Werner Mauss Millionen für Rebellen überweist man nicht vom Girokonto

Wofür braucht Mauss seit 35 Jahren anonyme Firmen? Eine naheliegende Vermutung wäre, dass Mauss diese anonymen Firmen und Konten genutzt hat, um die Provisionen für seine geheimen Geschäfte unauffällig kassieren zu können. Oder vielleicht auch, um Lösegelder zu bewegen. Mauss hat an der Befreiung etlicher Geiseln mitgewirkt. Nun kann man etwa an kolumbianische Rebellen aber nicht von jeder Sparkasse aus siebenstellige Summen überweisen. Eine Panama-Firma mit Konto auf den Bahamas wäre dafür gerade in den 80er- und 90er-Jahren, als die Banken noch erheblich laxere Regeln hatten, wohl ideal gewesen.

Dazu würde passen, dass der Ex-Manager der Dresdner Bank, Volker B. -Mauss' Luxemburger Mittelsmann - in vertraulicher Runde erzählt haben soll, er sei hier und da in geheimer Mission mit Geiselfreikäufen befasst. B. bestreitet dies. Mauss sei nicht sein Kunde, er, B., stehe diesem nur "aus freundschaftlicher Verbundenheit" in banktechnischen Fragen mit Rat zur Seite.

Mindestens ein Teil des Offshore-Geflechts dient offenbar ohnehin profanen Zwecken. Ein Mossfon-Mitarbeiter hielt in einem internen Memo fest, der Kunde wolle vor allem "Schutz seines Vermögens und Steuervorteile". Allein die Firma Anysberg International war den Panama Papers zufolge im Jahr 2014 mindestens eine Million Dollar wert.

Als die beiden Offshore-Firmen Nolilane und Transacta Valores 1997 in den Fokus des Spiegel gerieten, sagte Mauss dem Magazin, die "hierauf entfallenden Steuern" würden "selbstverständlich gezahlt". Tatsächlich finden sich in den Panama-Papers Steuerunterlagen. Allerdings auch nur für diese beiden Firmen.

Quelle: Panama Papers, Schwärzungen: Süddeutsche Zeitung

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Eine interessante Frage in all dem Gewirr von Tarnidentitäten und Tarnfirmen ist auch: Wer zahlt denn eigentlich Steuern? "Jacques" oder "Dr. Lampe"? Oder "Claus Möllner"? Der Mauss-Biograf Peter Schumacher behauptete 1997 unter Berufung auf eine Zeitung, auf den Namen Werner Mauss gebe es im zuständigen Finanzamt seit 1978 weder Steuerakte noch Steuernummer. Auf eine Anfrage der Grünen erklärte die Bundesregierung 1997, die Gelder, die Mauss vom BND bekommen habe, seien "an Hand pauschalierter Sätze versteuert" worden. Also: Pi mal Daumen.

Im Januar 2007 tauchte Mauss im Büro des rheinischen CDU-Innenpolitikers Wolfgang Bosbach auf. Mauss behauptete, von einem Journalisten erpresst worden zu sein, er fühle sich gefährdet und er warnte Bosbach, bei einer anstehenden Steuerprüfung bestünde die Gefahr, dass hochbrisantes Material an die Öffentlichkeit gelange. Könne man da nichts machen? Bosbach rief tatsächlich den damaligen nordrhein-westfälischen Finanzminister Helmut Linssen an, der Bosbach an einen Abteilungsleiter verwies. Kurioserweise musste Linssen 2014 als CDU-Bundesschatzmeister zurücktreten, weil bekannt wurde, dass er eine Briefkastenfirma führte, und zwar wie Mauss mit Hilfe von Mossack Fonseca.