Nach den Luftschlägen Wie das Inferno in Syrien enden könnte

Rauch steigt nach Raketeneinschlägen über dem syrischen Duma auf.

(Foto: dpa)

Die Kriegsparteien missachten das Völkerrecht und zerstören Strukturen, die der Welt Halt gaben. Vielleicht gibt es einen Ausweg. Doch der ist schwierig und teuer.

Kommentar von Stefan Ulrich

Die Angst kehrt zurück. Sie kriecht aus den Falten der Geschichte, schreit aus Bildern zerstörter syrischer Städte, nährt sich von Tweets Donald Trumps und nistet sich in den Köpfen von Deutschen und anderen Europäern ein, für die "Nie wieder Krieg" zur tröstlichen Lebensbasis geworden ist.

Gewiss, es hatte den Krieg weiter gegeben in unglücklichen Ecken der Erde - Kongo, Myanmar, Libyen. Und manchmal flackerte er an den Rändern des vereinten Europa wieder auf, in Ex-Jugoslawien, der Ostukraine. Aber das waren oder sind begrenzte Konflikte, einfrierbar oder eindämmbar. Ein Flächenbrand wie im Ersten und Zweiten Weltkrieg, der über ganz Europa hinwegfegt? Das schien seit Ende des Kalten Krieges unmöglich zu sein. Der totale Krieg der Nazis hatten den Krieg insbesondere in Deutschland total diskreditiert. Stattdessen entstand die Erwartung ewigen Friedens, wenigstens für die EU.

Die Wahrscheinlichkeit der Apokalypse bleibt gering

Nun häufen sich Konflikte, die diese Gewissheit zernagen: der Atomstreit mit Iran, Nordkoreas Raketen, das Verhältnis zwischen Russland und den USA, verkörpert durch Putin und Trump. Letzteres schwankt zwischen Kuscheln und Catchen. Gerade ist, wegen Syrien, Krawall angesagt. Viele sorgen sich, ein dummdreister Tweet des US-Präsidenten, eine fehlgeleitete Rakete, ein verletztes Ego im Weißen Haus oder im Kreml könnten zum Atomkrieg führen.

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Gewiss: Die Wahrscheinlichkeit dieser Apokalypse bleibt gering. Noch zählt in Washington nicht nur Trump; und in Moskau erscheint Putin, bei aller Verschlagenheit, zu kaltem Kalkül fähig. Es gibt Hoffnung, dass sich die USA in kommenden Wahlen von ihrem schändlichen Präsidenten befreien. Und es gibt die Chance, dass Putin erkennt, wie seine Strategie der Spannung Russland auslaugt und am Ende ihn selbst verschleißt. Und dennoch: Die Welt als Ganzes ist wieder gefährlicher geworden, als sie es in den vergangenen Jahrzehnten war.

Nur noch Narren und Verbrecher jubeln über Kriege

Von Urzeiten an hatte Krieg zum menschlichen Leben gehört. Kriege waren so häufig, dass eine Friedenszeit wie unter Kaiser Augustus einsam aus der Historie leuchtet. Selbst die griechische Antike, klassisches Vorbild der Humanisten, wurde von ständigen Kriegen der Stadtstaaten untereinander oder gegen die Perser geprägt. Heraklit nannte den Krieg den "Vater aller Dinge", der den Menschen ihre Sterblichkeit zeigt. Clausewitz bezeichnete den Krieg als "Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln". Und als der Erste Weltkrieg ausbrach, zogen viele Deutsche jubelnd durch die Städte.

Seitdem hat die Menschheit starke Fortschritte gemacht. Nur noch Narren und Verbrecher jubeln über Kriege. Allgemein wurde der Krieg geächtet, die Charta der Vereinten Nationen versuchte, ihn zu zügeln. Organisationen wie die UN oder die EU, das Völkerrecht und Weltstrafgerichte machten gegen den Krieg mobil.