US-Wahl 2016 17.45 Uhr - vor dem Ohio State Building

Die Sonne geht gerade unter in Columbus an diesem Dienstag, es regnet. Vor dem Ohio State Building im Stadtzentrum sind immer mehr Journalisten zu sehen. Sie warten auf Gouverneur John Kasich und Bürgermeister Andrew Ginther, die heute Abend hier sprechen sollen. Auf der anderen Straßenseite lungert ein junger Mann herum, er macht ein paar Fotos von diesem Gebäude und lächelt. Es ist Tyler Cann, Kurator für zeitgenössische Kunst am Columbus Museum of Art. Er ist verantwortlich für diese Anzeigetafel, die nicht den Verkehr regelt, sondern auf der in blinkenden Buchstaben zu lesen ist: "BlahBlahBlah."

"Es ist ein Kunstprojekt von Mel Bochner, der seit den 1960er Jahren Politik und Gesellschaft mit sprachlichen Installationen kommentiert", sagt er: "Diese Zeichen sind Teil einer größeren Aktion in Ohio, die den politischen Diskurs kommentieren soll. Es gibt Plakate an den Highways und Anzeigetafeln neben dem Museum. In Cincinnati haben wir etwa ein Schild aufgestellt mit der sarkastischen Botschaft, dass die Menschen die Geheimorganisation Skull & Bones wählen sollen, der viele Politiker wie George W. Bush angehören. Gerade in diesem Bundesstaat wurde so viel geredet und so wenig gesagt - und die Menschen haben das bemerkt."

Es hat zu dieser Wahl bereits einige Projekte von Straßenkünstlern gegeben: Plastic Jesus, der bereits mit auf Trump gemünzten Parkverbots-Schildern ("No Trump Anytime", die SZ berichtete im Mai) in Los Angeles und anderen Städten für Aufsehen gesorgt hatte, errichtete im Juli eine 18 Zentimeter hohe Mauer um Trumps Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood. Er spielte damit auf Trumps Ankündigung an, als US-Präsident eine Mauer an der mexikanischen Grenze bauen zu wollen. "Das war mein Lieblingsprojekt während des Wahlkampfes", sagt Cann.

Am Abend wird vor dem Ohio State Building John Kasich erwartet, der im Vorwahlkampf der republikanischen Partei gegen Donald Trump verloren und danach angekündigt hatte, es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren zu können, bei der Präsidentschaftswahl für Trump zu stimmen. "Trump ist ein Mensch, den ich nicht unterstützen kann", meinte Kasich. Er hielt sein Versprechen und gab seine Stimme John McCain, der im Jahr 2008 gegen Barack Obama angetreten war. Es wird erwartet, dass Kasich bei einer Niederlage von Trump in vier Jahren noch einmal versuchen wird, US-Präsident zu werden.

Vielleicht wird Kasich an diesem Abend über die Straße sehen, hinüber zu der Anzeigetafel von Mel Bochner und Tyler Cann. Und vielleicht wird er erkennen, wovon es viel zu viel gegeben hat in diesem Wahlkampf.