Kanzlerin Merkel spricht auf der Trauerfeier für die in Afghanistan gefallenen Soldaten den Angehörigen ihr Mitgefühl aus - und räumt Zweifel an dem Einsatz ein.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei einer Trauerfeier drei am Karfreitag bei Kundus getötete Bundeswehrsoldaten geehrt und persönliche Zweifel am Afghanistan-Einsatz eingeräumt. "Ich verneige mich vor Ihnen, Deutschland verneigt sich vor Ihnen", sagte Merkel am Freitag in der Dorfkirche im niedersächsischen Selsingen.
Der Sarg eines gefallenen Soldaten. Verteidigungsminister Guttenberg bezeichnete den Einsatz in Afghanistan als Krieg. (© Foto: dpa)
Anzeige
Es gebe wohl "keinen Abgeordneten und kein Regierungsmitglied", die nicht schon Zweifel an der Mission gehabt hätten. Gleichzeitig verteidigte die Kanzlerin jedoch die Bundeswehrpräsenz. Afghanistan dürfe nicht wieder zur "Brutstätte des weltweiten Terrors" werden. "Ich stehe sehr bewusst hinter dem Einsatz, weil er der Sicherheit unseres Landes dient." Deutsche Soldaten kämpften dort, um zu verhindern, "dass Terroristen uns auch hier in Deutschland treffen". Sie erinnerte an die Anschläge in New York, Madrid und London. Merkel nahm erstmals an einer Trauerfeier für gefallene Soldaten teil.
Schwieriger Einsatz
Die Kanzlerin räumte ein, dass der Einsatz "schwieriger ist, als wir gedacht haben". Es habe manche Fortschritte gegeben, "aber auch zu viele Rückschläge". Die Bundeswehr werde "keinen Tag länger als notwendig" in Afghanistan bleiben. Einen Abzugstermin wollte sie aber nicht nennen. Merkel sagte, die meisten Soldaten würden den Einsatz in Afghanistan mittlerweile Bürgerkrieg oder Krieg nennen. "Ich verstehe das gut." Wer ständig mit Angriffen rechnen müsse, denke nicht an den von der Regierung verwendeten juristischen Begriff "nicht-internationaler bewaffneter Konflikt".
Deutlicher wurde Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). "Was wir am Karfreitag in Kundus erleben mussten, bezeichnen die meisten verständlicherweise als Krieg - ich auch", sagte er. Auf seinen früheren Zusatz, dass das nur umgangssprachlich gemeint sei, verzichtete er. Auf die Frage seiner Tochter, ob die drei Soldaten Helden seien und ob sie stolz auf sie sein dürfe, habe er kürzlich "nicht politisch, sondern ganz einfach mit Ja geantwortet".
Die in Afghanistan stationierten Soldaten müssten sich "darauf verlassen können, das zu bekommen, was sie brauchen", sagte Guttenberg und nannte den Rückhalt der Gesellschaft.
Hunderte Trauernde
Vor dem Altar der Kirche waren die Särge der drei Soldaten aufgestellt, bedeckt von der schwarz-rot-goldenen Fahne, dem Helm und einem Foto der Getöteten. Sie waren am Karfreitag gestorben, als ihre Einheit nahe Kundus auf der Suche nach Minen von Dutzenden Taliban-Kämpfern angegriffen wurde.
Der mit 35 Jahren gestorbene Hauptfeldwebel Nils Bruns hinterlässt ein kleines Kind, ebenso der 28-jährige Hauptgefreite Martin Kadir Augustyniak. Der dritte Soldat, Stabsgefreiter Robert Hartert, wurde 25 Jahre alt. Acht ihrer Kameraden wurden verletzt, vier von ihnen liegen noch immer im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz. Erst seit wenigen Wochen waren die Soldaten der Luftlandebrigade 31 im Norden von Afghanistan im Einsatz.
Am Samstag will Merkel das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam besuchen, um sich dort über die Ereignisse zu informieren.
- Thema
- Afghanistan RSS
- Gefallene Soldaten Trauerfeier mit Kanzlerin 09.04.2010
- Gefallene Soldaten Angela Merkel kommt nun doch zur Trauerfeier 08.04.2010
- Gefechte bei Kundus Bundeswehr tötet irrtümlich afghanische Soldaten 03.04.2010
- Afghanistan Guttenberg spricht von "Krieg" 04.04.2010
- Politik kompakt RAF-Mitglied Hogefeld bleibt in Haft 18.05.2010
- Afghanistan Flugzeugabsturz im Hindukusch 17.05.2010
- Politik kompakt Längere Atomlaufzeiten - am Bundesrat vorbei 15.05.2010
(sueddeutsche.de/gba/cgn)
New Yorker Bürgermeister will Soft-Drinks verbieten
Es ist scheinbar Konsens im Forum, dass Merkel einen guten Job macht.
Das Problem in Afghanistan ist, dass man dort mit feigen Taliban zu tun hat, die sich in der Zivilbevölkerung verstecken. Die Bundeswehr kann dann nicht gegen sie vorgehen.
Man sollte überlegen, auf die Kontrollfahrten zu verzichten und gleichzeitig eine afghanische Truppe aufzubauen, die mit ihren Methoden die Taliban liquidiert. MIt unseren demokratischen Ansichten können wir da nichts mehr tun.
Die Afghanen hören nur auf ihre Kultur und Methoden. Langfristig wird der Westen dort einen afghanischen Diktator brauchen, der mit den Methoden der Mohammedaner auf grausamste Weise die Taliban auslöscht - das ist übel, aber Islam und Demokratie sind nicht miteinander vereinbar, wir sollten das endlich verstehen. Unsere Integrationsprobleme zeigen das deutlich.
Die Intervention in Afghanistan war, ist und bleibt militärisch, politisch und moralisch eine katastrophale Sinnlosigkeit. Es ist und bleibt eine verheerende und selbstverschuldete Lüge der Bundesregierungen, die davon redeten und reden, dass Deutschland am Hindukusch verteidigt wird.
Es geht vor allem der westlichen Führungsmacht USA mit dieser Intervention in einen im Kern auch afghanischen Bürgerkrieg um den Ausbau ihrer militärstrategischen und wirtschaftlichen Interessen. Den US-Vorgaben widersetzten und widersetzen sich die Bundesregierungen nicht, obwohl die übergroße Mehrheit der Deutschen gegen eine Beteiligung der Bundeswehr an diesem Krieg und Bürgerkrieg war und weiterhin ist. Die Angst vor möglicher außenpolitischer Isolierung, falls Deutschland sich einer Beteiligung widersetzt - ich halte sie für irreal - ist offenbar bei der Bundesregierung weit stärker als der von der Kanzlerin erwähnte "persönliche Zweifel" an dem Einsatz. Der Zweifel hat sich in realer Politik jedenfalls nicht niedergeschlagen.
Die längst überfällige Konsequenz ist: Raus aus Afghanistan, wo wir Deutsche nichts verloren hatten und haben. - Und das Gerede von "Helden" (Guttenberg) erscheint mir einfach nur als verlogenes Geschwätz. Die in diesem Krieg getöteten deutschen Soldaten sind Täter und Opfer einer falschen Interventionspolitik. Ihr Tod ist genauso sinnlos wie der Tod der vielen Afghanen, die bei Kundus durch deutsche Befehle getötet wurden.
Guttenberg kann nicht erwarten, daß die Bevölkerung den Soldaten in Afghanistan Rückhalt gibt. Die ganze Vorgehensweise der Regierungen seit rot-grün in der Sache gehen an den Menschen, dem Grundgesetz und den Menschenrechten kaltschnäuzig vorbei. Hinterher Rückhalt zu erwarten ist erpreßter Patriotismus.
Das Schlimmste ist, dass nun, wo Deutschland wirklich wieder Krieg führt und tötet, die Ostermärsche nur noch von ganz wenigen besucht werden!
Zweifel an dem Einsatz sind auch mehr als berechtigt. Da werden junge Menschen angeblich zur Ausbildung von Polizisten und zum Bau von Schulen in ein Kriegsgebiet geschickt und weder die eigene Ausbildung noch die Fahrzeuge und sonstigen Waffen entsprechen modernen Standards.Insofern kann man mit Fug und Recht von Mord sprechen.
Paging