US-Wahl Rubio und Cruz attackieren Trump in der TV-Debatte

  • Die letzte TV-Debatte der Republikaner vor dem "Super Tuesday" lieferte wenig Inhaltliches und war geprägt von Attacken gegen Milliardär Trump.
  • In den vergangenen Tagen hatte es viel Kritik an den Republikanern gegeben, Trump nicht genug entgegengesetzt zu haben.
  • Die im Rennen weit abgeschlagenen John Kasich und Ben Carson blieben blass.
Von Johannes Kuhn, New Orleans

Fünf Republikaner haben sich in Texas versammelt, um fünf Tage vor der wichtigsten Vorwahl des Jahres zu diskutieren. Das kann nur eines bedeuten: Zoff.

Und in der Tat ist der Zirkus-Faktor in der TV-Debatte auf CNN nochmal höher als sonst, was durchaus eine Leistung ist. Das Publikum in Houston johlt und kreischt, Moderator Wolf Blitzer ist völlig überfordert, die Kandidaten reden und schreien so wild durcheinander, dass sogar im TV-Untertitel schlicht "Unverständliches Geschrei" zu lesen ist.

Vier der fünf Kandidaten gingen bereits schwer angeschlagen in den Abend, nur Donald Trump steht nach seinen jüngsten Wahltriumphen in South Carolina und Nevada wie unverwundbar da. Ausgerechnet Marco Rubio hat sich offenbar vorgenommen, das zu ändern: Der Senator aus Florida hatte sich bislang mit Attacken gegen den Immobilien-Milliardär zurückgehalten.

"Er würde Armbanduhren in Manhatten verkaufen"

Nicht so an diesem Abend: Rubio arbeitet sich an Trump und dessen vermeintlichen Schwächen ab. So stellt er dessen nationalistische Rhetorik die Tatsache entgegen, dass der Unternehmer Tausende Ausländer - darunter illegale Arbeitskräfte - angestellt hat. Rubio verstehe nichts vom Geschäft, schlägt Trump zurück. "Ich weiß nicht viel darüber, wie man vier Firmen in die Insolvenz führen kann", kontert Rubio in Anspielung auf die umstrittenen Geschäftspraktiken Trumps.

"Wenn er keine 200 Millionen Dollar geerbt hätte, wisst ihr, wo Donald Trump gerade wäre?", legt Rubio nach, "er würde Armbanduhren in Manhattan verkaufen." Der Senator und sein Team, bislang noch ohne Vorwahl-Sieg, haben sich offenbar gut vorbereitet. Kurz darauf bietet Rubio in seinem Online-Shop kaputte Trump-Armbanduhren an.

Der Geschäftsmann ist an diesem Abend eingekeilt: Neben Rubio attackiert auch Ted Cruz den 69-Jährigen, wenn auch nicht ganz so effektiv. Trump sei ein verkappter Liberaler, sympathisiere mit Positionen von Hillary Clinton, Barack Obama und Bernie Sanders - und gegen Clinton würde er sogar verlieren. Er habe nicht nur Republikanern viel Geld gespendet, sondern auch Demokraten. "Ich war ein Geschäftsmann und bin mit allen gut ausgekommen", kontert Trump, "Du kommst mit niemandem gut aus."

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In den vergangenen Tagen hatte es viel Kritik an den Republikanern gegeben, Trump nicht genug entgegengesetzt zu haben. In einer Szene zeigt sich, wie eine Strategie hätte aussehen können: Als der Spitzenreiter vage von größerem Wettbewerb im Gesundheitswesen erzählt, nimmt ihn Rubio aufs Korn: "Ist das alles? Was ist der Plan? Was ist der Plan?"

"Was ist der Plan, Mr. Trump?"

Trump kommt ins Schwimmen, erzählt davon, wie sich Rubio in der Debatte vor einigen Wochen ständig wiederholt habe. "Was ist Ihr Plan, Mr. Trump?", hakt dieser nach. Es gäbe viele verschiedene Pläne und mehr Wettbewerb, sagt der Milliardär schließlich. "Jetzt wiederholt er sich", sagt Rubio und erhält großen Applaus. Für einen Moment wird klar, dass politische Konzepte aus mehr als Wahlkampf-Slogans bestehen sollten.

Am kommenden Dienstag wählen die Republikaner in 13 Staaten, vor allem im Süden - in einem Großteil davon führt Trump. In Houston wirkt der 69-Jährige weniger souverän als sonst, teilt aber trotzdem munter aus. "Der Typ [Rubio, d. Red] ist ein Schönwetterspieler und der hier [Cruz, d. Red.] ein Lügner. Damit ist alles gesagt."

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Nichts scheint Donald Trump derzeit aufhalten zu können - kein Ted Cruz, kein Marco Rubio und nicht einmal er selbst.

Und am Ende bringt der Populist wieder jenes Argument, das ihn so attraktiv für enttäuschte Amerikaner macht: "Niemand kennt Politiker besser als ich. Sie reden viel, tun aber nichts.", schließt er. "Ich werde die Sache erledigen."

"Bitte attackiert mich doch jemand"

Dass ein vergleichsweise moderater Realpolitiker wie Ohios Gouverneur John Kasich, der an diesem Abend kaum Gehör findet, gegen solche Rhetorik machtlos ist, versteht sich fast von selbst. Doch auch Rubio und sogar der Anti-Washington-Demagoge Cruz haben es als Berufspolitiker schwer.

Der zweite Nicht-Politiker in der Runde, Ben Carson, kann von seinem Status allerdings schon lange nicht mehr profitieren und ist chancenlos. Der pensionierte Neurochirurg ist (unfreiwillig) für die heiteren Momente zuständig und verspricht an diesem Abend, Kandidaten für den Supreme Court nach dem "Obstsalat ihres Lebens zu beurteilen". Im Gedächtnis bleibt ein fast verzweifelter Ruf, um Gehör zu finden: "Bitte attackiert mich doch jemand!"

Eine perfekte Zusammenfassung des Abends. Und des gesamten republikanischen Wahlkampfs.

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