Michelle Obama in Deutschland Die Mutter der Nation

Michelle Obama inszeniert sich als Gesundheitsberaterin der Nation, hält sich aber ansonsten aus der Politik raus - zumindest tut sie so. Die Amerikaner lieben sie - und das Magazin "Forbes" hält sie auch ohne Amt für die mächtigste Frau der Welt.

Von Barbara Vorsamer

"Ich muss mich nicht jeden Tag um die schwierigen Themen kümmern, ich darf die lustigen Sachen machen", sagte Michelle Obama kürzlich, als sie Kindern ihre Rolle als First Lady erklärte. In dieser Funktion ist sie inzwischen gut angekommen. Das Forbes-Magazin hält sie für die mächtigste Frau der Welt, bei der amerikanischen Bevölkerung ist sie beliebter als irgendein anderer Politiker und den bunten Blättern gilt sie als Stilikone.

First Vorzeigefrauen

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Heute trifft sie sich auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein mit ihrem deutschen Gegenpart, Bettina Wulff, wo die beiden verwundete Soldaten im Militärhospital Landstuhl und einige Einrichtungen der US-Militärgemeinde Kaiserslautern besuchen. Ehemann Barack muss sich gleichzeitig in Seoul mit Bundeskanzlerin Angela Merkel um Finanzpolitik streiten.

Dass Michelle Obama als First Lady ein solcher Erfolg wird, ist eine Überraschung. Schließlich fremdeln die Amerikaner fast immer mit der Frau im Weißen Haus. Am beliebtesten waren in der Vergangenheit First Ladies wie Laura oder Barbara Bush - die sich komplett zurückhalten, sich nie zu politischen Fragen äußern und in der Öffentlichkeit ausschließlich als Ehefrau und Gastgeberin auftreten.

Ein solches Verhalten erwartete aber kaum jemand von der scharfzüngigen Top-Juristin Obama, die, bevor sie sich für den Wahlkampf beurlauben ließ, mit einem Jahresgehalt von 300.000 Euro wesentlich mehr verdiente als ihr Mann. Im Wahlkampf hatte sie bereits mit Aussagen wie "Nun bin ich zum ersten Mal stolz auf mein Land" sehr viel Kritik provoziert.

Doch Michelle Obama wusste, dass eine zu aktive, zu profilierte First Lady nicht gemocht wird - das Schicksal von Hillary Clinton war ihr eine Lehre. Anders als diese beschränkte sich Obama in ihren ersten zwei Jahren im Weißen Haus darauf, für die Politik ihres Mannes zu werben statt selbst mitzumischen.

Klage gegen Hillary

Clinton hatte in den neunziger Jahren als First Lady den Vorsitz einer Kommission übernommen, die für die Regierung ihres Mannes Bill eine Gesundheitsreform erarbeiten sollte. Das ging gehörig schief. Nicht nur die Gesundheitsreform scheiterte, auch die Beliebtheitswerte des Präsidentenpaares stürzten in den Keller. Zu allem Überfluss wurde dann auch noch gegen ihre Funktion in der Kommission geklagt. Die Kläger bezweifelten, dass Hillary als First Lady das Recht hatte, diese zu leiten.

Die Gerichte gaben damals den Clintons recht - doch die Funktion der amerikanischen First Lady im politischen System ist bis heute ein Zwitter. "No one - yet anyone - elected her", schrieb Politikwissenschaftlerin Betty Winfield. Niemand hat sie gewählt - doch irgendwie auch jeder. Denn natürlich steht die Ehefrau des Präsidenten auf keinem Wahlzettel. Andererseits wird schon im Wahlkampf so viel über künftige First Ladies berichtet, dass ihr Image für die Wahlentscheidung durchaus eine Rolle spielen könnte.

Auch die Frage, ob First Lady ein politischer Posten ist oder nicht, ist noch nicht abschließend geklärt. Budget und Personal übersteigen häufig die Mittel von präsidentiellen Chefberatern oder des Vizepräsidenten - so richtig im Organigramm des Weißen Haus vorgesehen ist das Büro der First Lady jedoch nicht.

So ist es jeder First Lady im Grunde selbst überlassen, ihre Rolle zu definieren. Die amerikanische Wissenschaft unterscheidet hier zwischen dem Modell der Hostess - Beispiele wären hier die Damen Bush - und dem Modell der Aktivistin, wofür Hillary Clinton und Eleanor Roosevelt die Prototypen sind.

Ihr Auftrag: First Lady

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