Wikileaks-Gründer sagt aus Schwedische Staatsanwältin besucht Assange

Mann für Kontroversen: Wikileaks-Gründer Julian Assange bei einer Rede auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London.

(Foto: Peter Nicholls/Reuters)
  • Vor sechs Jahren soll der Wikileaks-Gründer zwei Frauen in Schweden sexuell belästigt haben. Assange bestreitet die Vorwürfe.
  • Er flüchtete sich 2012 vor der strafrechtlichen Verfolgung in die Botschaft Ecuadors in London.
  • Ecuador hatte zuletzt Assanges Internetverbindung gekappt. Man wolle sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einmischen.
Von Silke Bigalke, Stockholm

Nun haben sie sich endlich getroffen, Julian Assange und die Frau, die gegen ihn ermittelt: Die schwedische Staatsanwältin Ingrid Isgren hat den Wikileaks-Gründer am Montag in London zu den inzwischen sechs Jahre alten Vergewaltigungsvorwürfen befragt. Die Fragen durfte sie dabei nicht selber stellen, das übernahm ein ecuadorianischer Staatsanwalt. Isgren und eine Ermittlerin der schwedischen Polizei waren bei den Gesprächen in der ecuadorianischen Botschaft nur anwesend, ihren Fragenkatalog mussten sie im Voraus einreichen. Die Befragung könne sich bis Mittwoch hinziehen, sagte einer der Anwälte Assanges. Auch danach sei nicht sofort mit einer Entscheidung zu rechnen, hatte die schwedische Staatsanwaltschaft erklärt.

Das Gespräch gilt als möglicher Wendepunkt in einem Fall, in dem die Ermittlungen seit mehr als vier Jahren stillstehen. So lange lebt Julian Assange in der Botschaft, in die er sich 2012 geflüchtet hatte, um einer Auslieferung nach Schweden zu entgehen. Er wird verdächtigt, im Sommer 2010 eine Schwedin vergewaltigt zu haben. Die Vorwürfe einer zweiten Frau sind mittlerweile verjährt, Assange bestreitet sie in beiden Fällen. Dass er für die Befragung nie nach Stockholm kommen wollte, begründet er mit der Sorge, die Schweden könnten ihn an die USA ausliefern. Die Staatsanwälte wiederum lehnten ein Gespräch außerhalb Schwedens als wenig zielführend ab.

Die Botschaft hat Assange die Internetverbindung gekappt

2015 drohte dann die teilweise Verjährung, zudem ermahnte der Oberste Gerichtshof die Ermittler, den Fall voranzubringen. Länger als ein Jahr haben die Behörden in Ecuador und Schweden dann darüber verhandelt, ob und wie Assange in London befragt werden könnte.

Im Februar hatte eine Expertengruppe des UN-Menschenrechtsrats erklärt, dass Assange in der Botschaft gleichsam in unrechtmäßiger Haft sitze. Seine Verteidiger haben über Jahre hinweg vergeblich versucht, den europäischen Haftbefehl gegen ihn aufheben zu lassen. Die schwedischen Gerichte hielten daran auch nach dem Bericht der UN-Experten fest.

Vor der Botschaft in London warteten am Montag zahlreiche Journalisten und Assange-Anhänger auf Neuigkeiten. Ob der 45-Jährige die Botschaft allerdings sofort verlässt, sollten die Schweden die Ermittlungen einstellen, ist offen. Er könnte weiterhin befürchten, dass die britischen Behörden ihn wegen Verstößen in Großbritannien festnehmen.

Ecuador hatte zuletzt die Internetverbindung von Julian Assange in der Botschaft getrennt. Man wolle sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einmischen, so die Begründung. Wikileaks hatte während des US-Wahlkampfs geheime E-Mails der demokratischen Partei veröffentlicht.

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