US-Wahl Putin soll von Cyberangriff auf US-Demokraten gewusst haben

Der US-Fernsehsender NBC schreibt Wladimir Putin eine direkte Beteiligung an dem Hackerangriff zu. Der Kreml dementiert.

(Foto: Dmitry Astakhov/dpa)
  • Die Hacker-Attacke auf die US-Demokraten hat der Partei im Wahlkampf schwer geschadet.
  • Der US-Nachrichtensender NBC schreibt Russlands Präsident eine Beteiligung an dem Cyberangriff zu.
  • Der Kreml nennt die Vorwürfe "lächerlichen Unsinn".
Von Christian Gschwendtner

Das ganze Ausmaß des Hackerskandals kennt Nancy Pelosi, die Fraktionschefin der Demokraten im Abgeordnetenhaus, am 13. August noch gar nicht. Aber sie warnt ihre Parteifreunde: "Bitte passt darauf auf, dass eure Kinder und Familienmitglieder nicht an euer Telefon gehen oder SMS lesen". Sie selbst werde noch diesen Morgen die Telefonnummer wechseln, schreibt Pelosi in der E-Mail. "Und ihr solltet es auch tun". Pelosi spricht schon damals von einem zweiten Watergate-Skandal. Eine Einschätzung, die US-Medien im Licht der jüngsten Veröffentlichung bestätigen.

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Der US-Nachrichtensender NBC berichtet von einer direkten Beteiligung Putins

Schritt für Schritt kommen neue Details ans Licht. Der Nachrichtensender NBC tat am Mittwochabend kund, dass Wladimir Putin persönlich die Anweisungen gegeben habe, Hillary Clintons Wahlkampagne zu infiltrieren. Der Sender beruft sich dabei auf zwei hochrangige Geheimdienstverantwortliche. Und berichtet außerdem, dass Putin im Anschluss einen zweiten Marschbefehl ausgegeben haben soll: Das Vertrauen der Amerikaner in die Demokratie zu zerstören. Kremlsprecher Dmitirj Peskow nennt die Berichte "lächerlichen Unsinn", der jeglicher Grundlage entbehre.

Als gesichert gilt jedoch inzwischen: Die Hacker hatten nicht nur das Rennen um das Weiße Haus im Visier. Auch im Kongresswahlkampf mischten sie gehörig mit. Sie verschafften sich Zugang zu E-Mails des Kongresswahlkampfkomitees der Demokraten (D.C.C.C.) und versorgten Journalisten anschließend mit rufschädigenden Details über Demokraten, die um einen Platz im Abgeordnetenhaus kandidierten. Betroffen sind vor allem Politiker aus Florida. Aber auch in den Bundesstaaten Pennsylvania, New Hampshire, Ohio, Illionois, New Mexico und North Carolina sollen die Hacker auf Datenjagd gegangen sein.

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Auf Guccifer 2.0 sind die Aussagen gesammelt - und aller Welt zugänglich

Nachlesen kann man das bis heute auf der ominösen Website Guccifer 2.0. Dort finden sich parteiinterne Analysen über Demokraten, die akribisch Schwächen der Kandidaten auflisten und an die Öffentlichkeit gelangen lassen.

Zum Beispiel die Schwächen von Annette Taddeo, die sich gerne als Fürsprecher der Mittelklasse darstellt - obwohl sie 5,7 Millionen Dollar auf dem Konto hat und in einem riesigen Haus wohnt. "Ich fühlte mich, als wäre ich komplett nackt", sagte Taddeo nach Bekanntwerden der Details der New York Times.

Ähnlich muss es wohl ihrem Parteikollegen Joe Garcia ergangen sein. Er hat in einem Video gesagt, "der Kommunismus funktioniert". Eine Aussage, die im kubanisch geprägten Florida gar nicht gut ankommt. Und die man parteiintern als gefährlich einstufte. Nach dem Hackerangriff war sie in aller Welt bekannt.

Das FBI habe Graham schon im Juni über einen Hackerangriff informiert

Der republikanische Senator Lindsey Graham bestätigt nun auch am Mittwoch, dass sein Wahlkampf-Account von russischer Seite gehackt worden sei. Offiziell streitet die Republikanische Partei noch ab, im Wahlkampf Opfer solcher Attacken geworden zu sein. Im Gegensatz zu den Demokraten drangen auch keine Interna der Partei nach außen. Für den Auslandsgeheimdienst CIA ist das ein Beleg, dass die Hacker gezielt Clinton schwächen wollten.

Nach Grahams Angaben hat ihn das FBI aber bereits im Juni über einen Hackerangriff informiert. Der Senator ist sich sicher: Die Russen stecken hinter den Attacken. Auch was das Motiv angeht, hegt er keine Zweifel."Ich bin überzeugt, die ganzen veröffentlichten Informationen haben Clinton geschadet", sagte er am Mittwoch dem Sender CNN. Graham drängt weiter auf parteiübergreifende Aufklärung. Der Hackerangriff sei längst keine Sache mehr, die Demokraten und Republikaner gesondert angehe.

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