Luftangriffe Türkische Jets greifen Kurden in Syrien und im Irak an

Ein türkischer Kampfjet (Archivbild aus dem Jahr 2015).

(Foto: AP)
  • Die türkische Luftwaffe hat Stellungen von Kurdenmilizen in Syrien und dem Irak angegriffen.
  • In Syrien sollen dabei 18 Mitglieder der YPG getötet worden sein. Die Kurden-Miliz ist in dem Land wichtigster Partner des Westens gegen die IS-Terrormiliz.
  • Im Irak sollen versehentlich mehrere Peschmerga-Kämpfer getötet worden sein. Diese gelten als Verbündete der Türkei.

Bei türkischen Luftangriffen auf Kurdenstellungen im Norden Syriens und des Iraks sind nach Angaben aus unterschiedlichen Quellen mehr als 20 Menschen getötet worden. Jets hätten die mit den USA verbündete Kurden-Miliz YPG sowie Stellungen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK bombardiert, meldete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Im Nordosten Syriens seien 15 YPG-Kämpfer und drei Mitarbeiter eines Medienzentrums der Miliz ums Leben gekommen. Die Beobachtungsstelle ist in London angesiedelt, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite schwer zu überprüfen, haben sich im Nachheinein aber oft als zutreffend erwiesen.

Die YPG ist in Syrien wichtigster Partner des Westens im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Jets der US-geführten internationalen Koalition unterstützen eine von der YPG angeführte Offensive auf die IS-Hochburg Raqqa. Die Miliz kontrolliert im Norden Syriens zudem große Teile der Grenze zur Türkei. Ankara sieht in der Kurdenmiliz einen Ableger der PKK und bekämpft sie deshalb.

Bei den Luftangriffen auf die PKK im nordirakischen Sindschar-Gebirge sollen zudem versehentlich fünf kurdische Peschmerga-Kämpfer ums Leben gekommen sein, wie ein Peschmerga-Kommandeur mitteilte. Die Peschmerga gehören zur kurdischen Autonomieregierung im Nordirak. Die Region Sindschar war lange vor allem von Jesiden bewohnt, im August 2014 tötete und versklavte der IS viele von ihnen. Die PKK, die damals den Jesiden half, hat sich seither in der Region festgesetzt. Statt ihrer trafen die türkischen Streitkräfte Peschmerga-Kämpfer, die eigentlich gute Beziehungen zur Türkei pflegen und in Konkurrenz zur PKK stehen. Ein Sprecher des Peschmerga-Ministeriums in Erbil erklärte, die Angriffe seien inakzeptabel. Gleichzeitig forderte er die PKK auf, sich aus dem Nordirak zurückzuziehen.

Wie die Türkei die Angriffe rechtfertigt

Die türkische Armee bestätigte in einer Mitteilung, sie habe am frühen Dienstagmorgen Luftangriffe auf die PKK "und die Verlängerungen dieser Organisation in Syrien und im Irak" geflogen. Ziel sei die "Zerstörung dieser Terrornester" in Nordostsyrien und im Nordirak gewesen. Die Ziele seien präzise getroffen worden.

Von den angegriffenen Regionen aus kämen Terroristen in die Türkei und brächten Waffen und Sprengstoff ins Land, teilten die Streitkräfte weiter mit. Durch diese Terroristen würden Anschläge in der Türkei verübt. Zuletzt sei das bei einem Anschlag auf eine Polizeistation in der südosttürkischen Kurdenmetropole Diyarbakır der Fall gewesen, bei dem vor zwei Wochen drei Menschen getötet worden waren. Dazu hatte sich die PKK bekannt.

Der Chef der syrischen Kurdenpartei PYD, Salih Muslim, warf der Türkei vor, Terroristen zu unterstützen. "Anstatt den IS anzugreifen, attackiert die Türkei diejenigen, die gegen die Terroristen kämpfen", sagte er der Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung. Die internationale Koalition dürfe diese Angriffe nicht stillschweigend akzeptieren. Die YPG gilt als bewaffneter Arm der PYD.

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