Vom Ammersee zum Starnberger See Mit drei Knoten durchs Fünfseenland

Am Samstag wird die "Schondorf" überführt, mit Verkehrsbehinderungen ist zu rechnen.

Von Armin Greune

Am kommenden Samstag soll der mehrfach verschobene, spektakuläre Transport über die Bühne gehen: Die bisher auf dem Ammersee eingesetzte MS Schondorf wird auf dem Landweg in einer mehr als sieben Stunden dauernden Aktion quer durchs Fünfseenland zum Starnberger See überführt. Dort soll sie künftig die "Berg" ersetzen, die zwar kein Jahr älter als ihre Nachfolgerin ist - aber so verrostet, dass sie verschrottet wird. Beide Schiffe wurden 1961 gebaut und sind mit 24 Meter auch gleich lang. Was auf den Seen eher klein wirkt, ist für den Straßenverkehr ohne Zweifel überdimensioniert.

MS Schondorf liegt zum Transport bereit Stegen Das kleine Motorschiff Schondorf liegt in der Stegener Werft der Ammersee-Schifffahrt bereit zum Transport nach Tutzing. An zwei stabilen Stahlseilen soll das Schiff aus dem Wasser gehoben werden.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Selbst wenn das Führerhaus der "Schondorf" zuvor abmontiert wird, stellt die Überführung eine enorme logistische Herausforderung dar: Mit 36,50 Meter Länge, sechs Meter Breite und 5,70 Meter Höhe erfordert der Transport zeitweise Sperrungen für den Gegenverkehr und die vorübergehende Demontage von Ampelanlagen. Umleitungen werden ausgeschildert. Auch Strom- und Telefonleitungen müssen kurzfristig abgebaut oder angehoben werden. Die Polizei rät den Autofahrern, die Halteverbote zu beachten, Falschparker werden rigoros abgeschleppt. Weil der 129 Tonnen schwere, auf zwölf Achsen verteilte Transport durch keine Bahnunterführung passt, müssen Umwege in Kauf genommen werden: Die Strecke von Stegen nach Tutzing wächst daher auf 37 Kilometer an.

Die große Fahrt der "Schondorf" beginnt um 7.30 Uhr und führt über Inning und Breitbrunn nach Herrsching, wo das Schiff gegen 9.30 Uhr erwartet wird. Weiter geht es über Andechs und Machtlfing nach Traubing (Ankunft voraussichtlich 11 Uhr). Von dort fährt der Transport auf der B 2 bis Pöcking Süd, durch den Ort und über die Possenhofener Bahnbrücke wird die Staatsstraße entlang des Westufers des Starnberger Sees erreicht. Um 13.30 Uhr soll die "Schondorf" Feldafing passieren, die Ankunft in Tutzing ist für 14 Uhr vorgesehen. Eine ältere Dame ist schließlich kein Schnellboot: Mit durchschnittlich drei Knoten bewegt sie sich auf dem Landweg so schnell wie ein forscher Wanderer. Wenigstens das letzte Stück der Strecke wird die "Schondorf" im angestammten Element zurücklegen: Von Tutzing geht es auf dem Wasserweg zur Starnberger Werft.