Strategie von IS und al-Qaida Das lukrative Geschäft mit den Geiseln

Bereits Ende 2013 gab es Medienberichte, wonach die Radikalsunniten, die sich damals noch Isis nannten, gezielt Jagd auf westliche Reporter machen (im Bild: IS-Terroristen in der syrischen Stadt Rakka im Januar 2014)

(Foto: AP)

100 Millionen Dollar forderte IS für James Foley. Doch anders als viele europäische Länder verhandeln die USA nicht mit Terroristen. Der Fall des ermordeten US-Fotografen zeigt einmal mehr, wie wichtig Lösegelder für die islamistischen Terrormilizen sind.

Von Benedikt Becker und Luisa Seeling

Mitte August erhielten Diane und James Foley eine Nachricht aus dem Nahen Osten. Die IS-Dschihadisten sollen darin erklärt haben, dass sie den Sohn des in New Hampshire lebenden Paars gegen eine Zahlung von 100 Millionen Dollar Lösegeld frei lassen, berichtet die New York Times. 2012 war der Fotograf James Foley in Syrien entführt worden - die Regierung in Washington verweigerte die Zahlung, in dieser Woche wurde der Amerikaner zum Entsetzen der Welt auf grausame Weise ermordet.

Die Botschaft an Barack Obama wurde von einem Kämpfer mit britischem Akzent vorgetragen: Wenn die USA weiterhin IS-Stellungen im Irak bombardieren würden, werde mit Steven Sotloff ein weiterer amerikanischer Journalist getötet. Die Ermordung Foleys offenbart der Welt nicht nur, dass die Dschihadisten erschreckend perfekt auf der Medien-Klaviatur spielen, sondern macht erneut deutlich, dass sich die Entführung westlicher Geiseln in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Einnahmequellen für islamistische Terrororganisationen entwickelt hatte.

Vor allem Al-Qaida-Gruppen in Nordafrika verdienen sehr gut an Lösegeldzahlungen für europäische Touristen. Neben den USA ist nur Großbritannien grundsätzlich nicht bereit, Lösegeld für entführte Staatsbürger zu zahlen. Andere europäische Regierungen sind - trotz gegenteiliger Vereinbarungen und Dementi - weniger strikt, wenn es um das Ablehnen von Verhandlungen mit Terrorgruppen geht.

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Spanische und französische Journalisten wurden wohl freigekauft

Nach Recherchen der New York Times sind seit 2008 aus Europa mindestens 125 Millionen US-Dollar an al-Qaida geflossen, davon 66 Millionen allein im Jahr 2013. Das US-Finanzministerium sei zuletzt sogar von Zahlungen in Höhe von 165 Millionen Dollar ausgegangen. Experten kritisieren, dass den Terroristen so zusätzliche Anreize geliefert würden. "Es ist ein ganz schwerer Fehler europäischer Politik, auf diesem Weg faktisch Terroristen zu finanzieren", sagte Guido Steinberg von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) kürzlich zu Süddeutsche.de.

Die europäische Zahlungspraxis zeigt sich auch in Syrien. Ende März ließ IS zwei spanische Journalisten frei, wenig später vier französische. Über die Hintergründe der Freilassungen war zunächst nichts bekannt. Es werden Lösegeldzahlungen von mehreren Millionen Euro vermutet. Die IS-Terroristen seien gut über die Höhe der Summen informiert, die al-Qaida in Nordafrika mit Entführungen verdient, berichtet die NYT unter Berufung auf kürzlich freigelassene Geiseln. Bereits Ende 2013 gab es Medienberichte, wonach die Radikalsunniten, die sich damals noch Isis nannten, gezielt Jagd auf westliche Reporter machen.