US-Comedian Colbert entlarvt absurde Wahlregeln "Stimmt für den Kandidaten mit dem C im Namen"

Stephen Colbert mischt den US-Wahlkampf gerade mächtig auf. Der TV-Satiriker macht sich selbst zum Kandidaten, holt sich den bissigen Jon Stewart an seine Seite - und führt mit einer virtuos inzenierten Kampagne den Amerikanern vor, wie absurd viele Wahlkampfregelungen sind. Der lange ausgeschiedene Herman Cain spielt dabei eine wichtige Rolle.

Von Matthias Kolb, Washington

Vor der Kamera und den Mikrofonen sind sich alle Republikaner einig: Die Anzeigen und Wahlvideos, in denen schwere Anschuldigungen gegen andere Kandidaten erhoben werden, sind unerträglich. "Ich mag diese Spots nicht, aber das Gesetz verbietet es mir, Einfluss auf das Super-Pac "Restore Our Future" (Unsere Zukunft stärken) zu nehmen", erklärte Mitt Romney am Ende der Fox-News-Debatte. Restore Our Future hatte für die Filmchen bezahlt. Auch Newt Gingrich klagte, dass er dem ihm verbundenen Wahlverein mit dem schönen Namen "Winning Our Future" (Unsere Zukunft gewinnen) nichts befehlen dürfe - er könne sich nur öffentlich von einigen der Spots distanzieren.

In den USA wird momentan über das Phänomen der Super-Pacs - Pac steht für Political Action Comittee - fast so heftig diskutiert wie über die Erfolgschancen der vier verbliebenen Herausforderer von US-Präsident Barack Obama. (Weitere Hintergründe über die Wahlvereine von Romney, Gingrich und Santorum in diesem SZ-Artikel.) Das liegt nicht nur an den professionell gemachten Filmen, in denen zum Beispiel Romneys Vergangenheit als Investmentbanker ("When Mitt Romney comes to town") oder Newt Gingrichs Arbeit als Lobbyist ("Newt has a ton of baggage") kritisiert werden, sondern auch an der virtuosen Kampagne des TV-Satirikers Stephen Colbert.

Der 47-Jährige nimmt sonst in seiner Sendung "Colbert Report" das politische Treiben in Washington aufs Korn. Seit einigen Tagen kokettiert der Entertainer damit, bei der Vorwahl in seinem Heimatstaat South Carolina als republikanischer Bewerber anzutreten - und kündigte an, mehr Stimmen zu bekommen, als Jon Huntsman, der mittlerweile aus dem Rennen ausgestiegen ist. Aussagen wie "Die Wähler wollen einen Mann, der die frühere Größe unserer Nation wieder zu ihrer jetzigen Perfektion macht" überspitzen die in Amerika verbreitete Politsprache. Gekonnt spielt Colbert vor allem mit der Rhetorik der Republikaner, die sich gern auf die founding fathers berufen: "Wenn unsere Gründungsväter gewollt hätten, dass wir uns um den Rest der Welt kümmern, dann hätten sie nicht ihre Unabhängigkeit von ihr erklärt."

Schnell wurde auch das "The Definitely Not Coordinating With Stephen Colbert Super PAC" ("Definitiv nicht mit Stephen Colbert koordiniertes Super PAC") gegründet, das von Jon Stewart, dem wohl bissigsten Entertainer Amerikas, geleitet wird. Der Super-Pac-Slogan "Americans for a Better Tomorrow, Tomorrow" ist ähnlich sinnfrei, wie jene der anderen Kampagnen und natürlich zeigt das Colbert-Pac auf seiner Website die typisch dreckigen Werbespots, in denen etwa Mitt Romney mit dem Serienkiller "Mitt the ripper" verglichen wird, dazu werden pseudowissenschaftliche Statistiken veröffentlicht.

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