Politik kompakt Bahr kritisiert deutsche Ärzte für Ausgrenzung von HIV-Infizierten

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) kritisiert deutsche Ärzte für ihre Ausgrenzung von HIV-Infizierten. "Es ist erschreckend, dass Berufsgruppen, die eigentlich eine entsprechende Ausbildung haben müssten, ein solches Verhalten an den Tag legen", sagte der FDP-Politiker in Berlin bei der Vorstellung einer Kampagne zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember. Zuvor hatten Experten und Betroffene im Gespräch mit dem Minister berichtet, dass Ärzte - vor allem Zahnärzte - sich oft weigerten, HIV-Infizierte zu behandeln. Bahr kündigte an, das Thema mit den Berufsverbänden zu besprechen. Die Kampagne Positiv zusammen leben. Aber sicher!" will mit Plakaten und Filmen die gesellschaftliche Integration von HIV-Infizierten und Aids-Erkrankten verbessern. "Über die technischen Details von Erkrankung und Behandlung wissen viele bescheid", sagte Carsten Schatz, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Aids-Hilfe. Das Problem sei die "emotionale Distanz" gegenüber Infizierten.

In Deutschland leben den Organisatoren der Kampagne zufolge - darunter die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung - derzeit rund 70.000 Menschen mit HIV. Zwei Drittel von ihnen stünden in einem Arbeitsverhältnis, aber nur die wenigsten outeten sich gegenüber den Kollegen. "Dabei ist das Infektionsrisiko am Arbeitsplatz extrem gering", sagte eine Sprecherin der Behörde. Trotzdem würden Betroffene oft diskriminiert, gemobbt oder gar gekündigt. Den Welt-Aids-Tag gibt es seit 1988, er wird von einer Unterorganisation der Vereinten Nationen (UNAIDS) organisiert. Der Tag soll Solidarität mit HIV-Infizierten zeigen. Sichtbarstes Symbol ist eine rote Schleife zum Anstecken. Weltweit waren Ende 2010 laut UNIADS 34 Millionen Menschen mit dem Immunschwächevirus infiziert.