Radikale Palästinenser versprechen sich viel von der Freilassung Gilad Schalits - und wollen danach weitere israelische Soldaten entführen.
Die Rolle des Friedensbotschafters ist noch ungewohnt für diesen Mann, der sich nur mit seinem nom de guerre, dem Kampfnamen, vorstellt. Abu Khaled ist mit einem nervösen Blick nach rechts, nach links und nach oben verabredungsgemäß an einer schmuddeligen Straßenecke von Gaza-Stadt ins Auto eingestiegen, hat vom Rücksitz aus den Wagen mit Rasierwasserduft gefüllt - und nun verkündet er: "Wir werden keine Raketen mehr auf Israel schießen. Das ist unsere Botschaft an die Welt."
Bild vergrößern
Ein Wandgemälde in Jerusalem zeigt den gefangenen israelischen Soldaten Gilad Schalit. (© Foto: Reuters)
Anzeige
Abu Khaled ist ein Kommandeur der Kassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der Hamas. Er hat gute Gründe, vorsichtig zu sein, manche seiner Kameraden wurden aus dem Nichts heraus von Geschossen getroffen. Und er weiß auch, dass sein Friedensangebot noch lange nicht bedeutet, dass auch die Israelis Ruhe geben. "Doch dann kann jeder sehen, dass nicht wir es sind, die einen Krieg anfangen", sagt er zufrieden und spielt mit dem Handy in der einen und der Gebetskette in der anderen Hand.
Am Wochenende hat die in Gaza regierende Hamas die bewaffneten Fraktionen auf diesen Waffenstillstand verpflichtet, da hatte sich der Rauch noch nicht verzogen von einem kurzen Schlagabtausch mit einer Rakete und folgenden Luftangriffen, bei dem sieben Palästinenser verletzt wurden. Nun aber soll Ruhe sein, fürs Erste.
Nur der Islamische Dschihad habe noch nicht zugestimmt, sagt Abu Khaled, "die sind nicht dafür und nicht dagegen". Rumoren komme noch von Splittergruppen, doch ein Problem sei auch das nicht. "Wenn die Regierung entscheidet, dass wir den Beschuss stoppen, dann stoppen wir. Wer noch Raketen abfeuert, der wird verhaftet."
Allerdings weiß auch er: "Absolutes gibt es nicht" - schon gar nicht im Gaza-Gewirr der bewaffneten Gruppen. Das ein oder andere Geschoss hält er also noch für verzeihlich. "In den letzten Wochen sind vielleicht zehn Raketen nach Israel geflogen", rechnet er vor, "so viele haben wir früher in einer Stunde abgefeuert."
Ein Soldat für 1000 Gefangene
Der plötzlich sanfte Ton der Hamas und ihrer Kampfbrigaden mag viele Gründe haben - die israelische Übermacht und auch die Erschöpfung der Bevölkerung durch Krieg und Blockade. Aktuell könnte es den Radikalen an der Regierung vor allem darum gehen, die von einem deutschen Vermittler vorangebrachten Verhandlungen um die Freilassung des entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit nicht zu gefährden.
Am Montag reiste eine Hamas-Delegation zum Feinschliff nach Kairo, am Tag zuvor war Israels Präsident Schimon Peres dort. Manche erwarten schon eine Freilassung in den nächsten Tagen, doch das war in den vergangenen fast dreieinhalb Jahren dieser Geisel-Geschichte häufiger erwartet worden. Abu Khaled bestätigt aber, wie wichtig dieser Handel auch für die Hamas ist. "Für einen Soldaten bekommen wir tausend Gefangene, das ist doch unser Sieg", sagt er, "und das wird die Hamas noch populärer machen."
Aber er denkt noch weiter: Alle Gefangenen sollen befreit werden. Wenn er diese Idee jedoch in die Tat umsetzt, dann ist der Weg von der Waffenruhe zurück zum Kampf gewiss noch kürzer als andersherum. Sobald Gilad Schalit befreit ist, sollen nämlich weitere Soldaten gefangen werden. Sie hätten eine Belohnung ausgesetzt, sagt Abu Khaled: "Jeder Palästinenser, der uns einen Soldaten bringt, bekommt eine Million jordanische Dinar."
Die Nuba: Leni Riefenstahls Bilder machten sie einst bekannt. Heute sucht das Volk aus Sudan Schutz in Höhlen und Felsspalten – vor den Bomben des Regimes in Khartum. Ein Frontbericht. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Gilad Schalit RSS
- Israel Gilad Schalits Freilassung steht angeblich bevor 23.11.2009
- Vor Israel-Reise Westerwelle fordert Stopp des Siedlungsbaus 23.11.2009
- Westerwelle in Israel Affäre mit Langzeitwirkung 22.11.2009
- Israel: Neue Pläne für Siedlungsbau Demonstrative Kraftmeierei 18.11.2009
- Israel USA "bestürzt" über Siedlungspläne 18.11.2009
- Hamas-Propaganda Traumfabrik des Terrors 27.04.2010
- Politik kompakt China warnt Obama 02.02.2010
(SZ vom 24.11.2009/jab)
Sorgerechtsverfahren in der Kritik
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
die Hamas wolle 1,4 Mio. Dollar für jeden entführten IDF-Soldaten Kopfprämie zahlen.
Eigenartige Prioritäten für die Regierung eines Autonomiegebiets, dessen Bewohner nach Angaben der Hamas und deren Unterstützungskomittees ständig am Hungertuch nagen ...
Die internationale Gemeinschaft, inkl. EU und USA, die jährlich Dollarmillionen in diesen Landstrich pumpen, sollten sich überlegen, ob sie nun wirklich Entführungen finanzieren möchten ... statt Waffenkäufe :-D
Entfuehrungen zur Loesegelderpressung fuehren seit Jahren zur persoenlichen Bereicherung gewisser Ledute. So gesehen in Somalia, im Irak, in Venezuela und auch in Palaestina. Gute Geschaefte weiterhin.....
Können Sie DAS irgendwie beweisen:
"Aber er denkt noch weiter: Alle Gefangenen sollen befreit werden. Wenn er diese Idee jedoch in die Tat umsetzt, dann ist der Weg von der Waffenruhe zurück zum Kampf gewiss noch kürzer als andersherum. Sobald Gilad Schalit befreit ist, sollen nämlich weitere Soldaten gefangen werden. Sie hätten eine Belohnung ausgesetzt, sagt Abu Khaled: "Jeder Palästinenser, der uns einen Soldaten bringt, bekommt eine Million jordanische Dinar."
DENN ich kann nicht glauben, dass irgend ein Hamas-Vertreter derartigen Schwachsinn -und das auch noch öffentlich - ausposaunt!
Ja und es sind mehr! Jugendliche, Frauen, Schwangere ja selbst Kinder und Parlamentsabgeordnete sind von Israels super Demokratische Armee entführt worden.
Sie alle müssen raus kommen.
Das wird Hamas populärer machen. Nein das ist sind sie schon. Wen die Menschen sie an die Macht wählen - muss man das akzeptieren und pasta. Oder wer hat ausgeschlossen - wegen der Rechtsradikalen Regierung!
Hieran sieht man mal wieder, dass Verhandlungen mit diesen Opportunisten vollkommen fehl am Platze sind, weil Verhandlungsbereitschaft nur als Schwäche gedeutet wird.