Wahl des Abgeordnetenhauses in Berlin SPD sondiert - Piraten baff

Paukenschlag bei der Wahl in Berlin: Erstmals zieht die Piratenpartei in ein deutsches Parlament ein und Bürgermeister Klaus Wowereit kann sich aussuchen, mit wem seine SPD künftig die Hauptstadt regiert. Die Berliner FDP strandet desaströs bei zwei Prozent - der liberale Nachwuchs hat vorsorglich für drei Pleite-Szenarien Pressemitteilungen vorbereitet.

Der Wahlabend in der Liveblog-Nachlese.

Zum Ende des Superwahljahrs 2011 blickt die Republik nach Berlin: Knapp 2,5 Millionen Berliner waren dazu aufgerufen, das Abgeordnetenhaus zu wählen. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis bleibt die SPD mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit auch künftig stärkste Kraft in der Hauptstadt: Die Sozialdemokraten kommen demnach auf 28,3 Prozent (2006: 30,8). Die CDU wird zweitstärkste Kraft mit 23,4 Prozent (2006: 21,3). Dahinter liegen die Grünen mit 17,6 Prozent (2006: 13,1) und die Linken mit 11,7 Prozent (2006: 13,4). Die FDP erlebt mit 1,8 Prozent (2006: 7,6) ein Debakel und wird nicht mehr im Abgeordnetenhaus vertreten sein. Neu im Parlament ist die Piratenpartei, die mit 8,9 Prozent auf Anhieb über die Fünf-Prozent-Hürde kommt.

Für sueddeutsche.de berichteten Thorsten Denkler, Hannah Beitzer, Michael Bauchmüller, Daniel Brössler, Constanze von Bullion (Berlin) sowie Sebastian Gierke.

22:00 Uhr Was ist Wowereits Sieg wirklich wert?

(Foto: dapd)

Der Wahlabend in Berlin neigt sich dem Ende zu. Noch steht das endgültige Wahlergebnis nicht fest, die Hochrechnungen bewegen sich aber kaum noch. Es war kein glanzvoller Sieg für den Regierenden Bürgermeister, klar ist aber: Klaus Wowereit,  seit zehn Jahren im Amt, kann die Hauptstadt auch künftig regieren - ob er eine Koalition mit den Grünen anstrebt oder mit der CDU, muss sich allerdings noch erweisen.

Auch ob Wowereits Ergebnis gut genug war, um ihm Chancen auf eine Kanzlerkandidatur zu eröffnen, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Um die Rolle als Sieger des Abends streiten sich SPD, CDU, Grüne und Piraten, über den Verlierer kann es aber keinen Zweifel geben: Das war die FDP. Oder doch Wowereit ? Seinen Wahlkreis 5 in Charlottenburg-Wilmersdorf hat er jedenfalls an die CDU verloren. Der bisher unbekannte Rechtsanwalt Claudio Jupe gewann das Direktmandat rund um die wohlhabenden Ortsteile Halensee und Grunewald mit 37,8 Prozent. Wowereit lag mit 36,8 Prozent um einen Punkt dahinter.

21:39 Uhr Ost und West wählen verschieden

Die Ergebnisse in Ost- und West-Berlin unterscheiden sich wieder deutlich. Die SPD ist - nach Auszählung von 60 Prozent der Stimmen - im Ostteil der Stadt stärkste Partei mit 28,5 Prozent. Im Westteil liegt dagegen die CDU mit 29,4 Prozent vorn. Die Sozialdemokraten folgen hier mit 27,5 Prozent auf dem zweiten Platz. Auf dem dritten Rang liegen die Grünen mit 20,0 Prozent vor der Piratenpartei mit 8,8 Prozent. Die Linke mit 4,3 Prozent und die FDP mit 2,5 Prozent bleiben im Westen unter der Fünf-Prozent-Marke.

In OstBerlin ist die Linke mit 22,4 Prozent dagegen zweitstärkste Partei vor der CDU (14,2 Prozent) und den Grünen (13,4 Prozent). Dicht dahinter liegt die Piratenpartei mit 10,6 Prozent. Die FDP kommt im Osten nur auf 1,2 Prozent. Die rechtsextreme NPD erreicht im Osten 2,8 Prozent und im Westen 1,6 Prozent.

21:15 Uhr Fließender Übergang von Politik zu Party

Piratenpartei-Wahlparty: Im "Ritter Butzke" wird die rauchgeschwängerte Luft immer dicker, jetzt ist das Samstagabend-Gefühl perfekt. In einem Raum läuft immer noch Wahlfernsehen, aber nebenan zappeln die jungen Piraten-Anhänger längst zu Elektro-Klängen herum.

Der Übergang von der Politik zur Party ist fließend - passt eigentlich ganz gut zu einer Wahl in der Partymetropole Berlin. "Vielleicht sollten wir als erstes einführen, dass sich im Abgeordnetenhaus alle duzen", sinniert einer.

21:12 Uhr Zittern um die rot-grüne Mehrheit

(Foto: dapd)

Wahlparty der Grünen: Die Stimmung bei den Grünen ist nicht mehr ganz so gut: Neue Hochrechnungen sehen Rot-Grün nur noch einen Sitz über der nötigen Mehrheit von 75 Sitzen. Es könnte also noch knapp werden. "Wenn diese Option flachfällt, wäre das übel", sagt ein Spitzengrüner.

20:57 Uhr Wer wird Wowereits Koalitionspartner?

"Wenn es irgendwie geht, wird Klaus Wowereit ein Regierungsbündnis mit den Grünen eingehen", sagt Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz. Tatsächlich hat Wowereit erkennbar wenig Sehnsucht nach einem Bündnis mit der CDU. Auch im Kesselhaus bei der SPD-Wahlparty der Kulturbrauerei, also beim Parteivolk, brach immer wieder ein lautes "Buh" und "Bäh" aus, als im Laufe des Abends auf den TV-Schirmen der rot-schwarze Kuchen wächst. Aber festlegen will sich Wowereit nicht. Die nächsten Tage, sagt er, werden spannend. "Wichtig ist, dass die Grünen sich bekennen zu einer Stadt, die auf Fortschritt setzt."

20:47 Uhr Wahlschlappen für NPD, Freiheit und Pro Deutschland

Die rechtsextreme NPD hat in Berlin die Fünf-Prozent-Marke klar verfehlt - aber offenbar mehr Stimmen erhalten als die FDP. Nach Auszählung von 41,9 Prozent der Stimmen kommt die NPD auf 2,1 Prozent. Für die FDP votierten nur 1,8 Prozent. Auf die beiden rechtspopulistischen und islamfeindlichen Parteien "Pro Deutschland" und "Die Freiheit" entfallen demnach 1,3 beziehungsweise 1,0 Prozent der Zweitstimmen.

20:44 Uhr Buschkowsky versteht die Piraten-Wähler nicht

Vor den Kameras wettert Heinz Buschkowsky, Bürgermeister des Bezirks Neukölln, schon mal gegen die "Schlafmützenjustiz" und beschimpft Jugendrichter als "Schwachmaten". Mit derben Sprüchen hat sich der SPD-Politiker Buschkowsky einen Namen gemacht. Jetzt klingt er allerdings etwas kleinlaut: "Mir wären stabile politische Verhältnisse sehr recht". Was er meint:  "Eine knappe Mehrheit mit den Grünen wäre zu unsicher."

Ihm bereiten vor allem die Piraten Kopfzerbrechen: "In Neukölln werden sie zweistellig sein. Mit einem Programm, in dem steht, dass der Nahverkehr kostenlos sein soll." Aus seinem Gesicht spricht das pure Unverständnis. Bei einer Wahlbeteiligung von knapp 60 Prozent, bedeute das: "Für eine verlässliche Politik ist nur noch eine Minderheit im Volk zu haben."

Schimpft da ein Politiker tatsächlich an einem Wahlabend über die Wähler?

20:40 Uhr Hauptsache, Wowi regiert.

(Foto: dpa)

Wahlparty der SPD in der Kulturbraurerei: Die Musik stampft, aber das Wahlvolk tanzt nicht. Momentan 28,4 Prozent, aber auf alle Fälle deutlich unter 30. Viele sind enttäuscht, ziehen die Jacken an. Nur Heinz Buschkowsky, der Bürgermeister von Neukölln gibt noch ein Interview. Gleiches gilt für Manuela Schwesig, die aus Mecklenburg-Vorpommern angereist ist, in außerordentlich schlecht sitzendem Jackett. Aber Hauptsache, Wowi regiert.

20:33 Uhr Sascha Lobo über die Piraten

Piratenpartei-Wahlparty: Auf einen Club Mate mit Sascha Lobo: Was bedeutet der Einzug der Piraten ins Abgeordnetenhaus? "Dass keine Politik mehr an der digitalen Vernetzung vorbei gemacht werden kann." Ohne Internet keine Politik - das ist laut Blogger Sascha Lobo die Lehre, die die anderen Parteien aus dem Sieg der Piraten ziehen müssten. Ist Sascha Lobo ein Piratenwähler? "Ne, ich habe SPD gewählt."

20:30 Uhr Berliner Runde endet mit Geschrei

Berlin ist vergessen, Griechenland ist jetzt das Thema der Berliner Runde. Es geht ziemlich laut zu. Christian Lindner wird von den drei Frauen vorgeworfen, die FDP habe völlig unverantwortlich gehandelt in den vergangenen Tagen, Wahlkampf auf Kosten Europas und auf Kosten der Griechen gemacht. Lindner schüttelt ständig den Kopf und seufzt zum fünften Mal: "absurd". Und dann geht er in die Offensive: Es gehe nicht um das Schicksal seiner Partei, sondern um das Schicksal des Landes. Um das Schicksal Deutschlands. Und seine Partei stehe immer noch in der Tradition überzeugter Europäer wie Hans Dietrich Genscher.

Tatsächlich tun sich die Frauen jetzt schwer, sich gegen die drei lauten Männer Gehör zu verschaffen. Alle brüllen durcheinander. Am lautesten Christian Lindner. Der FDP-Generalsekretär plustert sich auf, als hätte er tatsächlich gerade von den Wählern einen Auftrag zum Streiten bekommen. Dabei liegt die FDP laut der aktuellsten Hochrechnung bei 1,9 Prozent. Lindner macht das nicht demütig. Er unterbricht fast jeden Wortbeitrag der femininen Gegenseite - und so endet die TV-Diskussion in lautem Geschrei und ohne weiteren Erkenntnisgewinn.

20:20 Uhr sueddeutsche.de-User diskutieren über FDP

(Foto: dpa)

Das schlechte FDP-Ergebnis beschäftigt auch die User von sueddeutsche.de: Mit der Hochrechnung von 1,8 Prozent werde endlich der Gag mit dem verrutschten Komma Realität, schreibt User "bad_timing". Im Bundestagswahlkampf 2002 hatte die Westerwelle-FDP damals ein Ergebnis von 18 Prozent angepeilt. bad_timing fordert auch eine Auflistung der FDP unter den sonstigen Parteien. Den gestiegenen Stimmenanteil der CDU erklärt er mit "Abwrackstimmen" enttäuschter FDP-Wähler.

Die Berliner Wähler hätten richtig gehandelt, schreibt User "rokna" weil sie die "F.eudal D.emokratische P.artei ins Aus geschickt" hätten. Rot-Grün mit flankierender Unterstützung durch die Piraten könne Berlin jetzt gut gebrauchen. Das unklare Profil der Piratenpartei verteidigt User "filzstift" mit Blick auf die etablierten Parteien: "Unklares Profil?! Naja. Doch lieber klare Profile, die man wechselt wie's Hemd, um an der Macht zu bleiben."

20:17 Uhr Grüner Stolz - und ein Seitenhieb für die Piraten

Wahlparty der Grünen: Die Piraten beschäftigen die Grünen. Drei Tage lang hatten sie schließlich ununterbrochen geblogt kurz vor der Wahl. "Netzaffinität muss man uns nicht mehr beibringen, das können wir", sagt Parteichef Cem Özdemir. Natürlich gratuliere er trotzdem der Partei, aber nicht ohne eine kleine gehässige Bemerkung: "Parlament bedeutet auch, Anträge zu schreiben und zuzuhören", sagt Özdemir. "Wollen wir mal sehen, wie das klappt."

Und ihr eigenes Wahlergebnis wollen sich die Grünen auch nicht zerreden lassen. Schließlich habe keine Partei solche Zuwächse gehabt wie sie. Jedenfalls keine von denen, die vorher schon im Abgeordnetenhaus waren, sagt Özdemir. Eine wichtige Einschränkung, denn besser waren nur die anderen: die Piratenpartei.

20:10 Uhr Wundern über Dobrindt

In der Berliner Runde des ZDF versucht nun Alexander Dobrindt, Generalsekretär der CSU, sich einzumischen. Aber Steffi Lemke lässt sich nicht unterbrechen und fragt zurück: "Warum Sitzen sie hier eigentlich? Das verstehe ich heute noch weniger als sonst, Herr Dobrindt. Auf Ihrem Stuhl müsste jetzt ein Vertreter der Piraten sitzen." 

Sie hat Recht: Wo sind die Piraten? Der Moderator schweigt.

Stattdessen darf jetzt der Zwei-Prozent-Mann Lindner sprechen: "Eine schwere Niederlage" habe die FDP erlitten. Und die Partei müsse sich jetzt sammeln. Auch Caren Lay von der Linken ist enttäuscht. Man habe das Ziel nicht erreicht. Aber man habe auch einen schweren Stand gehabt, weil der personenbezogene Wahlkampf, Wowereit gegen Künast, wenig Platz für linke Positionen gelassen hätte.

CSU-General Dobrindt darf auch noch: Er gibt den Rösler und erklärt, es dürfe keine Denkverbote geben, was die Euro-Rettung angeht. Auch Horst Seehofer, sein Chef, hatte das gerade in einem Interview erklärt. Warum Dobrindt das allerdings jetzt in der Berliner Runde nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus erzählt, ist immer noch nicht ganz klar. Er redet über Griechenland. Was hätten die Piraten wohl zu diesem Thema gesagt?

20:05 Uhr Klare Fronten in der Berliner Runde

Jetzt die Berliner Runde. Strikt getrennt im Fernsehstudio: Links drei Frauen, rechts drei Männer. Links sitzen Andrea Nahles, Generalsekretärin der SPD, die Grüne Steffi Lemke und Caren Lay von den Linken. Rechts haben Hermann Gröhe, Generalsekretär der CDU, Christian Lindner von der FDP und Alexander Dobrindt, der Generalsekretär der CSU, Platz genommen. Dobrindt? Was macht denn der Herr aus München da? Und wo sind die Piraten?

Andrea Nahles, die Generalsekretärin der SPD, darf anfangen und erklärt, die größten Schnittmengen gebe es mit den Grünen, aber man werde auch mit der CDU Sondierungsgespräche führen.

Hermann Gröhe will allerdings nicht um die SPD buhlen. Er will, dass das Publikum die CDU als Sieger dieser Wahl wahrnimmt. Und er will nicht der SPD hinterherrennen. Er tut es dennoch: Die Autobahn A 100 ausbauen, das könne Wowereit nur mit der CDU, die Grünen seien dagegen.

Steffi Lemke, politische Geschäftsführerin der Grünen, gibt ihm da recht. Einen Ausbau der Autobahn sieht sie nicht als zukunftsweisend an. Auch sie sagt, sie wolle nicht um die SPD buhlen. Tut es dann aber doch. Nur mit den Grünen könne es in Berlin Veränderung geben.

19:57 Uhr Partystimmung bei den Piraten

(Foto: AFP)

Piratenpartei-Wahlparty: Fernseher aus, Elektro an: Bei den Piraten wird jetzt aufgelegt, die Bässe wummern im typischen Berliner Club-Sound. Man fühlt sich fast wie Samstagnacht, als eine Gruppe Piratenanhänger mit kleinen Schnapsfläschchen anstößt. Na dann, Prost. Dann taucht auf einmal Sascha Lobo auf - eigentlich logisch, die personifizierte Blogosphäre mit der roten Punkfrisur darf natürlich beim Piraten-Wahlsieg nicht fehlen. Er steuert auf den Presseraum zu. "Herr Lobo, haben Sie überhaupt ein Wichtig-Bändchen?" ruft einer am Eingang. Lobo geht weiter, zückt die Kamera, fotografiert.

19:55 Uhr Linke wollen zusammenstehen - in schlechten Zeiten

Früheres Kino Kosmos, Wahlparty der Linken: Das Duo der Parteivorsitzenden erklimmt die Bühne. "Eine Partei zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht nur in guten Zeiten zusammensteht, sondern auch in schlechten", sagt Klaus Ernst. Dann erläutert er, dass es "nicht um Personen" geht, sondern um Inhalte. Das sehen nicht alle so.

Der Frust über die Parteispitze ist groß in den Landesverbänden, auch in Berlin. "Wir haben mehr erwartet, mehr erhofft", gibt Ernsts Co-Vorsitzende Gesine Lötzsch zu. Gerade ihr und ihren Ausführungen zu Kommunismus und Mauer lasten viele die Schwäche der Partei an. Die Linke habe in der Vergangenheit bewiesen, dass sie auch mit Niederlagen umgehen könne, sagt Lötzsch. Was das für sie persönlich bedeutet, lässt sie offen.

19:49 Uhr FDP-Debakel erfreut die Grünen

Grünen-Wahlparty: Diszipliniert sind die Grünen, keine Frage. Noch vor dem Beginn der eigentlichen Wahlparty haben sie kleine Generalproben für den Applaus gemacht. Jetzt beklatschen sie jede einzelne neue Hochrechnung, selbst wenn sie mal schwächer ausfällt als die vorherige. Es ist die Choreografie einer Niederlage, die auch ein Erfolg ist. Soll am Ende keiner sagen, Künast sei Verliererin der Wahl, nur weil sie nun doch nicht Regierende Bürgermeisterin wird. Niemand aber entzückt die Grünen so wie die Konkurrenz: Dass die FDP derart abgestürzt ist, sorgt für den größten Jubel. Ganz echten.

19:41 Uhr Linke im Regen

Linken-Wahlparty: Vor dem früheren Kino Kosmos stehen die linken Raucher im Regen. Zwei Zahlen spielen in den Gesprächen eine besondere Rolle. Knapp unter fünf Prozent haben die Linken im Westteil der Stadt geholt, gerade einmal 22 Prozent im Osten. Im Westen unter der Fünf-Prozent-Hürde, in den Hochburgen im Osten nicht mehr wirklich viel zu holen. Beides schlimm, wird im Regen gemault. Zu hören ist auch, wie sehr das gute Abschneiden der Piraten zu denken gibt. Der Linken drohe "eine ganze Generation verloren zu gehen", warnt die Vize-Vorsitzende Halina Wawzyniak.

19:39 Uhr Claudia Roth will Zeichen setzen - für 2013

Grünen-Wahlparty: Für Parteichefin Claudia Roth ist die Sache jetzt schon ganz klar: Wowereit muss mit den Grünen koalieren. Schließlich stelle sich die Frage: "Ist die SPD bereit, auch ein Signal für 2013 zu senden, dass wir Schwarz-Gelb ablösen wollen?"

19:34 Uhr CDU-Kandidat Henkel wirbt um Wowereit

(Foto: dpa)

Eberhard Diepgen, elf Jahre lang Regierender Bürgermeister für die CDU in Berlin, gibt sich staatsmännisch und selbstbewusst. Seinem Parteikollegen und Spitzenkandidaten Frank Henkel rät er: "Ich würde jetzt Forderungen an Wowereit stellen. Klare Forderungen. Und ihn fragen, ob er wirklich Veränderung will. Denn die gibt es nur mit der CDU."

Henkel selbst hat sich bereits für Verhandlungen über eine rot-schwarze Regierungskoalition ausgesprochen. "Wir werden uns im Interesse der Menschen in unserer Stadt ernsthaften Gesprächen nicht verschließen", sagt Henkel. Der Ball liege nun beim Wahlsieger SPD. Die CDU habe gezeigt, dass sie auch in schwierigen Zeiten bei Wahlen zulegen könne, gerade auch in Großstädten. "Wir haben uns durch unsere Arbeit Respekt zurück erkämpft", erklärt Henkel.

19:23 Uhr Ober-Pirat ist "baff"

(Foto: dapd)

Mehr als 50 Din-A4 Seiten. So dick sei das Wahlprogramm der Piraten, erklärt deren Spitzenkandidat Andreas Baum. "Und jetzt ist es an der Zeit, dass auch die anderen Parteien da mal rein schauen." Der 33-Jährige bleibt cool, trotz der unzähligen Mikrofone, die ihm vor die Nase gehalten werden. "Ich bin einfach baff", sagt Baum angesichts des herausragenden Ergebnisses für seine Partei. Er versichert, die Piraten seien gut aufgestellt für die Oppositionsarbeit und nicht nur eine Ein-Themen-Partei. Er verweist noch einmal auf die 50 Seiten. Das klingt dann fast etwas altbacken. Ein ausgedrucktes Parteiprogramm? Auf Papier? Totem Holz? Die Piraten?

19:21 Uhr Auf alle Katastrophenszenarien vorbereitet

FDP-Parteizentrale: Die Berliner Jungliberalen sind sauer, vor allem auf die stellvertretenden Landeschefs. Die hätten die Wahlkampagne vergeigt, aber nicht den Kopf hingehalten. Einer der Julis verteilt eine vorbereitete Pressemitteilung, in der die Julis einen Sonderparteitag der Landes-FDP fordern. Es habe drei Entwürfe gegeben, erklärt der junge Mann: Einen für "knapp raus" aus dem Parlament, einen für "deutlich raus" und einen für ein katastrophales Ergebnis, wie es sich jetzt darstellt. Die Julis haben offenbar auch nicht mehr an ein Wunder geglaubt.

19:18 Uhr Wowereit bleibt vage

(Foto: dpa)

Klaus Wowereit ist jetzt schon länger Regierender Bürgermeister in Berlin, als es Willy Brandt war, doch die Frage nach einer Kanzlerkandidatur findet er "komisch". Aber: "Wir müssen bei den kommenden Bundestagswahlen Angela Merkel ablösen. Da sind wir uns einig." Wie man sich dafür personell aufstellen müsse, das werde man sehen. Dann lacht Wowereit. Völliges Desinteresse sieht anders aus.

Der Fraktionschef der Linkspartei im Abgeordnetenhaus, Udo Wolf, macht unterdessen die Bundespartei für die Schlappe seiner Partei mitverantwortlich. Die Diskussionen der Parteispitze im Sommer hätten "nicht viel Gutes gebracht", sagte er. Wolf nannte den Wahlausgang eine "Niederlage". Die Linke-Bundespartei hatten im Sommer unter anderem mit einem Glückwunschschreiben an den früheren kubanischen Diktator Fidel Castro für Schlagzeilen gesorgt.

19:05 Uhr Ehrliche Worte vom FDP-Generalsekretär

FDP-Wahlparty: Eines muss FDP-Generalsekretär Christian Lindner gelassen werden: Wenn es um das Bewerten von Wahlergebnissen geht, gehört er zu den Wenigen, die benennen können, was ist: Dieses Ergebnis sei "eine Niederlage" und "ein Tiefpunkt". Die Berliner FDP habe kämpfen müssen in einem "schweren Umfeld" und ohne "Gestaltungsperspektive". Das sind zumindest mal klare Ansagen. Sein Vorgänger Dirk Niebel hätte selbst aus einem Ergebnis unter zwei Prozent noch einen Sieg für die FDP gemacht.

19:01 Uhr Virtuelle Themen, reale Erfolge

Piratenpartei-Wahlparty: Einer der zukünftigen Abgeordneten ist Philipp Magalski, die Nummer zwei auf der Landesliste. "Es ist natürlich ein wunderschönes Gefühl, dass die Bürger die Piraten im Abgeordnetenhaus haben möchten, dass sie mehr Transparenz in der Politik wünschen", sagt er. Magalski stellt nochmals klar, dass die Piraten ausdrücklich mit dem Ziel angetreten seien, Verantwortung zu übernehmen. "Und jetzt ist der Drops erst einmal gelutscht."

Sein zukünftiger Abgeordneten-Kollege Heiko Herberg ergänzt: "Dass wir die fünf Prozent so massiv überschritten haben, ist schon sehr schön." Sie hätten bereits bei den Infoständen gemerkt, dass sich die Leute sehr für die Piraten interessieren. "Die anderen Parteien haben immer die Flucht ergriffen, wenn wir unsere Stände aufgebaut haben", sagt er und lacht. Die Infostände seien besonders wichtig gewesen, sagt auch Magalski: "Wir mussten den Leuten zeigen, dass wir Menschen aus Fleisch und Blut sind, dass wir auch im real life präsent sind - und nicht nur im Internet." Das ist ihnen gelungen: Etwa jeder elfte Berliner hat die Piraten gewählt.

18:56 Uhr Piraten jubeln - und lachen über die Liberalen

(Foto: dapd)

Piratenpartei-Wahlparty: Am größten ist die Schadenfreude gegenüber der FDP. Wann immer das klägliche Ergebnis der Liberalen über den Bildschirm flimmert, johlen die Piraten-Anhänger, sie lachen hämisch, klatschen in die Hände. Die Kandidaten verschwinden nach und nach mit Journalisten im Pressezimmer - die Pflichten eines Abgeordneten, sie beginnen schon jetzt.

Vor dem Bildschirm feiert man wie unter Freunden, Bierflaschen klirren aneinander, Zigarettenrauch steigt zur Decke. Wohin man schaut, überall lachende, aber immer noch etwas ungläubige Gesichter. Sicher, die Umfragen vor der Wahl legten ein solches Ergebnis nahe - doch jetzt, wo es tatsächlich so weit ist, ist es halt doch was anderes.

18:52 Uhr Gysi, der kleine Muntermacher

Linken-Wahlparty: Gregor Gysi weiß, was seine Leute von ihm erwarten. Er gibt bei der Wahlparty im früheren Kino Kosmos auf der Karl-Marx-Allee den kleinen Muntermacher. "Wer mit so einer kleinen Niederlage nicht feiern kann, der taugt nichts", ruft er. Dass die Linke sich ihre "kleine Niederlage" selbst zuzuschreiben hat, das gibt er zu. "Wir müssen Politik machen. Die kleinen Geister möchte ich nicht mehr hören", ruft er.

18:47 Uhr Wowereit tanzt

(Foto: dpa)

Wie ein Popstar: Klaus Wowereit tritt vor seine Anhänger. "Can´t get no sleep", dröhnt aus den Lautsprechern in der Kulturbrauerei. Wowereit klatscht, Wowereit tanzt. Ein Triumphzug. Ein ZDF-Reporter drängelt sich nach vorne: "Eine Frage zur Koalition?" Wowereit schaut irritiert. Dann lacht der SPD-Mann. Und tanzt kommentarlos weiter.

CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel reagiert etwas dünnhäutig, angesichts der Party-Bilder bei der SPD. "Wenn sie bei uns reingeschaltet hätten, hätten sie gesehen, dass wir genauso gefeiert haben", sagt er. Man nimmt es ihm nicht wirklich ab. Dann erklärt Henkel, warum auch die CDU Grund zum Feiern habe:  Rot-Rot sei abgewählt. Damit zumindest hat er recht.

Das ZDF schaltet dennoch schnell wieder um zu Wowereit. Als hätte er Henkel gehört, ruft der alte und neue Berliner Bürgermeister gerade: "Ich hab gerade  die anderen Wahlpartys angeschaut und muss sagen: Unsere ist die schönste, unsere ist die beste."

18:45 Uhr FDP-Spitzenkandidat gesteht Niederlage ein

(Foto: dpa)

FDP-Parteizentrale: Völlig unbemerkt steht plötzlich ein zerknirschter Christoph Meyer am Rednerpult, der Spitzenkandidat der Berliner Landes-FDP. Es dauert etwas, bis alle das gemerkt haben. Dann kommt doch ein warmer Applaus zustande. Die Niederlage gesteht Meyer sofort ein. Es folgt eine schonungslose Abrechnung mit dem eigenen Wahlkampf. Er habe auf der Straße, an den Ständen erleben müssen, in welchem Umfang "der Markenkern der FDP beschädigt ist". Es sei "uns zu keinem Zeitpunkt gelungen, uns vom Bundestrend positiv abzusetzen." Die bescheidenen Zukunftsaussichten für die FDP: "Es werden auch bessere Zeiten kommen." Dann geht Meyer ab, als junger und geschlagener Mann.

18:35 Uhr Fast alle sind Sieger, irgendwie

Sie hatten ja noch einmal alles versucht, die Liberalen. Es ist wohl beim Versuch geblieben. Mit scharfer Kritik an den geplanten Griechenland-Hilfen und der Kanzlerin wollte Parteichef Philipp Rösler Wähler mobilisieren. Das ist deutlich misslungen. Die Wähler folgten offenbar eher dem CDU-Spitzenkandidaten Henkel, der bei den Abschlusskundgebungen der Parteien am Freitag an die Adresse der FDP gesagt hatte: "Verzweifelte Parteien greifen zu verzweifelten Mitteln."

Bei der FDP, das ist klar, werden nach diesem desaströsen Ergebnis  Konsequenzen gezogen werden: Der Fraktionsvize Sebastian Czaja fordert den Landesvorsitzenden Christoph Meyer jedenfalls vorsorglich schon zum Rücktritt auf. Czaja erklärt, die FDP brauche eine "vollständige Erneuerung, die völlige Rückbesinnung auf den verloren gegangenen Wähler und eine umfassende Neupositionierung der FDP". Das einzig richtige Signal könne nur der Rücktritt von Christoph Meyer sein, der als Vorsitzender nicht funktioniert hat.

Die Grünen haben nach Einschätzung der Fraktionsvorsitzenden im Abgeordnetenhaus, Ramona Pop, ihr Wähler-Potenzial in der Stadt nicht ausgeschöpft. Die Partei habe zwar nicht alle ihre Wahlziele erreicht, aber Rot-rot sei abgewählt, sagt Pop. Zugleich verteidigt sie die Spitzenkandidatur von Renate Künast in Berlin. Künast sei die richtige Kandidatin gewesen und habe neue Ideen in die Landespolitik gebracht, sagte Pop.

Und da ist sie: Renate Künast betritt die Bühne bei der Grünen-Wahlparty - und macht sich in ihrer kurzen Ansprache auch schon davon. "Wir bleiben dran", sagt sie und meint damit aber nicht mehr sich selbst. Das Abenteuer "Kampf um das Berliner Abgeordnetenhaus" ist für sie vorbei. Künast wird sich wieder auf ihre Tätigkeit als Fraktionsvorsitzende im Bundestag konzentrieren. Deutlich geschwächt allerdings. Denn die Grünen blieben stark hinter den Erwartungen zurück. In den Umfragen hatte die Partei zeitweise bei 30 Prozent gelegen und sogar die SPD überrundet. Von dieser Stärke ist am Wahltag nicht mehr viel geblieben.

18:27 Uhr Erste Hochrechnung

Jetzt ist auch die erste Hochrechnung da: Die Sozialdemokraten kommen auf 28,7 Prozent. Die CDU erhält 23,2 Prozent, die Grünen mit Renate Künast an der Spitze verbessern sich auf 18,4 Prozent. Die Linke verschlechtert sich auf 11,5 Prozent. Die FDP verpasst mit 2,0 Prozent klar den Wiedereinzug in das Abgeordnetenhaus, während die Piratenpartei mit 8,9 Prozent erstmals den Sprung in ein deutsches Landesparlament schafft.

Und schon beginnt der Kampf über die Deutungshoheit des Wahlergebnisses. Peter Altmaier, der parlamentarische Geschäftsführer der CDU, ist der erste Konservative vor den Kameras. Er wirkt eher zerknirscht, erklärt aber: "Das Wichtigste ist doch: Rot-Rot ist abgewählt. Und die CDU hat das beste Ergebnis aller Wahlen in diesem Wahl erreicht." So kann man das Ergebnis auch sehen.

Andrea Nahles sieht zufrieden aus, trotz der Verluste: "Ein schöner Erfolg", lächelt die Generalsekretärin der SPD. "Der Regierungsauftrag liegt bei der SPD, an uns geht nichts vorbei." Und schon geht es auch um eine mögliche Kanzlerkandidatur Wowereits.

18:24 Uhr "Demütigend, absolut demütigend"

FDP-Parteizentrale: Patrick Kurth, Bundestagsabgeordneter und Generalsekretär der FDP in Thüringen, fällt angesichts der Zwei-Prozent-Prognose nur ein Wort ein: "Demütigend, absolut demütigend". Dennoch will er das Ergebnis nicht überbewertet sehen. Von Berlin könne nicht auf den Bund geschlossen werden, sagt er tapfer. Irgendwoher muss er ja noch seine Hoffnung nehmen.

18:22 Uhr Piraten feiern Silvester im September

Piratenpartei-Wahlparty: Die Stimmung ist wie auf einer Silvesterfeier, die Piraten johlen, buhen die FDP aus, hüpfen, klatschen. Neun Prozent! "Ich fass es nicht, ich fass es nicht", hört man aus allen Ecken. "Ich bin Abgeordneter", sagt einer. Er schüttelt den Kopf, als erwarte er, dass der Traum gleich vorbei ist.

18:10 Uhr Jubel bei den Liberalen - Die Partei unterwandert FDP

(Foto: dpa)

FDP-Parteizentrale: Die Prognose: FDP bei zwei Prozent. Und was passiert: unbeschreiblicher JUBEL! Konfettiregen. Menschen reißen die Arme hoch. "Jetzt geht's lohos! Jetzt geht's lohos!", rufen sie. Bei anderen: verstörte Gesichter. Aktivisten der Partei "Die Partei" von Satiriker Martin Sonneborn haben die Wahlparty der FDP unterwandert, halten Plakate hoch, auf denen steht "Inhalte überwinden". Zwei Prozent. Das ist ja an sich schon Demütigung genug, doch Sonneborn hat noch mal kräftig nachgetreten. Am Ende stellt sich der einstige Titanic-Chefredakteur hinter das Pult, an dem gleich FDP-Generalsekretär Lindner das Wahlergebnis kommentieren wird. Sonneborn reckt die Fäuste als Zeichen des Sieges in die Höhe. Wenigstens das können zwei gewichtige Security-Mitarbeiter nach wenigen Sekunden freundlich, aber bestimmt unterbinden.

18:07 Uhr Wowereit kann trotz Verlusten weiterregieren

Damit ist klar: Es ist kein glanzvoller Sieg, aber Klaus Wowereit kann Regierender Bürgermeister von Berlin bleiben. Seine rot-rote Koalition wird aber wohl ihre Mehrheit verlieren, da sowohl die SPD als auch die Linken Stimmen an die Konkurrenten abgeben mussten.

18:00 Uhr SPD gewinnt, CDU vor den Grünen, FDP stürzt ab, Piraten drin

Die erste Prognose der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF ist da: Demnach rutschen die Sozialdemokraten knapp unter die 30-Prozent-Marke, auf 28,5 Prozent. Zweitstärkste Partei wird mit 23 Prozent die CDU. Der Linkspartei werden 11,5 Prozent vorhergesagt. Die Grünen bleiben mit 18,5 unter 20 Prozent. Die FDP verfehlt den Einzug ins Parlament mit zwei Prozent klar. Die Piraten kommen auf neun Prozent - mit einem so guten Ergebnis hatten wohl nur wenige gerechnet.

Hier der Vergleich zu 2006: Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus vor fünf Jahren hatte die SPD 30,8 Prozent der Stimmen geholt, die CDU war auf 21,3 Prozent gekommen. Für die Linke hatten 13,4 Prozent der Wähler gestimmt, für die Grünen mit 13,1 Prozent etwas weniger. Die FDP war 2006 noch auf 7,8 Prozent der Stimmen gekommen und die Piraten waren gar nicht angetreten.

17:58 Uhr Lebenszeichen der FDP

FDP-Parteizentrale: Dicht an dicht stehen die Liberalen und warten bei Brezeln und Freibier auf die 18-Uhr-Prognose. Es ist, als wollten sie allen noch mal zeigen, dass es sie in dieser Stadt noch gibt. Manche lächeln auch und begrüßen sich strahlend. Sie haben alles getan, mehr war nicht drin. Die Wähler haben entschieden. Das ist die Stimmung.

17:52 Uhr Spitzenkandidaten und ihre Begleiter

Wowereit ging am Vormittag im Jugend- und Kulturzentrum "Spirale" in Wilmersdorf wählen, zusammen mit seinem Lebensgefährten Jörn Kubicki. Der Spitzenkandidat der CDU, Frank Henkel, gab sein Votum in Mitte ab. Er kam gemeinsam mit seinen Eltern. Mit ihrem Wahlkampfleiter Heiko Thomas kam die Spitzenkandidatin der Grünen, Renate Künast, zur Stimmabgabe in Charlottenburg. Sie sagte, sie wünsche sich, dass es in Berlin endlich wieder Bewegung gebe: "Wir hatten zehn verschlafene Jahre." Ob sie allerdings auch für Bewegung sorgen wird, wenn es nur für die Opposition reicht - und Frau Künast als Fraktionschefin im Bundestag weitermachen wird?

17:49 Uhr Piraten gucken Internet-TV

Piratenpartei-Wahlparty: Um den Hals tragen die Kandidaten der Piratenpartei Schilder, auf denen ihr Namen steht. Sie quatschen mit Interessierten über Geschlechterbilder, die Besonderheiten von Berlin und natürlich das Internet. Die Wahlsendung guckt man stilecht über Zattoo - kostenloses Internetfernsehen.

17:43 Uhr Von Piraten und Rittern

Piratenpartei-Wahlparty: Die Piraten treffen sich in einem namensmäßig verwandten Szene-Club in Kreuzberg: dem "Ritter Butzke". Hier sieht's ein bisschen aus wie in einer Räuberhöhle voller Diebesgut: abgeschabte Optik, roter Samt und eine unfassbare Ansammlung an Kitsch. Diskokugeln, Kronleuchter, Sonnenschirme, Puppen mit abgebrochenen Gliedmaßen, viel Lametta und Glitzer. Von der Decke hängen riesige Schneeflocken aus Watte. Die Piraten sind, wie man es bei dem Namen vermuten möchte, ein reichlich bunt-alternativer Haufen: Nerd-Jungs mit Babygesichtern, gepiercte Mädchen mit orangenen Haaren, langhaarige Männer mit Bierbäuchen. Es herrscht gespannte Aufmerksamkeit, klar. Schließlich erwartet man nicht weniger als ein kleines Wunder: Die Piratenpartei hat beste Chancen, ins Berliner Abgeordnetenhaus einzuziehen.

17:34 Uhr Liberales Leiden

FDP-Parteizentrale: Schon erstaunlich, die Leidensfähigkeit mancher Liberaler. Ein paar Dutzend von ihnen haben sich schon hier versammelt im Thomas-Dehler-Haus, der Parteizentrale der Bundes-FDP. Dabei verspricht das hier nicht gerade ein lustiger Abend zu werden. Bisher hat keine Prognose der vergangenen Monate die FDP noch im Berliner Abgeordnetenhaus gesehen.

17:33 Uhr Wowereit ruft Berliner zur Stimmabgabe auf

2,47 Millionen Berliner waren zur Wahl aufgerufen. Ins Rennen gehen 22 Parteien. Um die mindestens 130 Sitze im Abgeordnetenhaus bewerben sich mehr als 900 Kandidaten. Darüber hinaus konnten in Berlin lebende EU-Bürger sowie die 16- und 17-jährigen Berliner über die Zusammensetzung der zwölf Bezirksverordnetenversammlungen bestimmen. Klaus Wowereit rief die Berliner noch bei seiner Stimmabgabe am Morgen zur Wahl auf. "Die Leute sollen wählen gehen, damit die Kleinen nicht so viel Macht bekommen", sagte Wowereit, der die Stadt seit zehn Jahren regiert.

17:22 Uhr Berlin wählt - Wahlbeteiligung niedriger

Die Wahlbeteiligung ist offenbar geringer als vor fünf Jahren. Bei schlechtem Wetter in Berlin hatten bis zum Mittag nur 19,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Damit lag die Wahlbeteiligung zu diesem Zeitpunkt um 3,2 Prozentpunkte niedriger als bei der Wahl 2006. Insgesamt hatte die Wahlbeteiligung 2006 bei 58 Prozent gelegen.