FDP-Demo gegen die "taz" Hopp, hopp, hopp

Gegen den "All-taz-Rassismus": Die FDP hat zur Demo gegen die "tageszeitung" aufgerufen, es geht um das Interview mit Parteichef Rösler, das ohne Antworten erschien. Demo-Organisator Helmut Metzner, bekannt dank Wikileaks, steht mit seinen Anhängern im Regen. Die "taz" zeigt sich "tolerant".

Von Michael König, Berlin

Helmut Metzner ist kein Maulwurf. Er hat das juristisch überprüfen lassen, vor drei Jahren, als es hieß, er habe als damaliger Büroleiter von Guido Westerwelle Geheimnisse an die Amerikaner durchgestochen, die dann auf der Enthüllungs-Plattform Wikileaks landeten. Waren keine Geheimnisse, trotzdem war Metzner damals seinen Job los. Jetzt ist er wieder da, als Bundestagskandidat der FDP in Friedrichshain-Kreuzberg. Einem Wahlkreis, in dem die FDP etwa so beliebt ist wie Maulwürfe bei Gartenbesitzern.

Maulwürfe verkriechen sich, wenn es regnet, sie meiden das Wasser. Metzner steht mittendrin im fiesen Berliner Wetter, auf dem Bürgersteig der Rudi-Dutschke-Straße. Dicke Regentropfen auf seiner Brille, die Fliege um seinen Hals ist durchnässt. "Hopp, hopp, hopp", ruft er in ein Megafon. Zehn andere Liberale laufen um ihn herum und antworten: "All-taz-Rassismus stopp!"

Es soll eine Demonstration gegen die Tageszeitung sein, die am 10. September ein Interview mit FDP-Chef Philipp Rösler gedruckt hat, das nur aus Fragen bestand. Zum Beispiel: "In Niedersachsen (...) wurden Sie häufig als 'der Chinese' bezeichnet. Ist das aus Ihrer Sicht Ausdruck von Hass oder Ressentiment?" Oder: "Warum werden Sie gehasst?"

"Wir sind ja so tolerant"

Rösler hatte die Antworten nicht freigegeben, weil die taz die Regeln verletzt habe. Dasselbe behauptete die taz auch von ihm. Die linke Antonio-Amadeu-Stiftung nannte die Fragen "Alltagsrassismus", die taz sagte: "Wer ein WIRKLICH fragwürdiges Interview mit Rösler lesen will, dem sei das Spiegel-Interview vom Juli 2011 empfohlen." Damit war die Sandkasten-Schlacht einstweilen beendet. Und jetzt, eine Woche später, steht Metzner im Regen und skandiert: "Hopp, hopp, hopp!"

Was soll das? "Minderheitenschutz darf vor der FDP nicht Halt machen", sagt Metzner. Es solle nicht zur Gewohnheit werden, vor Redaktionsgebäuden zu demonstrieren, aber in diesem Fall sei es nötig gewesen. "Wir fordern nicht, dass sich die taz-Chefredakteurin selbst tötet. Was wir fordern, ist: beim nächsten Mal soll sie das Gehirn anschalten." Nur so sei Alltagsrassimus zu bekämpfen.

Nach 17 der veranschlagten 30 Minuten der Demo sagt Metzner: "Bitte denken Sie sich den Applaus dazu. Anhänger der Liberalen arbeiten um diese Tageszeit." Ende? Nein, eine taz-Redakteurin fängt ihn ab, sie hat eine Kamera dabei: "Wir würden das Ganze gerne filmen", sagt sie zu Metzner. "Wir sind ja so tolerant und zeigen unsere Gegner."