Panama Papers Unter dem Deckmantel der Helfer wurden wohl kriminelle Gelder verschoben

Am Sitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), in Genf in der Schweiz, ist man darüber empört. Das IKRK habe nie eine Geschäftsbeziehung zu Mossack Fonseca gehabt oder Geld von den beiden Stiftungen bekommen, sagt der Präsident des IKRK, Peter Maurer. Er spricht von Missbrauch, sieht den Ruf seiner Hilfsorganisation bedroht und will dagegen vorgehen: "Wir können nicht zulassen, dass wir mit Aktivitäten in Verbindung gebracht werden, für die wir durch die Genfer Konventionen nicht mandatiert sind."

Mossack Fonseca wollte konkrete Fragen zum Roten Kreuz nicht beantworten. In einer allgemeinen Stellungnahme betont der Offshore-Dienstleister, es sei falsch zu behaupten, dass Mossack Fonseca Strukturen anbiete, die dazu dienten, die Identität der tatsächlichen Besitzer von Firmen zu verstecken.

Nach außen schützt der Name vor Fragen; was hintenherum läuft, ist eine andere Sache

In den Panama Papers tauchen die beiden Stiftungen, die angeblich dem Roten Kreuz dienten, auch in Fällen auf, in denen möglicherweise kriminelle Gelder oder gesuchte Vermögenswerte versteckt wurden. Etwa bei zwei Briefkastenfirmen namens Aldyne Ltd. und Gairns Ltd., die offenbar eine wichtige Rolle spielten in einem Korruptions- und Geldwäschefall, über den vor allem argentinische Journalisten seit 2013 berichten: Die ehemaligen Präsidenten Néstor Kirchner und Cristina Fernández de Kirchner sollen, unter anderem mithilfe eines befreundeten Geschäftsmannes, Dutzende Millionen Dollar veruntreut und außer Landes gebracht haben. Was diese allerdings bestreiten. Laut dem ehemals zuständigen argentinischen Staatsanwalt hat der Geschäftsfreund über Panama und eine Vielzahl von Firmen, welche die Kanzlei Mossack Fonseca im US-Bundesstaat Nevada aufgesetzt hat, 65 Millionen Dollar gewaschen. In diesen Konstruktionen tauchten oft die beiden Briefkastenfirmen Aldyne Ltd. und Gairns Ltd. auf - und die wiederum gehörten der Faith Foundation, von der angeblich das Rote Kreuz profitierte.

Wer aber profitiert wirklich von solchen Tarnmanövern? In einem Gerichtsverfahren zum Argentinien-Fall, das in den USA stattfand, gab eine Mitarbeiterin von Mossack Fonseca zu Protokoll, weder Aldyne noch Gairns "gehören tatsächlich jemandem". Das hat Prinzip. Denn bei sogenannten Panama-Stiftungen sind offiziell keine Eigentümer eingetragen, sondern nur Begünstigte: Menschen oder Organisationen also, die das Geld aus der Stiftung angeblich bekommen.

Aber am Ende bekommt es natürlich jemand anderes.

In einem Schreiben an die Commerzbank in Luxemburg erklärte ein Mitarbeiter von Mossack Fonseca im Jahr 1998 recht unverblümt, wie diese Art der Stiftung funktioniert; er berief sich dabei auf Jürgen Mossack, einen der beiden Gründer der Kanzlei: "Als Begünstigter wird eine dritte Person (z. B. das Rote Kreuz), eingesetzt. Der Stiftungsrat wird von Mossack-Fonseca-Nominees gestellt. Der Stiftungsrat kann anschließend die Begünstigten abändern und die vom Privatkunden genannten Personen ernennen."

Mit anderen Worten: Nach außen schützt der Name des Roten Kreuzes vor unangenehmen Fragen; was hintenherum läuft, ist eine ganz andere Sache.

"So ist es nicht kompliziert"

Auch der amtierende Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan, hat offenbar von solch einer Konstruktion profitiert. Den Panama Papers zufolge hat eine Briefkastenfirma namens Mayfair Commercial Limited im Jahr 2005 in bester Lage in London Häuser gekauft. Die Bank of Scotland gewährte dafür ein zinsloses Darlehen von 292 Millionen Pfund. Hinter der Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln steht ein ganzes Netz von Offshore-Gesellschaften, und am Ende: die Faith Foundation und mit ihr das Rote Kreuz. Für Außenstehende ist somit nicht sichtbar, dass die Briefkastenfirma eigentlich mit einem Trust des Scheichs verbunden ist.

In den letzten Jahren wurde die Masche offenbar immer wichtiger, denn viele Staaten verschärften ihre Gesetze gegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Banken müssen seither in vielen Ländern mehr Informationen über ihre Kunden erfassen als zuvor. Bei Mossack Fonseca ließ man deshalb ein Zertifikat vorbereiten, das - so schreibt eine Mitarbeiterin in einer internen E-Mail - "in solchen Fällen normalerweise verwendet wird". Das Zertifikat weist das Internationale Rote Kreuz als Begünstigten der Faith Foundation aus; Kunden von Mossack Fonseca können es bei ihrer Bank vorlegen, wenn sie ein geheimes Konto für eine Firma eröffnen wollen. Die Gesetzesverschärfungen, die den wahren Eigentümer eines Kontos eigentlich entlarven sollen, laufen so ins Leere. Eine Mitarbeiterin der Niederlassung in Jersey schreibt dazu in einer E-Mail an einen Kollegen im Jahr 2009: "Das ist der Grund, weshalb wir diese Struktur mit dem Roten Kreuz aufgebaut haben. So ist es nicht kompliziert."

Mitarbeiter von Mossack Fonseca sind sich ausweislich der Panama Papers bewusst, dass das Rote Kreuz von all dem nichts weiß. In einem Schreiben heißt es: "Bitte beachte, dass gemäß Gesetzgebung in Panama Begünstigte einer Stiftung ohne deren Wissen eingesetzt werden können. Das Internationale Rote Kreuz ist sich dieser Abmachung nicht bewusst."