TTIP-Faktencheck: Fracking Europas riesiger Energiehunger

Ölförderung in Monterey, Kalifornien, wo Fracking derzeit einen Boom erlebt.

(Foto: AFP)

Die einen halten es für hochgefährlich, die anderen für die Energieversorgung der Zukunft: Kommt Fracking über eine von TTIP aufgestoßene Hintertür? Was an den Argumenten von Gegnern und Befürwortern wirklich dran ist.

Von Markus C. Schulte von Drach

Worum geht es?

In der Diskussion um das Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA ist Fracking - eine umstrittene Methode, fossile Brennstoffe zu fördern - ein wichtiges Thema. Befürchtungen von Umwelt- und Klimaschützern überschneiden sich mit denen von Globalisierungskritikern.

recherche_artikel

"Hoffnung oder Hysterie: Was bedeutet das Freihandelsabkommen TTIP für uns?" Diese Frage hat unsere Leser in der sechsten Abstimmungsrunde des Projekts Die Recherche am meisten interessiert. Dieser Beitrag ist Teil eines Dossiers, das sie beantworten soll. Alles zur TTIP-Recherche finden Sie hier, alles zum Projekt hier.

Aus zwei Punkten in den Verhandlungspapieren ergibt sich ein Zusammenhang: zum einen der Wunsch der EU-Kommission nach einem Ende des US-amerikanischen Banns von Rohöl-Exporten und der Einschränkungen von Erdgas-Exporten. Europas Energie-Hunger ist riesig: Trotz aller Klimaschutzmaßnahmen waren es 2013 1676 Millionen Tonnen Öläquivalent - das sind etwa 13 Prozent des weltweiten Primärenergieverbrauchs. Seit 2004 deckt die EU mehr als die Hälfte des Energiebedarfs über Importe aus Nicht-EU-Staaten ab. Bei einem großen Teil handelt es sich um Öl, Erdgas und Kohle aus Russland - nicht erst seit der Ukraine-Krise will die EU-Kommission diese Abhängigkeit verringern.

Zum anderen gibt es eine indirekte Verbindung zwischen Investitionsschutz und Fracking: Der Investitionsschutz soll es Unternehmen ermöglichen, Staaten vor nicht öffentlichen Schiedsgerichten zu verklagen. Umweltschützer befürchten, dass Firmen, die in der EU mittels Fracking Erdgas fördern wollen, dadurch Regierungen unter Druck setzen, den Widerstand gegen die umstrittene Methode aufzugeben.