Pegida und AfD Populisten, günstig abzugeben

AfD-Anhänger auf einer Pegida-Demonstration in Berlin: Öffentliche Aufmerksamkeit und Zulauf bei Pegida haben einen Grad erreicht, der sich vermutlich nicht mehr signifikant steigern lässt.

(Foto: Getty Images)

Pegida wirkt wie ein Start-up auf der Suche nach einem starken Investor. Das könnte die AfD sein - beide Seiten treffen sich zum Beschnuppern. Ganz gleich, wie das Meeting ausgeht, sind nun die Bürger in der Pflicht.

Ein Kommentar von Cornelius Pollmer

Die Pegida-Bewegung spazierte aus dem Jahr 2014, wie sie hineinspaziert war: als stark nebelumwehtes und in seiner Gesamtheit kaum schlüssig zu deutendes Phänomen. Der Nebel hat sich am ersten Pegida-Montag im neuen Jahr ein wenig verzogen, von dem Tag bleiben zwei begründete Vermutungen. Erstens: Eine Bewegung der vielen ist Pegida nur in Dresden. Diese Erkenntnis steht zwar vorbehaltlich des Versuchs der Bewegung, am kommenden Montag wenigstens auch in Leipzig Fuß zu fassen, aber sie steht. Zweitens: Die Dresdner Menge sucht nach einer anschlussfähigen Struktur und sie hofft, diese in der Alternative für Deutschland (AfD) zu finden.

Für einen Moment kann es hilfreich sein, sich die Pegida als eine Art Start-up-Unternehmen vorzustellen. Die strukturellen Ähnlichkeiten erlauben diesen Vergleich. Das Start-up Pegida hat in geringer Zeit rasant viele Kunden gewonnen, allerdings fehlt es an einem Geschäftsmodell, präziser: an einer Idee, diese Kunden längere Zeit zu binden und ihr Interesse zu verwerten. Zudem führt ihr eigenes Wachstum die Bewegung an logistische Grenzen.

Start-ups suchen in solchen Phasen einen starken Investor, der dem Unternehmen Wachstumshalt garantiert oder seinen Gründern wenigstens eine schöne, kleine Rendite. Ein gewichtiger Teil der AfD möchte dieser Investor sein, an diesem Mittwoch treffen sich die Pegida und die sächsische AfD-Fraktion zum Beschnuppern. Für beide Seiten birgt dieses Treffen Chancen und Risiken, sie fallen allerdings je nach Perspektive unterschiedlich aus.

Der Rechte sucht nach Führung, die Kraft der Straßen verpufft

Für die Pegida-Organisatoren kommt das Treffen zum richtigen Zeitpunkt. Öffentliche Aufmerksamkeit und Zulauf haben einen Grad erreicht, der sich vermutlich nicht mehr signifikant steigern lässt. Die Chance der Pegida-Initiatoren besteht nun darin, an genau diesem für sie günstigen Punkt die Bewegung politisch zu verwerten. Dann könnten sie, egal wie es mit den Demos weitergeht, eine Erfolgsgeschichte reklamieren: Wir waren viele, wir wurden gehört, wir haben etwas erreicht.

Das Risiko hingegen besteht darin, dass die Pegida-Leute von der AfD geschluckt werden und am Ende mit nichts dastehen als der frivolen Erinnerung an dieses abenteuerliche Jahr 2014, an dessen Ende es ihnen sogar gelang, die Kanzlerin zu provozieren.

Faktor im Hauen und Stechen um die AfD-Führungsstruktur

Für die AfD ist das Gespräch zunächst ein weiterer Faktor im Hauen, Stechen und Kratzen um die neue Führungsstruktur. Die Chance liegt für sie darin, mit einer Verbrüderung jene Wählerschichten zu binden, denen die CDU zu links und die NPD zu schmutzig ist. Damit einher geht das Risiko, einige der Salonkonservativen und Unternehmer zu verlieren, auf deren Unterstützung die AfD bislang zählen kann.

Dass die Pegida seit nunmehr elf Versammlungen so leichtes Spiel hat, sich in die Agenda der Öffentlichkeit zu drängeln, liegt auch an der Führungslosigkeit der politischen Rechten in Deutschland. Insofern können in dem Treffen von AfD und Pegida auch jene etwas Gutes erkennen, die weder der einen noch der anderen nahestehen.

Ganz gleich, welches Ergebnis dieses Treffen haben wird, es entbindet den weit größeren Teil der Zivilgesellschaft nicht von seiner gefühlten Pflicht, den Dresdner Demonstranten nicht die Hoheit über Bilder und Diskussionen zu überlassen. Zum Kitt der Pegida gehört wesentlich die Heroisierung eines Wir-gegen-die-da-oben-Gefühls. Je mehr Kirchen und Fabriken aber die Außenbeleuchtung löschen und je mehr Bürger für Weltoffenheit und Hilfsbereitschaft eintreten, desto sichtbarer wird das Signal: Gegen Pegida stehen nicht nur die da oben (wer auch immer sich dazu zählen mag). Dagegen steht die gesellschaftliche Mehrheit.