Verteidigung Bundeswehr fliegt Soldaten verspätet heim

Grund für die verspäteten Heimtransporte deutscher Soldaten aus Krisengebieten: Die Einführung des neuen Transportflugzeuges vom Typ A400 M verläuft nur schleppend und wird von Pannen begleitet.

(Foto: REUTERS)
  • Die Soldaten der Bundeswehr müssen bis zu fünf Tage warten, bis sie aus Kriegsgebieten nach Deutschland geflogen werden.
  • In diesem Jahr sind bereits 28 von 136 Flügen um mehr als einen Tag verschoben worden.
  • Als Ursachen für die Verspätungen nennt das Verteidigungsministerium einerseits "vor allem technische Defekte".
Von Mike Szymanski, Berlin

Die Bundeswehr hat immense Schwierigkeiten, ihre Soldaten nach harten Auslandseinsätzen etwa in Afghanistan oder Mali pünktlich wieder nach Hause zu ihren Familien zu bringen. 2017 hatte jeder vierte Flug eine Verspätung um mehr als 24 Stunden. Teilweise mussten Soldaten bis zu fünf Tage auf ihren Transport warten. In diesem Jahr sind bereits wieder 28 von 136 Flügen um mehr als einen Tag verschoben worden. Dies geht aus einem Schreiben des Verteidigungsministeriums an die Grünen-Abgeordnete Agnieszka Brugger hervor, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Sie hatte Auskunft über die Probleme beim Transport verlangt - ein Thema, das für schlechte Stimmung in der Truppe sorgt. Derzeit befinden sich mehr als 3600 Soldaten in 14 Auslandseinsätzen. Union und SPD haben den Soldaten in ihrem Koalitionsvertrag die "bestmögliche Ausrüstung, Ausbildung und Betreuung" in Aussicht gestellt. Als Ursachen für die Verspätungen nennt das Verteidigungsministerium einerseits "vor allem technische Defekte". Die Einführung des neuen Transportflugzeuges vom Typ A400 M verläuft nur schleppend und wird von Pannen begleitet. Die in die Jahre gekommenen Transall-Maschinen sind störanfällig. Zudem ist die Bundeswehr bei Auslandseinsätzen auf Partnernationen angewiesen, die Flugzeuge bereitstellen. Immer wieder komme es vor, dass "Eigenbedarf" angemeldet werde und es dann zu Verzögerungen komme.

Soldaten sollen zivile Fluglinien nutzen dürfen, fordert ein Abgeordneter

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels, hatte in seinem Jahresbericht die Zustände gerügt: "Der Fürsorgegedanke gebietet es, den Soldatenfamilien die wenige Zeit, die sie miteinander verbringen können, nicht noch unnötig zu erschweren." Bartels stellt zwar eine leichte Verbesserung der Lage fest, den Grünen geht das aber nicht weit genug. Brugger verlangt von der Verteidigungsministerin: "Ursula von der Leyen muss endlich belastbare und schnelle Lösungen für die Betroffenen finden." Auslandseinsätze seien für die Familien eine große Belastung: "Gerade nach einem langen Einsatz muss das Verteidigungsministerium deshalb alles für eine planmäßige Rückkehr ohne Verzögerungen tun."

Der SPD-Verteidigungspolitiker Thomas Hitschler, der im März die deutschen Soldaten in Mali besucht hatte, fordert von der Leyen auf, Alternativen zu prüfen. Soldaten sollen zivile Fluglinien nutzen dürfen, wenn dies die Sicherheitslage zulässt: "Es darf nicht wieder passieren, dass unsere Leute tagelang am Flughafen auf militärischen Transport warten müssen, während zivile Maschinen wie selbstverständlich fliegen."

Am Donnerstag hat der Bundestag die Bundeswehreinsätze in Mali verlängert und deren Ausweitung beschlossen. Bis zu 1100 deutsche Soldaten können künftig an der UN-Friedensmission Minusma beteiligt sein - 100 mehr als bisher.

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