Vegan leben in München Knapp 700.000 Menschen in Deutschland leben vegan

Wie leicht es geworden ist, sich in der Stadt vegan zu ernähren, lässt sich auch an der Anzahl der Lokale ablesen, die tierproduktfreie Kost anbieten. Mit dem Max Pett am Sendlinger Tor und dem Gratitude in der Türkenstraße gibt es zwei Restaurants, die ausschließlich Veganes anbieten. Das tun auch mehrere Cafés und, seit Dezember 2012, der neue Imbiss von Sandra Forster, Michi Kern und David Walker in der Schrannenhalle: das Boonian.

Als sie zusammen mit ihrem Partner Michi Kern 2005 das erste vegane Restaurant in München eröffnete, das Saf im Zerwirk-Gebäude, hielten sie in ihrem Freundeskreis noch alle für verrückt. Und auch wenn das Geschäft im Boonian noch zäh läuft: Das Signal, das von dem winzigen Stand ausgeht, ist eindeutig. Der Veganismus ist mitten in der Gesellschaft angekommen.

Nach Schätzungen des Vegetarierbundes leben heute knapp 700.000 Menschen in Deutschland vegan, Tendenz steigend. Was viele umdenken lässt, sind Lebensmittelskandale: Sie haben fast immer mit Produkten tierischen Ursprungs zu tun. Andere werden Veganer, weil sie sich gesund ernähren wollen oder eine Allergie haben. Und dann gibt es noch die, die sich mit den ökologischen Folgen der Massentierhaltung beschäftigen oder es nicht ertragen, dass Millionen Schweine und Kühe gemästet und geschlachtet werden, nur, weil der Mensch Lust auf Steak oder Geschnetzeltes hat.

Veganismus ist längst zu einer Art Lifestyle geworden, man könnte auch sagen: zu einem politischen Statement. Prominente wie die Oscar-Preisträgerin Natalie Portman oder der Ex-Boxer Mike Tyson ernähren sich vegan, in Deutschland etwa der Schauspieler Christoph Maria Herbst, der Rapper Thomas D. von den Fantastischen Vier versucht es zumindest. Das tut der Bewegung gut, zieht es sie doch ein wenig aus der Ecke, in die sich die Öko-Krieger mitunter selbst gestellt haben, indem sie jedem Einzelnen erklärt haben, warum sie die besseren Menschen sind - ob der das nun hören wollte oder nicht. "Gerade am Anfang möchte man seine Vorsätze in die Welt hinausschreien", sagt Claudia Renner, "das hat wohl jeder Veganer."

Das kann durchaus nerven, das weiß sie selbst. Die Frage ist ohnehin: Kann man zu 100 Prozent vegan leben? Claudia Renner tut das nicht, sie arbeitet für ein Unternehmen, das Kleider aus Wolle herstellt. "Ich habe das mit meinem Gewissen ausfechten müssen", sagt sie. Sie entschied sich dann doch für den Job und die Kollegen.