Köln U-Bahn lässt Dom erzittern

Der Kölner Dom zittert und versetzt damit eine ganze Stadt in Sorge. Schuld an dem Wackeln soll die neugebaute U-Bahn-Linie 5 sein. Zwischen Rathaus und Dom darf sie jetzt nur noch Tempo 20 fahren.

Er ist das Wahrzeichen der Stadt am Rhein: der Kölner Dom. Seit Jahrhunderten steht er da, imposant, erhaben, nur ein bisschen mitgenommen vom Wetter. 600 Jahre lang wurde an ihm gebaut - und das wird es heute noch. Doch der Propst und damit Hausherr des Kölner Doms, Norbert Feldhoff, macht sich aktuell große Sorgen um das Bauwerk. Der Grund: Der Dom zittert. Und zwar wegen der neuerdings vorbeifahrenden U-Bahnen.

Die Erschütterungen seien nicht wegzudiskutieren, ebensowenig die Geräusche. Dombaumeister Michael Hauck habe sie "eindeutig der Aufnahme des Fahrbetriebs der neuen U-Bahn-Linie 5 zugeordnet". Auf derartige Belastungen sei der Dom nicht angelegt, so Feldhoff. Deshalb habe er Oberbürgermeister Jürgen Roters alarmiert. Schallgutachter sind einbestellt, eine Arbeitsgruppe wurde gebildet.

Die Kölner Verkehrsbetriebe haben auf die Erschütterungen bereits reagiert: Per sofort wird auf dem neuen Teilstück der Linie 5 zwischen Dom und Rathaus ein Tempolimit von 20 Stundenkilometer gelten, wie die Kölnische Rundschau berichtet.

Die Verantwortlichen handeln deshalb so schnell, weil das Zittern böse Erinnerungen an den Einsturz des Stadtarchivs vor vier Jahren wachruft. Seitdem haben in der Stadt immer wieder böse Witze die Runde gemacht, wonach als nächstes der Dom an der Reihe sei.

Ein Zuviel an Sicherheit

Norbert Feldhoff steht dem Domkapitel vor. Es war dieses Gremium, das im Winter 1246/47 den Neubau des Kölner Doms beschloss, einer Kathedrale, die größer und höher sein sollte als alle Kirchen der Christenheit. "Es gibt Gefühltes, Gehörtes, Gemessenes", sagt Feldhoff, ein großer, hagerer Mann von Mitte 70. Doch er will keine Panikmache betreiben: "Akut muss keiner Angst haben, dass der Dom einstürzt", sagt er. "Ich habe Erdbeben in Südamerika, in Japan erlebt - das ist was ganz anderes. Dies hier sind Vibrationen - ein Zittern."

Klaus Hinzen, Leiter der Erdbebenstation Bensberg, ist unbesorgt. Die Erdbebenstation hat schon vor Jahren Messgeräte im Dom installiert und bisher keine gefährlichen Ausschläge festgestellt. "Alles was in der Umgebung des Doms passiert, lässt natürlich den Dom erzittern", sagt Hinzen, "schon seit mehr als 100 Jahren auch die Eisenbahnen nebenan, die wir auch messen, wenn die in den Bahnhof rein- und rausfahren."

Der Dom ist zwar auf Sand gebaut - den Rheinsanden - aber laut Statikern steht er dennoch felsenfest. Das Fundament sei so dick und so tief, dass es nach ihren Berechnungen noch weit mehr aushalten würde als die 120.000 Tonnen Gesamtgewicht des Doms. Die Bauherren haben im Mittelalter - ganz unkölnisch - eher ein Zuviel an Sicherheit eingeplant. Und weil die Dombaumeister auch schon wussten, dass der Rheingraben ein Erdbebengebiet ist, haben sie die Basaltsteine des Fundaments mit elastischem Tuffstein umgeben. Japanische Architekten haben sich das später abgeguckt, für die Wolkenkratzer von Tokio.