Für Haiti könnte die Hilfsbereitschaft eine Gelegenheit zum Neuanfang sein - wenn das Ausland seine Eigeninteressen hintanstellt.
Naturkatastrophen sind unfair, sie treten vorzugsweise dort auf, wo die Menschen ohnehin schon in Elend und Bedrängnis leben. Eines der letzten großen Erdbeben traf im Oktober 2005 die langjährige Kriegs- und Krisenregion Kaschmir, und zwar den pakistanischen Teil davon. Prompt geriet die Hilfe zwischen die Fronten. ´
Ein Tsunami der Hilfsbereitschaft: Helfer verteilen Wasser an Opfer der Erdbebenkatastrophe. (© Foto: AFP)
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Das Angebot des Erzfeindes Indien, in der Stunde der Not mit Helikoptern auszuhelfen, lehnten die Pakistaner zunächst ab; dann sagten sie "Ja, danke" - aber nur, wenn die Helikopter von pakistanischen Piloten geflogen würden. Das wiederum lehnte Indien ab. Statt den leidenden Menschen schnellstmöglich zu Hilfe zu eilen, erging man sich in kleinlichem Hickhack.
Als im Mai 2008 der Wirbelsturm Nargis seine zerstörerische Kraft auf Birma losließ, da hatte er sich das von einer unfähigen Militärjunta geknechtete, ärmste Land der Region ausgesucht. Auch damals tat sich die Hilfe schwer.
Haiti ist die permanente Katastrophe
Zwar machte die internationale Hilfsmaschinerie sofort mobil und schickte ihre Spezialisten los, doch ins eigentliche Notstandsgebiet des Irrawaddy-Deltas kamen sie nicht hinein. Weil die kontrollwütigen Generäle fürchteten, durch den Zustrom internationaler Helfer könnte sich ihr Griff auf das Land lockern, sperrten sie die Region für Ausländer. Um ihres Machterhalts willen spielten sie mit dem Leben Tausender.
In Haiti ist kein Krieg, das Land wird auch nicht von weltfremden Generälen regiert. Es ist viel schlimmer. Haiti, das ist die permanente Katastrophe. Sie ist sozialer, ökologischer und politischer Natur, sie ist gewissermaßen allumfassend.
Auf diese Ruine von einem Staat trifft nun ein Tsunami der Hilfsbereitschaft. Es gehört zu den großen zivilisatorischen Errungenschaften, dass sich Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, oft auf die Solidarität der internationalen Gemeinschaft verlassen können. Das ist auch im Notfall Haiti so, Staaten und Hilfsorganisationen überbieten sich gegenseitig in ihrem Eifer, den Haitianern zu helfen und ihr Elend zu lindern.
Doch das, was derzeit auf die Insel zurollt, würde sich dort auch in normalen Zeiten nicht bewältigen, nicht kanalisieren, nicht absorbieren lassen. Jetzt geht es erst recht nicht, und so gesehen muss man sich nicht wundern über das von Gewaltausbrüchen begleitete Durcheinander, in das die Helfer erst mühsam eine Struktur bringen müssen.
Ein süßes Gift
Die ersten zwei Wochen nach so einer Katastrophe sind die schwierigsten, danach wird die Hilfe zusehends besser greifen, und der Rest der Welt wird erleichtert aufatmen. Dabei bricht genau dann die eigentlich kritische Phase an, in der sich nämlich entscheiden wird, ob Haiti wirklich geholfen oder womöglich noch tiefer ins Elend gestoßen wird.
Hilfe, speziell Nahrungsmittelhilfe, erweist sich nicht selten als ein süßes Gift, das den Keim in sich birgt für das nächste, in seinen langfristigen Wirkungen womöglich sogar noch größere Unglück.
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so ist sie doch nicht mehr als ein Schamschürzchen für das Versagen der sog. Weltgemeishaft, die es eben gar nicht gibt.
Trifft eine solche Katastrophe ein so armes Land, ist natürlich Hilfe unumgänglich. Scheinheilig wird das ganze aber dadurch, dass sich an den eigentlichen Ursachen danach auch nichts ändert. Die in Haiti herrschenden Lebensbedingungen sind mit eine Ursache dafür, dass Menschen in dieser Größenordnung ihr
Leben verloren haben.
Die USA als Hauptverursacher dieses Elends wären eigentlich die zuerst Geforderten. Es ist nur zu dumm, dass es dort offensichtlich nichts Wertvolles zu holen gibt.
Schlimm genug, dass dort blankes Elend herrscht, jetzt blüht auch noch der Menschen(oder sollte man sagen Sklaven-)handel. Kinder verschwinden aus Kliniken und Deutschland öffnet sich für Adoptionskinder.
Die haben doch die besten Ärzte Lateinamerikas, sagt man.
Nicht-Helfen ist Mist und Helfen ist auch Mist
Die Deutsche Presse hat wohl immer was zu meckern, oft dort, wo es nicht angebracht ist, jedenfalls noch nicht.
wenn sie statt den Reis nach Haiti zu exportieren, den Haitianern das Wissen um erdbebensichere Bauten vermitteln.
prallt ein Tsunami der Hilfsbereitschaft auf Haiti."
Vielleicht etwas unklücklich formuliert, angesichts beider Katastrophen.