Wahl in Frankreich Macron untermauert seine Favoritenrolle

François Fillon (ganz links), Emmanuel Macron, Jean-Luc Melénchon, Marine Le Pen, Benoît Hamon bei der TV-Debatte.

(Foto: AFP)
  • Mit der ersten großen Fernsehdebatte beginnt die heiße Phase des Wahlkampfs.
  • Vor allem zwischen Rechtspopulistin Le Pen und dem unabhängigen Bewerber Macron ging es zur Sache - sie sind die aussichtsreichsten Anwärter, sich beim ersten Wahlgang am 23. April für die Stichwahl zu qualifizieren.
  • Ein hitziger Wortwechsel entstand beim Thema Burkini, das in Frankreich im vergangenen Sommer für heftige Debatten gesorgt hatte.

Es ist die erste TV-Debatte mit den fünf aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten in Frankreich. Und so verschieden die Kandidaten, so verschieden auch ihre Standpunkte - diese werden auch gebetsmühlenartig heruntergebetet. Zumindest in einem scheinen sich die antretenden Herren einig zu sein: Marine Le Pen als gemeinsame Zielscheibe auszuwählen. Die rechtspopulistische Kandidatin wurde in der mehr als dreistündigen Debatte von ihren Konkurrenten scharf angegriffen.

Le Pen wurde vom parteilosen Mitte-Kandidaten Emmanuel Macron, vom Konservativen François Fillon, vom Sozialisten Benoît Hamon und von Linkspartei-Gründer Jean-Luc Mélenchon attackiert. Diese kritisierten im Privatsender TF1 Le Pens Pläne zu den Themen Einwanderung, Bildung und Sicherheit. Die Front-National-Chefin selbst erklärte, sie stehe für ein Frankreich, das sich nichts von "überstaatlichen Organen" diktieren lassen wolle.

Vor allem zwischen Le Pen und dem unabhängigen Bewerber Macron ging es zur Sache - sie sind die aussichtsreichsten Anwärter, sich beim ersten Wahlgang am 23. April für die Stichwahl zu qualifizieren. Macron musste seiner Rolle als Überraschungsfavorit der Umfragen gerecht werden - zugleich hat er als Einziger in der Runde noch nie zuvor für ein politisches Mandat kandidiert. Er hielt den Angriffen von rechts und links stand, zeigte sich offen für Vorschläge aus verschiedenen Richtungen und stellte seinen "Pragmatismus" als Leitlinie heraus. Einer Blitzumfrage des Senders BFMTV zufolge mit Erfolg: 29 Prozent der Befragten hielten ihn für den überzeugendsten der fünf Kandidaten.

Das Le-Pen-Risiko

Was wäre, wenn die rechtsextreme Kandidatin in Frankreich an die Macht kommt? Firmen aus dem Ausland müssten eventuell mit neuen Auflagen und Steuern rechnen. Von Katharina Wetzel mehr ...

Reizthema Burkini

Ein hitziger Wortwechsel entstand beim Thema Burkini, das in Frankreich im vergangenen Sommer für heftige Debatten gesorgt hatte. Während Le Pen argumentierte, der Ganzkörperbadeanzug für muslimische Frauen sei ein Zeichen für "die Zunahme des radikalen Islam in unserem Land", warf Macron der Rechtspopulistin vor, die Gesellschaft spalten zu wollen. Nach dem islamistischen Anschlag von Nizza mit 86 Toten am 14. Juli 2016 hatten zahlreiche französische Badeorte die Burkinis verboten. Nach einer Grundsatzentscheidung von Frankreichs Oberstem Verwaltungsgericht waren die meisten Burkini-Verbote aber gekippt worden.

In der Sicherheitsdebatte bezeichnete der Fillon Le Pens Plan, 40 000 zusätzliche Gefängnisplätze zu schaffen, als unrealistisch. "Ich schlage 16 000 Gefängnisplätze vor, das wäre schon mal nicht schlecht", sagte Fillon, der Frankreich vor allem mit einem Sparprogramm wieder auf die Beine helfen will.

Der Konservative warf Le Pen vor, ihre Pläne zu einem Ausstieg aus der Euro-Zone würden "wirtschaftliches und soziales Chaos" bringen. Le Pen wiederum warf ihm "Panikmache" vor. "Das nennt man 'Projekt Angst', Herr Fillon", sagte die Front-National-Chefin, und das sei bereits vor dem Brexit zum Einsatz gekommen. Le Pen will die Franzosen nach dem Beispiel Großbritanniens über einen EU-Austritt abstimmen lassen. Sie stehe für ein Frankreich, das seine eigenen Interessen vertrete. "Ich habe nicht vor, Merkels Stellvertreterin zu werden", sagte Le Pen, die Deutschland zuvor vorgeworfen hatte, dem Rest Europas Vorschriften zu machen.

Fillon kritisierte aber selbst auch die Flüchtlingspolitik Merkels als falsch. "Die Art, wie mit der Krise umgegangen wurde, hat enorme Probleme in Europa geschaffen", sagte Fillon.

Umfragen sehen Stichwahl zwischen Macron und Le Pen

Mit der Fernsehdebatte, die es in dieser Form in Frankreich vor einer Präsidentschaftswahl noch nie gegeben hat, beginnt die heiße Phase des Wahlkampfs. Bis zur ersten Wahlrunde am 23. April sind noch zwei weitere Fernsehdebatten geplant. Sie könnten das Präsidentschaftsrennen maßgeblich beeinflussen, zumal viele Franzosen noch unentschlossen sind, wem sie ihre Stimme geben sollen.

Im Rennen um die Nachfolge des unpopulären Sozialisten François Hollande sehen Umfragen derzeit den früheren Wirtschaftsminister Macron und Front-National-Chefin Le Pen vorne. Macron würde sich demnach in der Stichwahl am 7. Mai klar durchsetzen.

Der lange als Favorit gehandelte konservative Ex-Premierminister Fillon ist wegen der Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Ehefrau und zwei seiner Kinder in Umfragen abgestürzt. Inzwischen liegt er nur noch auf dem dritten Platz und würde damit den Einzug in die Stichwahl verfehlen. Der Sozialist Benoît Hamon liegt mit deutlichem Abstand auf dem vierten Platz, dicht gefolgt vom Linksaußen Mélenchon. In manchen Umfragen ist Mélenchon sogar mit Hamon gleichgezogen.

Nur dieser Mann kann Marine Le Pen noch stoppen

Der Elite-Student und frühere Banker Emmanuel Macron ist die Überraschung des französischen Wahlkampfs. Er könnte auch die Deutschen vor einer Katastrophe bewahren. Von Christian Wernicke mehr...