Theorien von Donald Trump Wenn Trump Golf spielt, ist das anders, als wenn Obama golft

Je länger diese Pressekonferenzen voller Wortklaubereien und falscher Aussagen andauern, umso schwerer wird es, den Aussagen dieses Weißen Hauses zu vertrauen. Dies ist nicht unbedingt Spicers Schuld: Trumps Agieren lässt sich oft rational nicht erklären. Ein Reporter fragt: "An sieben der zehn letzten Wochenenden hat der Präsident Golf gespielt. Als Kandidat hat er Obama stets kritisiert, wenn dieser Golf spielen ging. Was ist nun anders?"

Spicer windet sich und sagt, dass Trump mit Japans Premier Abe auf dem Golfplatz war, um "eine persönliche Beziehung" aufzubauen. Dass Obama etwa mit David Cameron ein paar Bälle schlug? Geschenkt. Hier offenbart sich Trumps Verlogenheit und so lautet Spicers bestes Argument: "Der Präsident hat ein Anrecht auf Privatsphäre." Auf die Frage, wieso Trump die Zuschüsse für Kulturförderung und "Essen auf Rädern" kürzen will und zugleich durch jede seiner Reisen nach Florida Kosten von 3,3 Millionen Dollar verursacht, kann sein Sprecher keine Antwort geben. Ihm bleibt nur der Konter: Das ist "weit hergeholt".

Der offizielle @Potus-Account verbreitet Lügen

Diese Pressekonferenzen werden immer mehr zum gereizten Pingpongspiel zwischen Spicer und den Reportern. Eine Journalistin fragt ein weiteres Mal, ob Trump den Vorwurf gegenüber Obama zurücknehmen wolle, wo nun neben dem Kongress auch das FBI und die NSA keine Belege finden können: "Wann hört das endlich auf?" Spicer wiederholt sein Mantra: Die Ermittlungen im Kongress haben erst begonnen, man sei "erst im ersten Kapitel".

Dass Republikaner und Demokraten bei der Anhörung im Senat sehr unterschiedliche Prioritäten haben, wird an diesem Montag deutlich. Die Konservativen wollen vor allem herausfinden, wieso so viele Geheiminformationen an die Presse kommen, wie man die Täter finden könne und betonen stets, dass dies die Sicherheit der USA gefährde. Die Demokraten hingegen tun alles, um mögliche Verbindungen zu Russland aufzudecken. Dieses Katzen-Gif bringt es auf den Punkt.

Weil Donald Trump an diesem Abend in Kentucky ein Event für seine Wiederwahl 2020 absolviert, beendet Spicer nach 45 Minuten das Briefing. Zu dieser Zeit wird gerade bekannt, dass Mitarbeiter von Trump über den offiziellen @Potus-Twitter-Account die Aussagen von FBI-Chef Comey verfälschen - hier wird unzutreffenderweise behauptet, dass Comey einen Einfluss Russlands auf den Wahlvorgang verneint habe. So kommt es zur bizarren Situation, dass ein Abgeordneter dem FBI-Chef die Tweets des Präsidenten vorliest - und dieser dann unter Eid die Sache richtigstellen muss.

Man darf davon ausgehen, dass diese Tweets beim nächsten Pressebriefing von Sean Spicer eine Rolle spielen werden. Wenn er nicht sagen kann oder darf, dass hier entweder Fehler gemacht oder vorsätzlich Lügen verbreitet wurden, dann kann er sich erneut nur in absurde Aussagen flüchten.

Das darf doch nicht wahr sein

Seit Jahren ist "Veep" die beste Serie über den US-Politbetrieb. Seit Trump Präsident ist, stellen die Macher fest: "Es ist mitunter erschreckend, wie die Realität unsere Storys einholt." Von Matthias Kolb, Austin mehr...