Muttekopfhütte Tirol Yoga auf der Alm

Jodelkurse und eine Terrasse "für die Yogamädels": Bei seiner Innovationsfreude stützt sich Andreas Riml auf gesunden Menschenverstand.

(Foto: Muttekopfhütte)

Allein auf die Bergsteiger und Wanderer will sich der Wirt der Muttekopfhütte nicht mehr verlassen - und lässt sich einiges Ausgefallenes einfallen, um Gäste anzulocken. Manchmal wundert er sich allerdings über die Geister, die er rief.

Von Dominik Prantl

E s ist sieben Uhr morgens, und die Reste der nächtlichen Gewitterwolken hängen als weiße Fetzen in den Felsen. Andreas Riml sitzt trotz der empfindlichen Kühle im T-Shirt auf der Terrasse seiner Hütte, vor ihm ein Haferl Kaffee und die Weite des Alptals, das sich nach Imst hinab öffnet. Seit 14 Jahren ist Riml der Wirt der Muttekopfhütte, aber dieses Morgenkaffee-Panorama-Ritual lässt er sich als Chef genauso wenig nehmen wie die Zubereitung des Frühstücks. Er sagt: "Da wird mir immer wieder bewusst: Ich gehöre zu den Glücklichen."

Wenn man Riml so dasitzen sieht, fällt einem die Sache mit dem Apfel und dem Stamm ein - und was der Wirt am Vorabend über seinen erwachsenen Sohn erzählt hat: "Der hat die Ruhe weg." Rimls Ruhe verwirrt ein bisschen. Auf seinem Posten hatte man sich ob des Hüttenprofils eher einen dynamischen Künstler vorgestellt oder zumindest einen drahtigen Kletterer. Riml aber war selbständiger Tischler gewesen, ehe er mit knapp 40 Jahren merkte: "Am besten hat es mir während der Zeit gefallen, als ich auf einer Alm gearbeitet habe."

Er bewarb sich für die Muttekopfhütte, wie 15 andere auch. "Und dann hatte ich etwas Glück." Noch ein bisschen mehr Glück hatte wohl die Sektion Imst-Oberland des Österreichischen Alpenvereins, die den Wirt suchte. Sie wählte einen Tischler mit Almerfahrung, aufgewachsen im Gast- und Landwirtschaftsbetrieb der Eltern. Und bekam einen Strategen.

Früher hätte man die Umgebung der Hütte so genommen, wie sie ist. Und womöglich hätte das den Bergfreunden genauso genügt wie einst Fußballfans ihre Stehplätze in Stadien, die noch Kampfbahn hießen statt Arena.

Denn die Umgebung ist, um es kurz zu fassen, phantastisch. Die Hütte liegt an dem Lechtaler Höhenweg und dem E5-Fernwanderweg. Gleich ums Eck gibt es klassische alpine Touren, die durch die Felsen führen, und Klettergärten, in denen Routen mit vielsagenden Namen wie "Schnipp, Schnapp" oder "Fips for Kids" die mit Haken verkleideten Wände erschließen. Am anderen Ende der Schwierigkeitsskala stehen "Power come back", "Schleudersitz" oder "Ballerfrau". Auch zwei Klettersteige wurden angelegt, der Imster Klettersteig als Armkraft-Prüfung schon 1989 und nur für Könner. Die Kletterer, Wanderer und Bergabenteurer kommen angesichts dieses Angebots beinahe zwangsläufig, vorzugsweise während der Saison und am Wochenende. Ob sie über Nacht oder gar mehrere Nächte bleiben, ist wieder eine andere Frage.

Genauso wenig, wie sich ein gutes Hotel mit dem Strand davor und dem Freizeitangebot im Hinterland begnügt, wollte Riml nicht nur auf den Reiz der Berge vertrauen. Sein Credo: "Die Hütten müssen sich etwas einfallen lassen." Sein Trumpf: Von der Bergstation des Lifts ist es nur eine halbe Stunde zur Hütte. Sein Problem: Man konnte das Gebäude auch bei der Generalsanierung 2004 nicht vergrößern, weil der kleine Felsriegel dahinter als Lawinenbremse fungiert. Genauso wenig konnte er die Zahl der Zimmer oder Betten erhöhen. Es sollte zudem eine Berghütte für Wanderer und Kletterer bleiben und keine Sterne-Unterkunft für russische Milliardäre oder sinnsuchende Manager werden. Außerdem ist eine radikale Erhöhung der Preise alleine wegen der Auflagen des Alpenvereins nicht möglich.

Berghütten-Erfahrungen von Lesern Was haben Sie auf der Berghütte erlebt?
” Korrhütte, Zugspitzgebiet, August 2013: Mann weist Frau zurecht: "Wir sind hier nicht auf Mallorca". Haha

Als einzige Stellschraube blieb die Auslastung. Weil Ferien und Wochenenden ohnehin ausgebucht sind, konzentriert er sich auf die Wochentage in Vor- und Nachsaison. "Schon auf der Alm habe ich gewisse Kurse angeboten, um die Saison zu verlängern", sagt Riml.