Kunsthandel Sisi-Porträt zu teuer für Museum in Possenhofen

Sisi als 15-Jährige vor Schloss Possenhofen am Starnberger See: Gleich zwei Maler fertigten das Bild an, denn das Pferd malte ein Pferdeexperte.

(Foto: Dorotheum)
  • 1853 schenkte die spätere österreichische Kaiserin Sisi ihrem Verlobten Kaiser Franz Joseph ein Gemälde von sich.
  • Es zeigt Sisi hoch zu Pferd am Starnberger See. 60 Jahre lang hängte es in Franz Josephs Schlafgemach.
  • Nun versteigert ein Wiener Museum das Gemälde. Das Kaiserin-Elisabeth-Museum in Possenhofen wäre interessiert, aber aus einem Kauf wird wohl nichts.
Von Manuela Warkocz, Possenhofen

Das Originalbild von Sisi hoch zu Pferd am Ufer des Starnberger Sees, das die spätere Kaiserin ihrem Verlobten Kaiser Franz Joseph 1853 zu Weihnachten geschenkt hat - es wäre ein prachtvolles Schmuckstück für das Kaiserin-Elisabeth-Museum in Possenhofen. Das historisch bedeutsame Gemälde steht im Auktionshaus Dorotheum in Wien an diesem Donnerstag zur Versteigerung.

Possenhofens Museumsleiterin Rosemarie Mann-Stein, die schon mehrfach über das namhafte österreichische Auktionshaus zu interessanten Sisi-Stücken gelangt ist, hat schriftlich Interesse an dem Porträt bekundet.

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Jedoch: Der Schätzwert des Bildes von 300 000 bis 400 000 Euro übersteigt die pekuniären Möglichkeiten des Museumsvereins. Gravierender ist, dass der Käufer das Gemälde vermutlich nicht aus Österreich ausführen darf. Das musste die Museumsleiterin schon vor Jahren erfahren, als das Gegengeschenk von Kaiser Franz Joseph unter den Hammer kam.

"Das Bild von ihm, auch zu Pferd, das er ihr zum 16. Geburtstag geschenkt hat, wäre erschwinglicher gewesen. Wir hätten sogar jemanden gehabt, der finanziell erheblich mitgeholfen hätte", erinnert sich Mann-Stein auf Nachfrage. Aber da hieß es aus Wien: "Sie können das schon ersteigern, dürfen es aber nicht ausführen." Also wird man sich in Possenhofen weiter mit einem Stahlstich des Sisi-Motivs im Museumsvorraum begnügen. Der Künstler Andreas Fleischmann nahm für den Stich eine spätere Variante des Sisi-Porträts zum Vorbild. Sie gehört heute zur Kunstsammlung Thurn und Taxis in Regensburg.

Das Original-Gemälde mit der 15-jährigen Herzogin ließ ihr Vater, Herzog Max in Bayern, von zwei bedeutenden Malern der Zeit anfertigen: Carl Theodor von Piloty übernahm das Porträtieren der mädchenhaften Sisi samt Landschaft und Possenhofener Schloss. Der für seine Pferdedarstellungen berühmte Künstler Franz Adam malte das Pferd, an dem sich dasselbe blaue Band wiederfindet wie an Sisis Hals.

Das Gemälde zierte rund 60 Jahre lang das Schlafzimmer von Kaiser Franz Joseph in der Hofburg. Heute hängt dort über dem Bett eine Kopie. Das Original verschwand nach Franz Josephs Tod mehr als 150 Jahre lang in Habsburgischem Privatbesitz.

Wer es heute von den Nachkommen zu Geld machen möchte, weiß Frau Mann-Stein ziemlich genau. Weil man aber in Adelskreisen derartige Transaktionen gern diskret abwickelt, zeigt sich die Museumsleiterin zugeknöpft. Sie will es sich nicht mit den herrschaftlichen Quellen möglicher weiterer Kleinode verscherzen. Bekannt ist, dass das Bild nach Sisis Tod in den Besitz ihrer Tochter, Erzherzogin Marie Valery, überging.

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