinter der Startlinie ist aus dem Starter ein Keucher geworden.
Der Wald lichtet sich, der Blick auf die Berge wird frei. Einen Tick zu süßlich fällt die Morgensonne auf die schneeweißen Gipfel der Chugach Mountains, und der Keucher, der gerade zum ersten Mal vom kumpelhaft grüßenden Jon Voight überholt wird, stellt die Sinnfrage: Warum bin ich eigentlich nicht beim Skifahren?
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie ein Garmischer Hoteliers-Sohn dem Skigebiet Alyeska zu seinem spektakulären Auftstieg verhalf.
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