Die CSU will den Gesundheitsfonds reformieren. Krankenkassen sollen wieder eigene Beiträge festsetzen dürfen, fordert Markus Söder.
Die CSU prescht in den Koalitionsverhandlungen mit einem Reformvorschlag für den umstrittenen Gesundheitsfonds vor. "Wenn man den Fonds behalten will, muss es grundlegende Änderungen geben", sagte Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder der Süddeutschen Zeitung. Dazu gehöre eine stärkere Regionalität. "Bayern darf nicht länger benachteiligt werden."
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"Es muss einen Bayern-Bonus geben": Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder. (© Foto: dpa)
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Die Gesundheitsexperten von Union und FDP wollen erstmals am Montag über die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sprechen, in deren Zentrum der Fonds steht. Die Geldsammelmaschine gilt als Streitpunkt der Koalitionäre. Während die FDP ihn für die Milliardendefizite in der GKV verantwortlich macht und seine Abschaffung fordert, will vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an dem von der großen Koalition vereinbarten System festhalten.
Der Fonds sammelt die Beitragsgeld von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sowie die Zuschüsse des Bundes. Die Mittel werden dann nach einem festgelegten Schlüssel in monatlichen Zahlungen unter den etwa 180 Kassen verteilt. Dieser Schlüssel orientiert sich an Einkommen, Alter, Geschlecht und Krankheiten der Versicherten. Der Beitragssatz liegt bei einheitlich 14,9 Prozent, wobei die Arbeitnehmer 7,9 Prozentpunkte zahlen.
"Der Ulla-Schmidt-Teil des Fonds muss entfernt werden", forderte Söder. Die Kassen müssten wieder mehr Spielraum erhalten und dürften nicht mehr an der zentralistischen Leine hängen. Nach Vorstellung der CSU sollen künftig nur noch 14 Prozent der Beiträge in den Fonds fließen. Die restlichen 0,9 Prozent sollen in die Finanzautonomie der Kassen gestellt werden. Das heißt, je nach Kassenlage können sie diesen Teil des Beitragssatzes senken oder anheben. Nach kurzer Zeit werde sich so ein Beitragswettbewerb entwickeln, heißt es.
"Bayerische Patienten zahlen mehr"
Söder unterstrich seine Grundhaltung in den Koalitionsverhandlungen, wonach die bayerischen Patienten derzeit doppelt unter dem Fonds leiden würden: Wegen ihrer höheren Einkommen zahlten sie mehr, zugleich verschlechtere sich die Qualität ihrer Versorgung. Dies müsse sich ändern. "Es muss einen Bayern-Bonus geben", sagte Söder.
Nach Berechnungen des Schätzerkreises im Gesundheitswesen stellt der Fonds den Kassen im kommenden Jahr etwa 166,7 Milliarden Euro zur Verfügung. Das sind etwa 7,4 Milliarden Euro weniger als die Versicherer nach Ansicht des Expertengremiums ausgeben werden. Der Großteil des Geldes fließt an Kliniken, an niedergelassene Ärzte und in die Versorgung mit Medikamenten. Bei den Unterhändlern der Union herrscht die Überzeugung, dass insbesondere die Pharmaindustrie einen Beitrag leisten soll, um das Finanzloch in der GKV zu stopfen. Die FDP ist da zurückhaltender.
Eingreifen bei neuen Medikamenten
Am Freitag sprachen die Koalitionäre erstmals über diesen Bereich. Laut CDU-Gesundheitsexpertin Annette Widmann-Mauz verhandelten die angehenden Koalitionäre intensiv darüber, wie der Arzneimittelbereich dereguliert werden könne. Auch eine schnell wirksame Kostenbegrenzung ist offenbar denkbar. "Den Bereichen mit besonderen Ausgabensteigerungen widmen wir uns in besonderer Weise", sagte Widmann-Mauz. Die Kosten der von den Ärzten verordneten Medikamente stiegen in den ersten sechs Monaten des Jahres um sieben Prozent auf etwa 15,8 Milliarden Euro.
Widmann-Mauz deutete an, dass man in den bislang üblichen Mechanismus bei der Markteinführung neuer Medikamente eingreifen wolle. Bislang kann die Pharmaindustrie nach der Zulassung eines neuen patentgeschützten Mittels den Preis eigenständig bestimmen. Die Kassen sind gezwungen, es in ihren Leistungskatalog aufzunehmen. Es vergehen mitunter Jahre, bevor das neue Präparat dann auf seinen zusätzlichen Nutzen im Vergleich zu vorhandenen und günstigeren Medikamenten geprüft wird - und so seine Kosten sinken.
"Zeit ist Geld"
Dieser Zeitfaktor werde in der Debatte eine Rolle spielen, sagte Widmann-Mauz. "Zeit ist Geld." Zuvor hatte auch Söder für die CSU einen Sparbeitrag der Pharmaindustrie gefordert. Zurückhaltender äußerte sich der FDP-Gesundheitsexperte Daniel Bahr.
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie warnte Union und FDP vor Sparmaßnahmen und Zwangsabschlägen. "Wer die Öffentlichkeit so beeindrucken will, riskiert leichtfertig industrielle Standorte und Arbeitsplätze in Deutschland", sagte Geschäftsführer Henning Fahrenkamp.
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(SZ vom 10.10.2009/holz)
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Es muss einen Bayern-Bonus geben, meint kein Geringerer als der Herr Söder. Den hat es in der Vergangenheit doch auch immer gegeben. Früher, als das strukturschwache Bayern noch Gelder aus dem Länderfinanzausgleich bekam, haben doch alle munter in den Bundestopf gegriffen und doppelt abgesahnt. Allein schon die Summen, die FJS in den Südstaat geholt hat, wenn er sich sein Bleiben in Bayern von den jeweiligen Kanzlern vergoldenen ließ, waren kein Pappenstiel. Und jetzt, wo es den Bayern gut und besser als die Durchschnittsbevölkerung geht, wollen sie an die Solidargemeinschaft nicht mehr zahlen. So etwas nennt man christlich praktizierte Politik á la CSU, im Nehmen groß und im Geben winzig.
Bayern Bonus???? Wofür??? Für die läppischen 6,5% die die CSU bei der Bundestagswahl erlangt hat?
Dass jemand, der mehr hat, mehr zahlt, nennt sich Solidargemeinschaft und die Leistungen verschlechtern sich gerade für alle. Also Ball flach halten Söder.
Meiner Meinung nach machen'S einen Fehler wenn Sie hier auf "die CSU" eingehen. Es ist in der Tat an Absurdität kaum zu übertrieben, wenn auch leider Beispielhaft in Absurdis äh Germanistan, dass die Länder die am meisten zum Wohlstand - und auch zum Steuer- und Aufgabenaufkommen - in der Bundesrepublik beitragen am stärksten benachteiligt wurden. In Berlin stiegen die Ärzte-Einkommen massiv, in Baden-Württemberg sank sogar die Honorarsumme insgesamt und nicht nur bei einzelnen Ärztegruppen.
Dass der starke Süden in der Bundespolitik gegenüber den von Natur aus "ellenbogenhafteren" Norddeutschen immer öfter den Kürzeren sieht sah man zB auch beim kürzlichen Wahlkampf, in Steinmeiers Schattenkabinett ("Kompetenzteam") war nicht EIN einziger Bayer oder Baden-Württemberger vertreten. Man könnte sagen die SPD hat die südliche Hälfte der Republik halt aufgegeben, ähnlich ist es aber bei allen Parteien, allen Interessenverbänden, allen Gewerkschaften, ....
das nun "Bayern-Bonus" zu nennen ist natürlich geeignet bei den "Preißn" die üblichen antibayrischen Reflexe hervorzurufen, die Forderung bleibt aber im Kern einfach richtig. Und letztlich sind doch auch die anderen Parteien im Landtag gewählt um dem bayrischen Volk zu dienen!
Als man den bayrischen Landtag noch mit einer stabilen 2/3 Mehrheit beherrschte,
konnte man mit Hinweis auf die bayrische Verfassung jederzeit Sonderrechte für Bayern Fordern.
Nun gut, heute fordert man aus Angst eine Ampelkoalition könnte bei der nächsten Wahl eine stabile 2/3 Mehrheit erreichen wenn man keine bayrischen Sonderrechte erreicht.
Eine Benachteiligung der "Besserverdienenden" wäre dann vieleicht gegeben, wenn diese Besserverdienenden und natürlich auch Beamte und -Politiker- in die gleiche Pflichtversicherung einzahlen würden. Aber bislang wird das noch immer auf dem Rücken der Kleinen ausgetragen.