Pofalla wird zur Belastung für Merkel Problemfall aus dem Kanzleramt

Er ist einer von Merkels engsten Vertrauten - doch für sein aktuelles Amt ungeeignet. Kanzleramtsminister Ronald Pofalla verunglimpft einen Parteifreund, der eine abweichende Haltung vertritt. Nicht zum ersten Mal fällt er negativ auf. Vielleicht sollte sich die Kanzlerin mal umschauen, ob es für Pofallas Posten nicht geeignetere Personen gibt.

Ein Kommentar von Thorsten Denkler

Irgendetwas findet Angela Merkel an Ronald Pofalla. Sonst hätte sie ihn nicht 2009 vom Generalsekretär der CDU zum Kanzleramtsminister befördert. Und damit zu einem ihrer engsten Mitarbeiter. Zunehmend aber fragen sich Merkels politische Mitstreiter, was genau eigentlich Pofalla qualifiziert für seinen Job - außer seiner untertänigen Treue zur Kanzlerin.

Pofalla gilt in der Fraktion und unter jenen, die mit ihm zu tun haben müssen, als Choleriker, der sich und seine charakterlichen Schwächen schlicht nicht im Griff hat. Doch nun geriet erstmals detailliert an die Öffentlichkeit, wozu Pofalla gegenüber ihm nicht genehmen Parteifreunden in der Lage scheint.

Pofallas jüngstes Opfer: der CDU-Euro-Abweichler Wolfgang Bosbach. Am Rande einer Sitzung der nordrhein-westfälischen Landesgruppe gerieten die beiden vergangenen Montag aneinander. Drei Pofalla-Sätze, die er Bosbach entgegengeschleudert hat, werden in Erinnerung bleiben: "Ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen", "Du machst mit Deiner Scheiße noch alle Leute verrückt" und "Lass mich mit so einer Scheiße in Ruhe".

Fresse, Scheiße, Scheiße. Dabei hat der in der Fraktion überaus beliebte CDU-Veteran Bosbach nicht mehr getan, als sein Votum zum erweiterten Euro-Rettungsschirm zu einer persönlichen Gewissensfrage zu machen - und mit Nein gestimmt. Erstmals übrigens.

Als Kanzleramtsminister ist es natürlich Pofallas Aufgabe, die Interessen der Kanzlerin in der Bundestagsfraktion, gegenüber den Länderchefs der Union, den Koalitionspartnern CSU und FDP und auf europäischer Ebene zu vertreten. Klassische Amtsinhaber waren in jüngster Zeit Frank-Walter Steinmeier unter Gerhard Schröder oder der heutige Verteidigungsminister Thomas de Maizière unter Angela Merkel. Diplomatisch geschickt und äußerst geräuschlos agierten sie im Zentrum der Macht.

Pofalla dagegen ist ein besserwisserischer Polterer, unberechenbar in seinen persönlichen Attacken und beinhart auch gegenüber innerparteilichen Gegnern. Im Grunde ist er zur parteipolitischen Neutralität verpflichtet, doch ebenso massiv wie vergebens versuchte er im November 2010 zu verhindern, dass Umweltminister Norbert Röttgen den Landesvorsitz der CDU in Nordrhein-Westfalen übernimmt. Wenig debattenfreudig zeigte er sich auch in der internen Auseinandersetzung um den neuen Atom-Kurs der Koalition. Sein Motto: Die Kanzlerin hat entschieden und ihr habt zu folgen! Pofalla, das ist der Teil des Systems Merkel, der von manchen als diktatorisch empfunden wird.

Problemminister Pofalla wird mit seiner Art mehr und mehr zur Belastung für die Koalition und vor allem für die Kanzlerin. Sie hat ja inzwischen gemerkt, dass durchregieren nicht geht, wenn sie den Leuten nichts erklärt. Pofalla hat das offenbar noch nicht zur Kenntnis genommen.

Niemand weiß, wie lange sich Merkel das Spiel noch anschauen will. Seine Treue zu ihr kann ja nicht der einzige Grund sein, an ihm festzuhalten. Vielleicht wäre es an der Zeit, sich mal umzusehen. Da gäbe es sicher andere, die das Amt besser ausfüllen könnten, als der notorische Wadenbeißer Pofalla.