Nach Erdbebenkatastrophe in Haiti Zeltlager in Guantanamo

Die USA bereiten sich offenbar auf eine Flüchtlingswelle aus Haiti vor. Soldaten bauen Zelte für bis zu 1000 Menschen auf - ausgerechnet auf dem Militärstützpunkt Guantanamo.

Von Inga Rahmsdorf

Auf dem Militärstützpunkt Guantanamo haben US-amerikanische Soldaten Zelte aufgebaut, um bis zu 1000 Flüchtlinge aus Haiti aufnehmen zu können. Das berichtete die US-amerikanische Zeitung Miami Herald. Das Flüchtlingslager liege etwa eine halbe Stunde (mit der Fähre) entfernt von dem Gefangenenlager Guantanamo.

Nach dem Erdbeben sind viele Haitianer provisorisch in Zelten untergebracht. Die Vereinigten Staaten rechnen mit einer Flüchtlingswelle.

(Foto: Foto: AP)

Auch in dem US-Staat Florida werde in einem Auffanglager für Einwanderer Platz für Opfer des Erdbebens geschaffen, teilte das US-Heimatschutzministerium am Montag mit. Diese Vorkehrungen sollen nur für Notfälle dienen. Die USA haben zwar Abschiebungen von Haitianern, die bereits in den USA leben, ausgesetzt. Illegal einreisende Flüchtlinge sollen aber weiterhin abgeschoben werden.

"Die USA haben großes Interesse daran, eine massive Flüchtlingswelle zu verhindern, wie es sie schon einmal nach dem Putsch des haitianischen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide gab", sagt Lateinamerikaexperte Günther Maihold von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Daher überwachten die USA derzeit sehr genau den Seeraum in der Karibik.

Der spanischen Tageszeitung El Mundo zufolge warnen US-Soldaten in Haiti die Menschen davor, in die USA zu fliehen. Auf dem Meer festgenommene Flüchtlinge werden nach Guantanamo geschickt, laute die Drohung.

"Die USA wollen unbedingt eine Lösung in Haiti erreichen, um zu vermeiden, dass der Druck auf die eigenen Grenzen und die der Dominikanischen Republik zu groß wird", so Maihold. Tausende Haitianer verlassen derzeit die Hauptstadt Port-au-Prince mit Schiffen, Bussen, Flugzeugen oder zu Fuß.

Die Nachrichtenagentur Haiti Press berichtet, dass die Regierung kostenlose Verkehrsmittel zur Verfügung stellt. Auf den überfüllten Schiffen und in den Bussen seien auch viele Menschen, die nicht genau wüssten, wohin sie reisen, so Haiti Press. Wichtig sei ihnen nur, weit weg von der zerstörten Hauptstadt zu kommen.

Bisher wurde nicht beobachtet, dass Haitianer massenweise auf dem Seeweg in die USA fliehen. Viele Erdbebenopfer bleiben im Land und versuchen in ihre Herkunftsorte zu gelangen. Obwohl Kuba nur etwa 80 Kilometer von Haiti entfernt ist, werde die Nachbarinsel wohl kein Flüchtlingsziel, vermutet Maihold. Wahrscheinlicher sei es, dass viele in die Dominikanische Republik fliehen. Aufgabe der internationalen Gemeinschaft sei es daher auch zu verhindern, dass es zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ländern komme.

Der Lateinamerikaexperte rechnet nicht damit, dass derzeit ein Flüchtlingsstrom in Richtung USA droht. "Der kritische Punkt wird erst erreicht sein, wenn es zu keinem tragfähigen Wiederaufbau in Haiti kommt und es für die Haitianer nicht ersichtlich wird, dass Strukturen für Arbeit und Einkommen geschaffen werden", sagt er.

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