Die Feldpost-Affäre, die Vorfälle auf der "Gorch Fock" und in Afghanistan: Das Krisenmanagement von Karl-Theodor zu Guttenberg beweist einmal mehr, dass der Verteidigungsminister vor allem ein Meister der Selbstverteidigung ist. Wenn es um den guten Eindruck geht, nimmt er sogar Brüche in seiner Argumentation in Kauf.
In gehetzten Zeiten bleibt oft wenig Luft, Entscheidungen gründlich zu durchdenken. Wenn die Sonntags-Zeitung peinliche Veröffentlichungen ankündigt, kann sich ein Minister schon einmal zu raschen und harten Beschlüssen genötigt sehen. Man kann das verstehen. Ein Politiker ist auf gute Presse angewiesen; er lebt vom Zuspruch der Öffentlichkeit. Wer will sich da schon der Gefahr aussetzen, in Millionenauflage und in großen Lettern der Untätigkeit geziehen zu werden.
Weiter hohe Wellen um "Gorch Fock"
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Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg würde sicherlich den Verdacht zurückweisen, er habe sich von der Boulevardpresse drängen lassen, den Kommandanten des Segelschulschiffs Gorch Fock, Norbert Schatz, abzulösen. In seiner Sprache der letzten Tage würde er eine solche Vermutung unanständig und infam nennen. Ein Minister, der wie Guttenberg Klarheit und Wahrheit auf seine Fahnen geschrieben hat, braucht keinen Anstoß vom Boulevard. Ihm reicht es, wenn Bild am Sonntag ein markiges "Es reicht!" transportiert.
Guttenberg hat schon angenehmere Wochen erlebt. Die Vorgänge auf der Gorch Fock, der Ärger mit dem Parlament über den Fall des in Nordafghanistan durch die Waffe eines Kameraden getöteten Soldaten und die Aufregung über geöffnete Soldatenpost überlagern die eigentlich größeren Probleme wie Afghanistan-Einsatz und Bundeswehr-Reform. Gleichwohl gibt der fränkische Freiherr den unbeirrbaren Krisenmanager. Er zeigt sich betroffen, er kündigt kompromisslose Aufklärung an, und er scheut, wenn nötig, vor schnellen Entscheidungen nicht zurück.
So kennt man ihn. Guttenberg zelebriert den neuen Politikertypus, der sich nicht hinter Gremien verschanzt und der das als richtig Erkannte auch entschlossen durchsetzt. Guttenberg hat damit Erfolg. Seit Monaten steht er an der Spitze der Popularitätsskalen.
Zugleich ist er ein Meister der Selbstverteidigung. Stets betont er, dass er die Verantwortung trägt. Übernehmen lässt er sie aber gern von anderen, wie jetzt wieder vom Generalinspekteur und vom Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, die sich im Verteidigungsausschuss des Bundestags schuldig bekennen mussten für die unvollständige Unterrichtung des Gremiums in Sachen Todesschuss.
Auch die Entscheidung, Kapitän Schatz abzulösen, passt in dieses Bild. Es werde keine Vorverurteilungen geben, hat Guttenberg vorige Woche noch versichert. Für Schatz gilt dies offenbar nicht. Seine Ablösung vom Kommando der Gorch Fock, am Freitagabend zwischen 22 Uhr und Mitternacht entschieden, wird in der Truppe als eben dieses Vor-Urteil aufgefasst.
Wo immer man in diesen Tagen nach dem Offizier Schatz fragt, hört man nur Lobendes. Gewiss, er sei ein harter Knochen, aber er sei mit Sicherheit kein Leuteschinder. Manchmal, so scheint es, ist die Trennschärfe zwischen nicht tolerierbarer entwürdigender Behandlung und der berechtigten Forderung nach nötiger Härte verlorengegangen. Man hätte dem Minister gewünscht, etwas genauer hinzuschauen, was tatsächlich auf der Gorch Fock passiert ist. Auch fragt man sich, was eigentlich die Führung der Marine zur Aufklärung der Vorwürfe unternommen hat, von denen sie schon frühzeitig durch den Wehrbeauftragten wusste.
Entwürdigende Rituale gibt es in der Bundeswehr bedauerlicherweise immer wieder. Auch Beispiele für mangelhafte Informationen der Führung durch die Truppe gibt es zuhauf. Was aber haben das Ministerium und allen voran Guttenberg aus den Exempeln Mittenwald und Kundus gelernt? Anscheinend wenig. Höchsten Chargen fehlt trotz ständiger Reden des Ministers offenbar das Sensorium für meldewürdige Vorgänge. Einen Katalog der besonderen Vorkommnisse, über die er selbst und sofort zu unterrichten ist, hat Guttenberg, so weit bekannt, noch nicht aufgestellt.
Guttenberg macht alles selbst. Ihm fehlt ein politisches Frühwarnsystem, wie es sein vielgeschmähter Vorgänger Franz Josef Jung in Gestalt des ebenfalls oft kritisierten Staatssekretärs Peter Wichert hatte - jenes Wichert, den Guttenberg bei der ersten Gelegenheit in der Kundus-Affäre gefeuert hat, weil er ihm zu mächtig war. Ein Guttenberg duldet keine Götter neben sich.
Wenn es um den guten Eindruck geht, nimmt Guttenberg auch Brüche in seiner Argumentation in Kauf. Das war so in der Debatte um die Wehrpflicht, die zunächst aus Kosten- und dann doch aus sicherheitspolitischen Gründen abgeschafft werden musste. Und das ist auch jetzt wieder so. In der vorigen Woche waren es noch Einzelfälle, die Anlass zur Aufklärung boten. Inzwischen steht die Truppe unter Generalverdacht: Sonst müsste ja jetzt nicht der Generalinspekteur die ganze Bundeswehr auf menschenunwürdige Rituale absuchen. Wie betroffen den Minister das alles macht, kann man dann auch wieder in der Bild am Sonntag besichtigen. Dort zeigt sich ein strahlender Minister mit dem ebenfalls sichtlich fröhlichen Chefredakteur des Blattes auf dem Rücksitz seines Dienstwagens. Das Foto bestätigt frühere Erfahrungen: Bei seinen bildhaften Inszenierungen kann Guttenberg noch hinzulernen.
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(SZ vom 24.01.2011/dgr)
Bilder des Tages
einmal oben einmal unten. Richtig ist dabei, man versucht Deutschland schlecht zu reden, die Medienvertreter werden je regelrecht dazu animiert.
Die jetzigen Vorgänge bei der Bundeswehr sollten dazu dienen dazu, die Bundeswehr
langfristig zu reformieren. Herr Könighaus, als Wehrbeauftrager soll doch mal seine Berichte dem Verteididgungsauschuss vorlegen, von ehemals durchgeführten Untersuchungen, was hatte sich seidem verändert, das war aber ohne z.Guttenberg.
Deshalb sollte man die Füße still halten und Kritik am Bundesverteidigungsminister
so lange vermeiden, bis tatsächlich etwas vorliegt, aber dieser Wunsch verhallt sicher. Denn wer sucht - findet immer etwas.
"Hochstilisieren" steht tatsächlich im Duden, allerdings mit Verweis auf stilisieren, wird aber nicht erklärt, dass es doppelt gemoppelt ist. Naja "aufoktroyieren" steht auch drin. Ist aber schön, wenn man Autoritäten blind vertrauen kann. Deshalb, sorry.
Der Angriff auf die Gorch Fock (Präsentier-Werbeträger nicht nur für die Bundesmarine) reiht sich ein in Tausende von Vorgängen, in denen Deutschland in den Dreck gezogen wird, um es unattraktiv erscheinen, teils auch so werden zu lassen.
Während Massenmedien nichts unversucht lassen, um Großbritannien im guten Licht dastehen zu lassen, um es als erwünschtes Lebensmodell den vielen naiven Deutschen nahe zu bringen, wird im Gegenzug alles, was aus Deutschland kommt, unter „ferner liefen“ geführt.
Guttenberg trug selbst dazu bei, dass es bei der Abrüstung der Bundeswehr hinunter auf das Niveau der DDR-Armee nicht bleibt.
Deutschland ist nicht mehr verteidigungsfähig.
Wegen den Leistungen für Gangsterbanken ist selbst eine Mindest-Verteidigungstruppe nicht mehr finanzierbar. Und vieles andere nicht mehr.
Finanzierbar sind alsbald nicht mehr elementare Versorgungs- und Leistungsdienste in den Kommunen, Bezirken und Bundesländern. Der Staat (sofern man von einem solchen überhaupt reden kann) ist nicht mehr finanzierbar.
Die Menschen in dieser Stadt spüren das. Sie sind nicht so dumm wie die meisten von ihnen traurig dreinblicken.
An diesem Untergangsprozess schwer beteiligt sind eindeutig die Massenmedien. Sie hatten Jahrzehnte der Warnungen vor so einer Entwicklung schwer missachtet, die Warner ausgebremst, sprich dem Volk vorenthalten.
cc.
Herr Guttenberg,
Sie waren mir nie sympathisch, kamen mir immer wie der typische
Adelsschnösel arroganter Machart daher, der gerne alles können will aber
nichts wirklich kann.
Der Minister, dem alles an der Gunst der "Bild-Zeitung" gelegen ist.
Nun haben Sie endlich ihre Maske auch für viele andere fallen lassen.
Sie sind der Minister, der sich seine Handlungen von der unsäglichen
"Bild-Zeitung" befehlen lässt.
Was sie momentan mit der Besatzung der Gorch-Fock veranstalten, insbesondere
dem Kapitän, schlägt dem Fass absolut den Boden aus.
Sie setzen hier ein Bauernopfer ein, das dort bluten muss, wo Sie es
eigentlich müssten.
Sie haben es auch in der Vergangenheit immer wieder geschafft, Opferlämmer
an Ihrer statt zu finden. Sie sollten sich schämen und endlich selbst die
Verantwortung übernehmen.
Viele Ihrer Amtsvorgänger mussten für weitaus geringere Aktionen den Hut
nehmen. Sie aber bleiben stumpf nach alter CDU-Tradition auf Ihrem Stuhl
kleben und sitzen alles aus.
Die Gorch-Fock ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Offizierausbildung
der Bundesmarine und erfüllt diesen Zweck sehr erfolgreich bereits seit
1958.Die Gorch-Fock gehört unbedingt auch weiterhin in die
Kadettenausbildung.
Die heutigen Offizieranwärter sind Menschen Ihres Schlages, die bei jedem
kleinen Druck zu Mutti laufen und die Verantwortung auf andere schieben
möchten. Anscheinend kann heutzutage jeder die Ausbildung zum Marineoffizier
beginnen. Früher gab es noch die Offiziertauglichkeitsprüfung, wo sich die
Spreu vom Weizen trennte. Das war die Zeit, in der die Jugend noch nicht so
verweichlicht war wie heute.
Eine militärische Ausbildung, besonders als Offiziersanwärter, ist nun mal
kein Zuckerschlecken und die Gorch-Fock ist kein Kreuzfahrtschiff. Überlegen
Sie mal, warum auch viele ausländische Marinen Offz-Anwärter bei der
deutschen Marine ausbilden ließen. Eben WEGEN der besonderen Qualität der
Ausbildung.
Offiziere, besonders der Marine, haben Verantwortung für teure Ausrüstung
und viele Menschenleben. Wenn ein Offz-Anwärter mit Druck nicht klar kommt,
dann gehört er auch nicht in den Beruf als Offz sondern sollte eher bei
Arosa oder sonstigen Kreuzfahrern anheuern. Wenn ein Anwärter im Dienst
tödlich verunglückt, dann ist das tragisch, es rechtfertigt aber auf keinen
Fall die Befehlsverweigerung der Kameraden. Dafür nun den Kapitän zu opfern
spricht Bände über Ihren Charak
Der Kapitän z.S. Norbert Schatz ist doch überhaupt nicht "abgelöst" worden - einen Terminus, den es beamtenrechtlich ohnehin nicht gibt und ein umgangsprachlicher Begriff ist, der alles und nichts sagt - leider nicht zutreffend genug ist, um diesen "Vorgang" zu kommentieren. Wieso können Journalisten eigentlich so einen Schmarrn schreiben und sich dann noch nicht einmal vernünftig entschuldigen. Schatz ist vorl. suspendiert, was beamtenrechtlich nicht im Ansatz zu beanstanden ist, sogar geboten erscheint. Ich hätte mal gerne die Meldungen gelesen, wenn die Vorkommnisse auf der GF von Herrn Kapitän Schatz selbst als Kommandanten durchgeführt werden würden. Wissen SZ Jounalisten eigentlich, was das Beamtengesetz sagt? Herr Blechschmidt, bitte erst informieren, dann schreiben. Danke.
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