Grüne Wo Kretschmann nicht ist, sind die Grünen schwach

Betretene Gesichter: Die Grünen haben in Rheinland-Pfalz mit den Spitzenkandidaten Eveline Lemke und Daniel Köbler zehn Prozentpunkte verloren.

(Foto: dpa)
  • Während die Grünen in Baden-Württemberg einen historischen Sieg feiern können, verlieren sie in den beiden anderen Wahl-Ländern deutlich an Stimmen.
  • In Rheinland-Pfalz wurden sie, obwohl zusammen mit der SPD an der Regierung, nicht wahrgenommen. Auch Spitzenkandidatin Eveline Lemke konnte nicht punkten.
  • In Sachsen-Anhalt müssen sie sogar Angst haben, an der 5-Prozent-Hürde zu scheitern.
Analyse von Robert Probst

Auf der einen Seite das Beben von Baden-Württemberg, auf der anderen Seite der Rekordverlust von Rheinland-Pfalz. Für die Grünen war der Sonntagabend das sprichwörtliche Wechselbad der Gefühle. Während Winfried Kretschmann die CDU in Baden-Württemberg als stärkste Kraft abgelöst hatte und im Neuen Schloss von Stuttgart jubilierte ("Der grüne Teppich ist gelandet. Und zwar in der Mitte unseres Landes."), mussten seine Parteifreunde in Mainz und Magdeburg bis zum späten Abend um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. Besonders bitter war das Ergebnis in Rheinland-Pfalz, dort immerhin sind die Grünen ja in einer rot-grünen Landesregierung vertreten.

Das hat ihnen aber augenscheinlich nichts genützt. Denn in Mainz sind die Grünen nach einem enormen Sprung im Jahr 2011 - die Abstimmung fand ebenso wie im Nachbarland im Süd-Westen wenige Tage nach der Atomkatastrophe von Fukushima statt - fast wieder auf dem Niveau von 2006 angekommen. Damals waren sie mit 4,6 Prozent gar nicht in den Landtag eingezogen, fünf Jahre später ging es steil nach oben (15,4 Prozent) und direkt in die Landesregierung mit Ministerpräsident Kurt Beck (SPD).

Allerdings wurde die Öko-Partei dort offenbar nicht richtig wahrgenommen, sie schaffte bei den Wählern nach einer ersten Analyse der Forschungsgruppe Wahlen als Juniorpartner der SPD nur einen Zufriedenheitswert von 0,3 (auf einer Skala von +5 bis -5), während die SPD auf deutlich bessere 1,6 kam, was die Demoskopen von einem "heftigen koalitionsinternen Leistungsgefälle" sprechen lässt.

Für Malu Dreyer sind die Grünen trotzdem Wunschpartner für eine Koalition

Zudem hatte sich Spitzenkandidatin und Wirtschaftsministerin Eveline Lemke bei den Firmen im Lande nicht sonderlich beliebt gemacht. Ihr Engagement für die Energiewende war offensichtlich kein Wahlkampfschlager. Vornehmlich konnte sie sich aber im zum Frauenduell stilisierten Wettkampf zwischen Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) und der CDU-Herausforderin Julia Klöckner (CDU) offenbar nicht genug Gehör verschaffen. Jetzt müssen sich die bisherige Vizeregierungschefin Lemke ("Wir sind tief enttäuscht.") und Fraktionschef Daniel Köbler ("Wir haben Fehler gemacht.") mit einem Riesenverlust von etwa zehn Prozentpunkten herumschlagen.

Ein wenig Trost kam am Abend von Malu Dreyer. Sie will nun zuerst mit den Grünen reden - für eine Mehrheit wäre aber zusätzlich die FDP nötig - ehe sie vielleicht dann zur "Ultima Ratio" Rot-Schwarz greifen würde.

In Sachsen-Anhalt wurden die Grünen kaum wahrgenommen

Auch in Magdeburg mussten die Grünen am Sonntagabend zittern. 2011 war die Partei nach 13 Jahren Abwesenheit mit 7,1 Prozent wieder ins Parlament zurückgekehrt. Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin Claudia Dalbert hatte zuletzt - als alle nur noch auf die immer höheren Umfragewerte der AfD blickten - vor allem mit Ideen zur Regierungsbildung von sich reden gemacht: Sie brachte ein Bündnis mit CDU und SPD ins Spiel - ein Novum, das nun sogar rechnerisch möglich wäre.

Deutlich lieber wäre ihr wohl eine rot-rot-grüne Variante gewesen, allerdings käme diese kaum über 30 Prozent. Das Hauptmanko der Grünen in Sachsen-Anhalt dürfte gewesen sein, dass sie in der Opposition kaum wahrgenommen wurden. Sie schnitten laut Forschungsgruppe Wahlen auf der +5/-5-Skala mit -0,7 noch schlechter ab als die Linke (0,0).

Nicht nur aus diesem Grund zeigte sich Dalbert am Abend "unzufrieden" mit den letztlich 5,2 Prozent.

Parteichef Cem Özdemir sagte in einer ersten Analyse: "Grün ist die Farbe des Abends." Da sprach er aber nur von seiner Krawatte und letztlich von Baden-Württemberg.

Die AfD ist gefährlicher als es die NPD war

Und trotzdem kann man sie erfolgreich bekämpfen. Wie, das lehren die Ergebnisse der Landtagswahlen. Kommentar von Heribert Prantl mehr ...