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Biografie:Sisis Vater und die Hautevolee

Kaiserin Sisi wird 175

Die unglückliche Ehe ihrer Eltern könnte zu Sisis Kummer beigetragen haben.

(Foto: dpa)

Herzog Max in Bayern war alles andere als eine historische Nebenfigur. Nun ist eine Biografie über Sisis Vater erschienen. Und die hält sich nicht mit Klischees auf.

Ihr Kosename Sisi, der Volksnähe suggeriert, führt in die Irre. Kaiserin Elisabeth von Österreich war zwar eine populäre, aber vor allem eine scheue und komplizierte Frau. Viele glauben, Sisi habe wegen ihrer unglücklichen Existenz am steifen Wiener Hof die Flucht in die innere Emigration angetreten. Dass dieser Blick zu einseitig ist, belegt eine neue Biografie über Sisis Vater Max in Bayern (1808-88), die der Historiker und Filmautor Bernhard Graf verfasst hat.

Er rückt manches grundfalsche Bild von Sisis Familie zurecht. Graf kommt zu dem Ergebnis, dass gerade die vermurkste Situation in ihrer eigenen Familie viel zu Sisis Kummerexistenz beigetragen habe. Ihre Eltern Max und Ludovika führten eine Zwangsehe, sie liebten sich nicht. Graf hält das für einen zentralen Grund, warum die Psyche der kaiserlichen Tochter zum Irrlichtern neigte.

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Ein Taugenichts aber war Sisis zu Eskapaden neigender Vater keineswegs. Vielmehr spielte er im gesellschaftlichen Leben Münchens in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine herausragende Rolle. Aufgrund eines großen Erbes war er schon als junger Mensch sehr vermögend und unabhängig. Wie Graf darlegt, war das Leben des Max in Bayern weit entfernt von jenen Klischeebildern, wie sie beispielsweise in den Filmen von Ernst Marischka dargeboten werden.

Gustav Knuth verkörpert darin den Herzog Max als einen kauzig-heiteren Familienmenschen, wie es ihn in der Realität nie gegeben hat. Bernhard Grafs großformatiges und mit zahlreichen unbekannten Bildern versehenes Buch bietet viele überraschende Einblicke in das Leben des Herzogs wie auch in die gesellschaftlichen Verhältnisse im damaligen Bayern. Das idyllische Landleben auf Schloss Possenhofen, das in den Filmen über Sisi verklärt wird, hat es nur selten gegeben. Max hielt sich kaum einmal dort auf.

"Unvorstellbar wäre es für ihn gewesen, zusammen mit seiner Kinderschar Weißwürste mit den Fingern zu essen", schreibt Graf. Genau das aber suggerierte Gustav Knuth im Film, in dem er von Ehefrau Ludovika ermahnt wird, sie müsse darauf achten, "dass unser Haus nicht ganz verbauert". Von wegen. In Wirklichkeit mussten sich seine Kinder anmelden, wenn sie ihn in seinem Münchner Appartement besuchen wollten. Sein prächtiges Palais an der Ludwigstraße war ein gesellschaftlicher Mittelpunkt. Hier versammelte Max die geistigen Größen seiner Zeit, um sich mit ihnen auszutauschen.

Seine Liebe zur Zither sicherte ihm überdies einen Platz in der Geschichte der Volksmusik. Er war es, der dieses "Bauerninstrument" salonfähig machte. Vom Volk wurde er deshalb "Zithermaxl" genannt, "was aber nicht seine grandioseste Leistung im irdischen Dasein gewesen ist", wie Graf schreibt. Herzog Max lehnte gesellschaftliche Konventionen ab und verkehrte oft mit dem einfachen Volk. Der Herzog nahm jedoch keine Rücksicht auf seine Familie.

Schwiegervater des österreichischen Kaisers

Kurz nach Sisis Geburt verschwand er monatelang in Richtung Orient, um dort edle Pferde, Bauchtänzerinnen und antike Tempel zu bewundern. Die Ehe hatte bereits unglücklich begonnen. 1825 wurden Max und Ludovika quasi zwangsverheiratet. Den Hochzeitstag soll Ludovika mit einem Fluch besiegelt haben: "Dieser Ehe und allem, was daraus hervorgeht, soll der Segen Gottes fehlen bis ans Ende!" Graf weist ihn als klischeehaften Ausdruck dem Bereich der Anekdote zu. Der Autor zeichnet den ambivalenten Charakter von Max auf vielen Ebenen nach.

Als Vater von fünf Töchtern, die alle berühmte Schönheiten waren, stieß er in die europäische Hautevolee vor. Er wurde Schwiegervater des österreichischen Kaisers, des Königs beider Sizilien, des Fürsten Thurn und Taxis, wahrte aber zu deren Höfen stets Distanz. Seine Tochter Sisi wies ihm die Schuld am verpfuschten Leben ihrer Mutter Ludovika zu und blieb am 15. November 1888 sogar dem Begräbnis des Vaters fern.

Graf weist in seiner Arbeit überzeugend nach, dass Herzog Max in Bayern alles andere als eine historische Nebenfigur war. Seine Biografie zählt deshalb zu jenen Werken, die von Lesern, die an der bayerischen Geschichte interessiert sind, nicht ignoriert werden können.

Bernhard Graf: Sisis Vater, Herzog Maximilian in Bayern, Allitera Verlag

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