Nahostkonflikt Tote bei Protesten im Gazastreifen

Im Gazastreifen werden Barrikaden errichtet und Autoreifen angezündet. Die Rauchsäulen sind schon von weitem zu sehen.

(Foto: AFP)
  • Bei Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Streitkräften im Gazastreifen sind palästinensichen Angaben zufolge mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 500 wurden verletzt.
  • Die Palästinenser protestieren im Grenzgebiet gegen die Eröffnung der neuen US-Botschaft in Jerusalem am Montagnachmittag. Die israelische Armee reagiert mit Schusswaffen und Tränengas.
  • Auch im Westjordanland kommt es zu Auseinandersetzungen.
Von Alexandra Föderl-Schmid, Nahal Oz

An diesem Montag feiert Israel nicht nur das 70-jährige Bestehen des Staates, sondern auch die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem. Bei Protesten im Grenzgebiet sind dem palästinensischen Gesundheitsministerium zufolge mindestens 18 Menschen getötet worden. Mindestens 500 Menschen sollen verletzt worden sein. Unter den Toten war nach Angaben des Ministeriums auch ein 14-jähriger Junge.

Bereits seit dem Morgen strömen Tausende Palästinenser an die Grenze zwischen Gaza und dem israelischen Kibbuz Nahal Oz. Ein Zug von Menschen ist am Zaun entlang Richtung Süden unterwegs. Auf beiden Seiten der Grenze sind Rettungsfahrzeuge im Einsatz. Außer Schusswaffen setzen israelische Soldaten und Grenzpolizisten massiv Tränengas ein.

Inzwischen kommt es auch im Westjordanland zu Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Einsatzkräften. Der Zeitung Haaretz zufolge gibt es Zusammenstöße zwischen palästinensischen Demonstranten, die von Ramallah aus in Richtung eines Grenzübergangs nahe Jerusalem gingen, und israelischen Soldaten. Im Norden Bethlehems geht die israelische Armee gegen Dutzende Protestierende vor.

Israel erwartet "Tage des Zorns"

Diesen Montag verlegen die USA ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem, gleichzeitig feiert Israel seinen 70. Jahrestag. Von palästinensischer Seite ist massiver Protest angekündigt - das Land stellt sich auf die schlimmsten Ausschreitungen seit Langem ein. Von Alexandra Föderl-Schmid mehr ...

Am Morgen hatte die israelische Armee Flugblätter über dem Gazastreifen abgeworfen. Darin wurden die Einwohner auf Arabisch davor gewarnt, sich dem Grenzzaun zu Israel zu nähern, ihn zu beschädigen oder Anschläge zu verüben. "Erlaube es der Hamas nicht, Dich auf zynische Weise als ihre Marionette zu missbrauchen", heißt es auf einem der Flugblätter. In Gaza selbst legte derweil ein Generalstreik Geschäfte, Schulen und Universitäten lahm.

Die Hamas wird von Israel, EU und USA als Terrororganisation eingestuft und hat sich die Zerstörung des Staates Israel auf die Fahne geschrieben.

Die offizielle Eröffnung der Botschaft war für 14 Uhr deutscher Zeit geplant, wurde inzwischen aber auf 15 Uhr verschoben und soll etwa 90 Minuten dauern. An der Feier werden auch Trumps Tochter Ivanka und deren Ehemann Jared Kushner teilnehmen. Etwa eine Stunde danach soll das Gebäude bereits für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Auch palästinensische Aktivisten planen Gerüchten zufolge Aktionen vor oder im Gebäude.

Armee und Polizei im Großeinsatz

Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, die bislang in Tel Aviv angesiedelte Vertretung zu verlegen, hatte die Palästinenser erzürnt. Auch international war sie auf massive Kritik gestoßen - nach Ansicht der internationalen Gemeinschaft muss der künftige Status Jerusalems bei Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern geklärt werden.

Entlang der Grenze rechnet die israelische Armee an diesem Montag mit 100 000 palästinensischen Demonstranten. Auch der israelische Geheimdienst warnte den Angaben zufolge vor Versuchen, die Grenzanlage nach Israel zu durchbrechen. Israels Armee hat die Zahl seiner Soldaten an der Grenze verdoppelt. Auch im Westjordanland sollen zusätzliche Kampf- und Geheimdiensteinheiten eingesetzt werden.

Die Arabische Liga hat wegen der Eröffnung der Botschaft eine Sondersitzung angesetzt. Die Staatengruppe werde den "illegalen Schritt" bei einem Treffen am Mittwoch erörtern, meldete die staatliche ägyptische Nachrichtenagentur Mena unter Berufung auf einen Diplomaten.

Mit Material der Agenturen

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