Pflanzengift Schmidt und Hendricks gehen im Glyphosat-Streit aufeinander zu

Gemeinsam zum Kaffee: die Kabinettskollegen Christian Schmidt (CSU) und Barbara Hendricks (SPD).

(Foto: Thomas Imo/imago)
  • Agrarminister Schmidt und Umweltministerin Hendricks haben sich nach dem Streit um die Zulassung des Pflanzengifts Glyphosat ausgesprochen.
  • Schmidt hatte im Alleingang veranlasst, dass Deutschland einer fünfjährigen Zulassung des Pestizids zustimmt.
  • Dass der Minister daraufhin Gewaltdrohungen und Beleidigungen ausgesetzt war, nennt Hendricks "unerträglich".
Von Michael Bauchmüller, Berlin

Die Minister für Umwelt und Landwirtschaft reden wieder miteinander. Nach dem Streit um die Zulassung des Pflanzengifts Glyphosat trafen sich Agrarminister Christian Schmidt (CSU) und Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Donnerstag zur Friedenspfeife im Umweltministerium. Grund seien die Beleidigungen und Gewaltdrohungen, denen Schmidt in den vergangenen Tagen ausgesetzt gewesen sei, sagte Hendricks. Dies sei "unerträglich". Zuvor hatte die Bild-Zeitung berichtet, im Wahlkreis-Büro des CSU-Politikers seien "Drohungen gegen Leib und Leben" eingegangen. Daraufhin habe Hendricks ihn zu dem Gespräch eingeladen, hieß es in ihrem Ministerium.

Schmidt hatte am Montag im Alleingang veranlasst, dass Deutschland einer fünfjährigen Zulassung des Pestizids zustimmt - gegen den Willen Hendricks'. Das deutsche Ja hatte die nötige Mehrheit dafür erst möglich gemacht. Auch die Bundeskanzlerin hatte sich davon distanziert. Die Geschäftsordnung der Bundesministerien verlangt, dass zwischen allen betroffenen Ressorts Einvernehmen darüber besteht, wie der Bund in Brüssel abstimmt.

Auch Christian Schmidt verspricht, den Einsatz des Giftes "restriktiver zu gestalten"

"Unser Dissens ist damit nicht aus der Welt", sagte Hendricks nach dem Treffen. "Aber wir sind uns einig, dass wir kollegial miteinander umgehen wollen." Ähnlich äußerte sich Schmidt. Trotz unterschiedlicher Positionen sei ein kollegialer Umgang wichtig, teilte er über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die "entgleiste Diskussion" darüber sei erschreckend.

Zuletzt hatte der Streit auch die Annäherung zwischen Union und SPD belastet. Auch am Donnerstag legten führende Sozialdemokraten mit Kritik an Schmidts Verhalten nach. Der Fraktionsvorsitzende der SPD in Nordrhein-Westfalen, Norbert Römer, verlangte im Tagesspiegel von Kanzlerin Angela Merkel die Entlassung des Landwirtschaftsministers - als vertrauensbildende Maßnahme vor Gesprächen über eine neuerliche große Koalition.

Unterdessen ließ die Umweltorganisation Greenpeace von einem Traktor die Gegend vor dem Reichstag spritzen, allerdings nur mit Wasser. Eine künftige Bundesregierung müsse ein Verbot über den Einsatz von Glyphosat verhängen, forderte Greenpeace.

Zuvor hatte auch SPD-Chef Martin Schulz verlangt, hierzulande den Einsatz des Pflanzengifts zu beschränken oder ganz zu verbieten. Das will auch Hendricks. "Mein Ziel ist eine naturverträglichere Landwirtschaft, die ohne Glyphosat auskommt und insgesamt möglichst wenig Pestizide verwendet", sagte sie nach dem Treffen mit Schmidt. Der wiederum signalisierte zumindest Entgegenkommen. Die beiden Minister wollten nun gemeinsam an Lösungen arbeiten, "um den Einsatz von Glyphosat künftig restriktiver zu gestalten", teilte Schmidt mit - wobei sie dafür womöglich gar nicht mehr so viel Zeit haben. Schließlich müssten dafür beide dem nächsten Bundeskabinett angehören.

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