Rede zum Volkstrauertag Gauck nennt Anschläge von Paris eine neue "Art von Krieg"

Bundespräsident Joachim Gauck sieht in den Attentaten von Paris eine neue "Art von Krieg". Bei seiner Rede zum Volkstrauertag in Berlin sagte er: "Seit Jahren wissen wir, dass die kriegerischen Konflikte näher an uns heranrücken." Der Anschlag von Paris "galt Frankreich, aber auch der offenen Gesellschaft, der Lebensweise der Freien und Gleichen in Europa und der ganzen Welt". Jene, die solche Taten verübten oder gutheißen würden, müssten wissen: "Die Gemeinschaft der Demokraten ist stärker als die Internationale des Hasses. Wir beugen unser Haupt vor den Toten, niemals aber beugen wir uns dem Terror."

Gauck sprach im Rahmen einer Gedenkstunde im Bundestag. Der Bundespräsident wies darauf hin, dass kriegerische Konflikte "näher an uns heranrücken". "Wir leben in Zeiten, in denen auch deutsche Soldaten an internationalen Einsätzen teilnehmen, in denen sie zu Opfern dieser Art der Kriegführung werden können." Allein in Afghanistan seien in den vergangenen Jahren seien 57 deutsche Soldaten getötet und mehr als 300 verletzt worden.

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Blick in die deutsche Vergangenheit

Es habe Zeiten gegeben, so Gauck weiter, "da starben die Soldaten in Kriegen, die Fürsten zur Durchsetzung ihrer Interessen führten". Im Ersten Weltkrieg hätten Soldaten ihr Leben für den Kaiser gegeben, ihr Vaterland sei von Politikern regiert worden, "für die Krieg ein akzeptables Mittel der Politik war". Es habe lange gedauert, bis in Deutschland ein Totengedenken möglich geworden sei. "Nach dem Zweiten Weltkrieg, nach Millionen von Toten, auch von Zivilisten, und nach einem Völkermord an den Juden war für viele Deutsche ein ehrenvolles öffentliches Gedenken an Menschen, die während des Militärdienstes ihr Leben verloren hatten, diskreditiert."

Der Bundespräsident ging in seiner Ansprache auch auf das 60-jährige Jubiläum der Gründung der Bundeswehr ein. "Der Umgang mit der eigenen Vergangenheit fiel lange schwer, und bildete doch die Voraussetzung dafür, dass die Bundeswehr sich gut entwickeln konnte", sagte Gauck, "fern von jeder nationalistischen, imperialistischen und rassistischen Ideologie, fern von jeder Überhöhung des Kriegsgeschehens, fern von jeder Heroisierung des Soldatenopfers."

Es sei gut, zu wissen: "Dieses Land hat eine Armee, die die Akzeptanz und Achtung der Friedliebenden und Verantwortungsbewussten verdient."

70 Jahre des Friedens verändern die Erinnerungskultur

Während zunächst die Trauer und die Erinnerung an die Kriegstoten im Vordergrund gestanden habe, gehe es in der öffentlichen Diskussion nun verstärkt um die "Erinnerung an die historischen Umstände". Dieser Prozess laufe "nicht immer konfliktfrei". "Lange wollten Deutsche nur sich selbst als Opfer sehen und sich der Schuld in einem verbrecherischen Krieg nicht stellen. Inzwischen ist diese verhärtete Position des Selbstmitleids lange überwunden."

Gauck appellierte: "Geschichte wiederholt sich nicht. Wohl aber wiederholen sich menschliche Verhaltensweisen - im Guten wie im Bösen." Der Bundespräsident schloss seine Rede mit einem Wunsch: "Dies ist unser aller Hoffnung: Dass die Erinnerung an das Leid des Krieges nicht Rache gebiert, sondern immer mehr Menschen und Nationen den Ausweg in einem friedlichen Zusammenleben der Völker suchen lässt."

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