Aufstand in Libyen USA bringen Truppen in Stellung

Der Machtkampf in Libyen geht weiter. Während Machthaber Gaddafi sein Volk hinter sich wähnt, ziehen die USA ihre Truppen rund um das Land zusammen. Doch Außenministerin Clinton betont, ein Militärschlag stehe nicht bevor.

Die USA haben den Druck auf den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi weiter erhöht. Während das Verteidigungsministerium erklärte, Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge näher an Libyen zu verlegen, gab das Finanzministerium das Einfrieren von Geldern in Höhe von 30 Milliarden Dollar bekannt.

Außenministerin Hillary Clinton sagte in Genf, ein Militärschlag unter Nutzung von US-Kriegsschiffen stehe aber nicht bevor. Sie gehe vielmehr davon aus, dass es Bedarf an Unterstützung für humanitäre Interventionen geben werde, weil Tausende Tunesier nach dem Umbruch geflohen seien.

In Washington hieß es unter Berufung auf einen Pentagon-Sprecher, dass US-Marine- und Luftwaffeneinheiten in der Region um Libyen in Bewegung seien. Ziel sei mehr Flexibilität für "eine volle Bandbreite von Optionen", zitierte der US-Fernsehsender ABC den Sprecher. Das Pentagon arbeite an "verschiedenen Notfallplänen", hieß es.

Experten halten eine Invasion oder Luftschläge der USA wegen der undurchsichtigen Lage in Libyen allerdings für unwahrscheinlich. Bei den Unruhen in Libyen sind mehr als tausend Menschen getötet worden. Die internationale Gemeinschaft hat Sanktionen verhängt und diskutiert über die Einrichtung einer Flugverbotszone.

In der Golf-Region und dem Arabischen Meer südöstlich von Libyen hat die Fünfte Flotte zwei Flugzeugträger im Einsatz. Zudem verfügen die USA über Stützpunkte in Neapel und im spanischen Rota.

Nach Angaben eines Sprechers haben die USA am Montag 30 Milliarden Dollar (knapp 22 Milliarden Euro) an libyschen Guthaben eingefroren. Wie ein ranghoher Vertreter des US-Finanzministeriums in Washington sagte, handelt es sich um die größte Summe, die jemals im Rahmen von Sanktionen blockiert worden ist.

Betroffen seien sowohl Vermögenswerte des Gaddafi-Clans als auch Staatsgelder, vor allem der libyschen Zentralbank. Die Summe der auf US-Konten eingefrorenen Gelder könnte sich laut dem Sprecher noch erhöhen, falls die US-Banken auf weitere Guthaben stießen, die unter die Sanktionen fielen.

"Mein ganzes Volk liebt mich"

Indes irritiert Libyens Machthaber mit Äußerungen, die er in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC getätigt haben soll. Demnach bestritt der Revolutionsführer, dass in der Bevölkerung der Wunsch nach seinem Sturz bestehe. "Mein ganzes Volk liebt mich", zitierte ABC-Reporterin Christiane Amanpour am Montag per Twitter-Kurzmitteilung aus dem Interview. "Sie würden sterben, um mich zu beschützen", soll Gaddafi demnach gesagt haben.

Der Revolutionsführer habe in dem Gespräch abgestritten, dass es in der Hauptstadt Tripolis Demonstrationen gegen seine Regierung gebe. Die ABC-Reporterin Amanpour war mit einer Gruppe ausländischer Journalisten auf Einladung der libyschen Führung nach Tripolis gereist.

Einem Medienbericht zufolge ist es am Montag zu tödlichen Schüssen in Tripolis gekommen. Sicherheitskräfte hätten auf unbewaffnete Demonstranten geschossen und dabei mehrere Jugendliche getötet, berichtete die Zeitung Kurina auf ihrer Internetseite. Eine offizielle Bestätigung gab es jedoch nicht. Die Bewaffneten seien Gefolgsleute von Gaddafi, hieß es.