Neue FDP-Kampagne Mut zum Kitsch

Schäfchenwolken, Inlandsflüge in den Sonnenuntergang, blauer Himmel: Eine neue Kampagne wirbt voller Pathos für das Lebensgefühl Freiheit. Auf den ersten Blick ist das einfach nur eine weitere gefühlige Internet-Aktion. Doch dahinter steckt eine alte politische Bekannte, die um ihr Image fürchtet.

Von Charlotte Theile

Friede, Freude, Freiheit über den Wolken: Die Kampagne "Freiheit ist..." ist per Homepage seit einigen Tagen online, auf Facebook und Twitter sind die selbsternannten Freunde der Freiheit seit August aktiv.

(Foto: Screenshot: www.freiheit-ist.de)

Blauer Himmel, schneeweiße Wölkchen, über den Wolken ist sie immer noch grenzenlos, die Freiheit. So scheint es zumindest auf der Webseite Freiheit-ist.de, die vor einigen Tagen online gegangen ist. Im Zentrum steht ein knapp zwei Minuten langer Video-Clip. Er zeigt Sonnenuntergänge, Sonnenaufgänge, Autos, Straßen, Flugzeuge, Surfer, vorbeirauschende Landschaften, Paare, die sich in den Armen liegen.

Zu groß, zu pathetisch können die Worte und Bilder gar nicht sein, die im Namen der Freiheit bemüht werden - auf Deutschland-Tour haben die Initiatoren der Kampagne "Freunde der Freiheit" getroffen, Tiffany aus München, Pola aus Berlin, Hans-Werner aus Bad Mergentheim. Sie stehen hinter der Aktion, die bereits im August auf Facebook und Twitter angelaufen ist und in der Aufforderung gipfelt: "Deswegen, wenn Du die Freiheit lebst und liebst: Sei dabei!"

Die Freunde der Freiheit haben "Externe Interessierte aus dem liberalen Umfeld" bei einer Tour durch Deutschland gefunden.

(Foto: Twitterfoto vom Account @Freiheit_ist vom 21. September 2012)

Ganz weit unten erst stößt man auf den Satz: "Unterstützt werden wir dabei von der FDP." Die Partei verspricht sich von der Kampagne ein bisschen positives Image. "Der FDP wird immer vorgeworfen, kalt zu sein, kalt zu kommunizieren" sagt Nils Droste, stellvertretender Pressesprecher der Freien Demokraten, "mit 'Freiheit ist...' soll dagegen explizit ein liberales Lebensgefühl angesprochen werden." Eine emotionale Kampagne also, die "niedrigschwellig", wie Droste es formuliert, für das Thema Freiheit werben soll, ganz so, als sei der Begriff dabei, auszusterben.

Als Verantwortliche wird im Impressum Gabriele Renatus, Bundesgeschäftsführerin der FDP, angegeben. "Sie ist aber natürlich nicht persönlich damit befasst" erklärt Droste. "Interessierte aus dem liberalen Umfeld" verfolgen die Idee seit einigen Monaten. Doch wenn es um das Image der Partei gehen soll - warum versteckt sie sich dann hinter so vielen Wolken? Kein Parteilogo, keine Parteiprominenz. Ganz im Gegenteil, gleich nach dem Unterstützer-Bekenntnis kommt die Einschränkung: "Jeder ist eingeladen, uns seine ganz persönlichen Antworten zu geben. Denn die Freiheit kennt keine Parteibücher!"

Will man etwa potenzielle Freiheits-Fans nicht mit kräftigem Gelb auf Himmelblau verschrecken? Die FDP ist alles andere als angesagt. Aktuelle Umfragen sehen die Partei wieder unter fünf Prozent, der Einzug in den Bundestag ist in Gefahr. Die Zuspitzung auf wirtschaftsliberale Themen hat ihr nicht gut getan, sie gilt als Partei der Hedgefonds und Banker. An ihre während der Nullerjahre verschüttete Tradition von Freiheit und Selbstbestimmtheit anzuknüpfen, das ist das große Ziel der Freien Demokraten.

Auch deshalb setzt die FDP jetzt auf persönliche Kommunikation im Netz, jeder soll mitmachen können, alle sollen das Gleiche fühlen. "Sei von Anfang an dabei!", heißt es. Dabei sein, das kann jeder, der einen persönlichen Freiheitsmoment hochlädt, wie man das neue Auto in den Sonnenuntergang steuert zum Beispiel, oder die Handkamerafahrt beim Surfen. Ob das nicht ein bisschen zu viel Optik bei sehr wenig Inhalt ist?

Nein, findet Droste, schließlich zeige sich, dass jeder, ganz individuell, etwas anderes unter Freiheit verstehen würde. Individualität sei im Übrigen auch ein zentraler Wert der FDP. Dass man die hochauthentischen Momente der Freiheit nicht nur für den Video-Clip zwischen den Wolken der Homepage, sondern auch in FDP-Wahlkampfspots wiederfinden könnte, wird nur im Impressum erwähnt: "Weiterverwendung und Vervielfältigung sind nur zu privaten Zwecken und für die FDP gestattet."

Ob die Aktion auch im Bundestagswahlkampf eine Rolle spielen wird, ist allerdings laut Pressesprecher Droste noch nicht klar. Die "Begeisterung für das Thema Freiheit" könne der Partei 2013 nur nutzen. Die Aktion sei aber "nicht im engeren Sinne als Wahlkampf-Kampagne" gedacht.

Was der blaue Himmel, die Surfer und die Sonnenaufgänge jetzt eigentlich genau mit der FDP zu tun haben, müsste ohnehin vorher noch jemand erklären.