Unterstützung für die Separatisten Was auf eine Beteiligung Russlands im Ukraine-Krieg hindeutet

  • Die Ukraine, aber auch westliche Staaten und die Nato sind überzeugt, dass Russland direkt in den Konflikt in der Ostukraine involviert ist. Moskau bestreitet das jedoch vehement.
  • Satellitenaufnahmen, Augenzeugen, Aussagen von Beteiligten: Es gibt eine Vielzahl von Indizien, die darauf hindeuten, dass Russland den Konflikt stützt oder sogar steuert. Das Problem: Die angeführten Beweise sind nicht unangreifbar. Einige werden sogar von westlichen Experten für wenig aussagekräftig erachtet.
  • Hier ein Überblick über Argumente, die bislang angeführt wurden, um Moskau eine militärische Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine nachzuweisen.
Von Barbara Galaktionow

Russland hat im Konflikt in der Ostukraine seine Finger im Spiel - davon sind die Ukraine, aber auch westliche Staaten überzeugt. Ihr Vorwurf: Moskau unterstütze die Aufständischen in Luhansk, Donezk und jetzt Debalzewe massiv: mit militärischer Ausrüstung wie Panzern und Raketenwerfern, durch finanzielle Hilfen, aber auch durch militärisches Training, strategische Informationen und - reguläre russische Truppen.

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Moskau bestreitet hingegen vehement, Akteur innerhalb des Kriegs in der Ostukraine zu sein. Egal, welche möglichen Belege westliche Staaten, die Nato oder andere Beobachter vorlegen, stets werden diese von russischer Seite als "Propaganda" zurückgewiesen.

Fragwürdige Satellitenaufnahmen

Das Problem: Die angeführten Beweise sind in der Tat nicht unangreifbar. Das gilt vor allem für Satellitenaufnahmen, die den Transport russischer Truppen oder russischen Militärmaterials in die Ostukraine zeigen sollen. Sie stammen meist von kommerziellen Anbietern und sind qualitativ nicht immer besonders hochwertig. Bestehende eigene und qualitativ bessere Aufnahmen wollen die Staaten, so sagen sie, nicht vorlegen, um selbst nicht zu viel von ihren Überwachungsfähigkeiten zu offenbaren.

Zudem ist die Beweiskraft derartiger Bilder unter Fachleuten umstritten. "Satellitenbilder sind kein sicherer Beweis, es kommt auf die Interpretation der Aufnahmen an", sagte ein früherer hochrangiger deutscher Nachrichtendienstler der SZ. In diesem Zusammenhang wird auch gerne auf die angeblichen Beweisbilder für Massenvernichtungswaffen im Irak hingewiesen, die US-Außenminister Colin Powell 2002 vorlegte, und die sich später als falsch erwiesen.

Russische Kämpfer müssen keine russischen Soldaten sein

Eine weitere Schwierigkeit, was die vorgelegten Beweise angeht: Konvois, Militärgüter und Soldaten sind meist nicht gekennzeichnet. Sie tragen keine Abzeichen, durch die sie sich eindeutig zuordnen ließen. Dass sie aus Russland stammen, können Beobachter nur anhand von Transportrouten, der qualitativen Hochwertigkeit der technischen Ausrüstung oder äußeren Ähnlichkeiten der Kampfanzüge erschließen.

Und dass russische Staatsbürger auf Seiten der ukrainischen Separatisten kämpfen, bestreitet Moskau ja nicht einmal. Es seien jedoch keine regulären russischen Truppen in der Ostukraine, sondern nur "Freiwillige", heißt es aus dem Kreml.

Doch welche angeblichen Beweise, welche Indizien haben westliche Staaten, die Nato oder OSZE-Beobachter bislang vorgelegt, die eine russische Verstrickung in den Konflikt belegen sollen? Und welche - zum Teil erstaunlich deutlichen - Aussagen der Separatisten deuten in diese Richtung? Ein Überblick:

17. Februar 2015: Eine Gruppe britischer Journalisten und Waffenexperten veröffentlicht eine Analyse von Satellitenbildern. Sie soll beweisen, dass im Sommer 2014 von russischem Boden aus Raketen auf ukrainisches Gebiet gefeuert wurden.

14. Februar 2015: Der US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, veröffentlicht mehrere Luftaufnahmen. Sie sollen die Präsenz russischer Waffensysteme in der besonders umkämpften Gegend um die Stadt Debalzewe belegen. Das State Department spricht zudem davon, es habe Hinweise auf eine weitere russische Großlieferung an die prorussischen Separatisten. Ein Sprecher des russischen Militärs weist die US-Schlussfolgerungen aus den Satellitenaufnahmen vom Wochenende jedenfalls als "Kaffeesatzleserei" zurück, schreibt die FAZ.

3. Februar 2015: Die Nato wirft Russland vor, die Separatisten mit schweren Waffen zu versorgen, berichtet der Spiegel. Hunderte Ausrüstungsgegenstände seien in den vergangenen Wochen über die Grenze zur Ukraine geschafft worden, auch Panzer und Boden-Luft-Raketen. Die Geräte seien so komplex, dass sie ohne langwieriges Training nicht bedient werden könnten. "Diese schwere Ausrüstung kann nicht einfach so auf dem offenen Markt in Donezk gekauft werden," sagt eine Nato-Sprecherin in Brüssel.

9. Januar 2015: Wer ist verantwortlich für den Abschuss von Malaysia-Airlines-Flug MH17 am 17. Juli 2014? Die ostukrainischen Separatisten, die Ukraine oder Russland? Von den einzelnen Seiten wurden jeweils ihre Gegner des Abschusses der Maschine bezichtigt. Westliche Geheimdienste vermuten, so weit bekannt, meist die Separatisten hinter dem Abschuss. Beweise dafür wurden jedoch bislang keine präsentiert. Der Spiegel veröffentlicht nun zusammen mit einer Reportergruppe namens Correctiv eine umfangreiche Recherche, die den Schluss nahelegt, wonach Experten der russischen Armee das Flugzeug von ukrainischem Boden aus mit einer Buk-Rakete abgeschossen haben sollen (die Details hier in einer Multimedia-Präsentation). Doch haben sie alle wesentlichen Fakten berücksichtigt? Die offizielle Untersuchung durch die Niederlande scheint deutlich komplexer zu sein - mit ihren Ergebnissen wird laut Tagesschau frühestens Ende des Jahres gerechnet.

20. November 2014: Igor Girkin, russischer Geheimdienstoberst und zeitweiliger "Verteidigungsminister" der "Volksrepublik Donezk" brüstet sich mit seiner Rolle in der Ukraine-Krise: "Den Auslöser zum Krieg habe ich gedrückt", sagt er im Interview mit der russischen Zeitung Sawtra. Freimütig spricht der Mann mit dem Kampfnamen "Strelkow" darüber, dass die Krise keineswegs aus einem Aufstand russischsprachiger Donbass-Bewohner hervorgegangen, sondern von Russland geschürt worden sei. (Mehr dazu in diesem Artikel von SZ-Korrespondent Julian Hans). Wobei umstritten ist, ob Girkin tatsächlich im Auftrag Russlands agiert oder es nur so aussehen lässt, dabei aber vor allem eigene Interessen verfolgt (so nachzulesen in diesem Telepolis-Artikel). Girkin war nicht der einzige Russe, der zu Beginn des Konflikts eine führende Rolle spielte. Auch Alexander Borodaj, der zeitweilige "Ministerpräsident" der "Volksrepublik Donezk" ist russischer Staatsbürger.