Drogenkrieg Brutaler Mord an Studenten erschüttert Mexiko

Demonstranten halten in Mexiko-Stadt ein Plakat hoch mit der Aufschrift "No son tres. Somos todos" ("Es sind nicht drei - Wir sind es alle") hoch.

(Foto: dpa)
  • Drei Filmstudenten sind in Mexiko von einem Drogenkartell getötet und in Säure aufgelöst worden.
  • Nun gehen vor allem Studenten gegen die Gewalt im Land auf die Straße.
  • Mit mehr als 29 000 Tötungsdelikten war das vergangene Jahr das schlimmste in der jüngeren Geschichte Mexikos.

Sie wollten einen Horrorfilm drehen und landeten in der Hölle: In Mexiko sind drei Studenten von einem Drogenkartell getötet und in Säure aufgelöst worden. Im Land werden nun Proteste gegen die andauernde Gewalt laut: Mit mehr als 29 000 Tötungsdelikten war das vergangene Jahr das schlimmste in der jüngeren Geschichte Mexikos.

Die drei Studenten, zwei von ihnen 20 und einer 25 Jahre alt, studierten Film in Guadalajara und waren für Dreharbeiten in einem Haus, in dem das Kartell "Jalisco Nueva Generación" Mitglieder einer rivalisierenden Bande vermutete. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft entführten die Kartellmitglieder die Studenten. Gefoltert und brutal ermordet wurden Javier, Daniel und Marco aufgrund einer Verwechslung. Um Spuren zu verwischen, löste die Bande sie danach in Säure auf.

Proteste gegen die enthemmte Gewalt der Drogenkartelle werden laut

Es ist nicht die erste grausame Tötung in Mexiko, die weltweit Schlagzeilen machte. Im September 2014 hatten Polizisten in Iguala 43 Studenten verschleppt und dem Verbrechersyndikat "Guerreros Unidos" übergeben - offenbar auch, weil sie für Mitglieder einer rivalisierenden Bande gehalten wurden. Bislang wurden nur die Überreste eines Opfers identifiziert, die Ermittler gehen aber davon aus, dass keiner der Entführten noch am Leben ist.

43 Fragezeichen

Noch immer quält Mexiko die Frage, was mit den vor fast anderthalb Jahren verschwundenen Studenten von Ayotzinapa geschehen ist. Nur eines wird klarer: Der Staat hat versagt. Von Benedikt Peters mehr ...

Mexiko lebt schon seit Jahren mit vielen Fällen grausamer Gewalt und Verbrechen, sehr oft im Zusammenhang mit dem Kampf um den Drogenhandel. Derzeit gelten 30 000 Menschen im Land als verschwunden. Nicht jeder Fall sorgt für eine öffentliche Debatte, der Tod von Javier, Marco und Daniel aber schon. Seit Tagen gehen in Mexiko-Stadt und Guadalajara Studenten auf die Straßen, um gegen die Gewalt der Drogenkartelle zu demonstrieren. "Es sind nicht nur drei, es sind wir alle", skandierten die Demonstranten.

Auch prominente Mexikaner äußerten sich: "Worte reichen nicht aus, um das Ausmaß dieses Wahnsinns zu verstehen. Drei Studenten wurden ermordet und in Säure aufgelöst. Das Warum ist undenkbar, das Wie ist schreckenerregend", schreibt etwa der mexikanische Filmregisseur und Oscarpreisträger Guillermo del Toro auf Twitter. Selbst Präsident Enrique Peña Nieto, der zu der desolaten Sicherheitslage im Land normalerweise lieber schweigt, meldete sich zu Wort. "Der brutale Mord an Javier, Daniel und Marco schmerzt und empört alle Mexikaner", schrieb der Staatschef ebenfalls auf Twitter.

"Alles total außer Kontrolle"

Mexiko erlebt das blutigste Jahr im Drogenkrieg, Kartelle ermordeten bislang 12.000 Menschen. Auch exklusive Strandorte sind vor den Narcos nicht mehr sicher. Von Beate Wild mehr...