Entführte Lufthansa-Maschine "Landshut" Helmut Schmidt war bereit, Geiseln zu opfern

35 Jahre nach dem dem "Landshut"-Drama belegen Telefonprotokolle, wie sehr Kanzler Schmidt auf Härte setzte. Der Sozialdemokrat wollte die von Terroristen gekaperte Maschine unbedingt am Start in Dubai hindern - doch es kam anders.

Keine Woche ohne Schlagzeile mit Helmut Schmidt: Unlängst sorgte der greise Altkanzler für Aufsehen, als er sich zu seiner neuen Lebensgefährtin bekannte. Nun bringt der Spiegel eine Meldung, die sich auf die Amtszeit des Sozialdemokraten als westdeutscher Regierungschef bezieht.

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Es geht um den Herbst 1977, als die linksterroristische Rote Armee Fraktion (RAF) und ihre Verbündeten ihre inhaftierten Führungskader freipressen wollten. Nach der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer entführte ein palästinensisches Kommando die Lufthansa-Maschine Landshut.

Schmidt setzte auf Härte: Er war dem Magazin zufolge damals bereit, den Tod einzelner Geiseln hinzunehmen, um das Flugzeug zu stoppen. Das gehe aus Protokollen der Telefonate zwischen Schmidt und seinem Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski (SPD) hervor, heißt es.

Demnach verlangte Schmidt am 16. Oktober 1977 von Wischneswki, dass Landshut Dubai "auf keinen Fall" verlassen dürfe. Laut den Aufzeichungen sagte Schmidt: "Tötung einzelner Menschen muss hingenommen werden. Anschließend, wenn das geschehen sein sollte, muss angegriffen werden."

"Unter Inkaufnahme von Menschenleben"

In einem weiteren Telefonat mit einem deutschen Diplomaten in Dubai habe Schmidt gesagt, es müsse "mit allen Mitteln" verhindert werden, dass "das Flugzeug in seiner Startbereitschaft gefördert wird". Schmidt fügte demnach hinzu: "Unter Inkaufnahme von Menschenleben."

Es kam anders: Die Landshut flog später weiter nach Aden, dort erschossen die Terroristen den Piloten Jürgen Schumann. Danach zwangen sie den Co-Piloten Somalia anzusteuern, wo am Flughafen in Mogadishu die deutsche Spezialeinheit GSG9 alle 86 Geiseln befreien konnte. Die RAF ermordete Schleyer und die inhaftierten RAF-Kader wie Andreas Baader nahmen sich in ihren Zellen selbst das Leben - nachdem sie von der geglückten Erstürmung der Landshut gehört hatten.

Dass der Kanzler in Telefonaten bekundete, tote Fluggäste hinzunehmen, überrascht wenig, war doch bekannt, dass er auf keinen Fall den Forderungen der Terroristen nachgeben wollte. Schmidts Maxime lautete: Der Staat dürfe sich nicht erpressen lassen. Hätte es in Mogadishu mehrere tote Passagiere gegeben, hätte Schmidt wohl Konsequenzen gezogen: Es habe bereits eine fertige Rücktrittserklärung vorgelegen, sagte er später.

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