Fehlende Fluchtwege, überschwemmte Fahrbahnen Autobahntunnel sollen sicherer werden

Unterführungen bei Etterschlag und Eching werden nachgerüstet, neben dem Tunnel wird eine zweispurige Behelfsfahrbahn gebaut.

Von Christine Setzwein

Bei starken Regenfällen steht die Fahrbahn unter Wasser, es fehlt an Fluchtwegen, und bei einem Brand könnte es passieren, dass zu wenig Löschwasser ankommt: Die Autobahntunnel Etterschlag und Eching müssen sicherheitstechnisch nachgerüstet werden. Für Autofahrer auf der A 96 bedeutet dies, dass sie ein halbes Jahr lang noch mehr Zeit und Geduld brauchen. Aber auch die Anlieger müssen mit Behinderungen und Belästigungen rechnen.

Die Lindauer Autobahn gehört zu den bedeutendsten West-Ost-Verbindungen. Nicht nur in Deutschland. Als Europastraße 54 startet sie in Paris und endet rund 980 Kilometer später in München. Wie sehr der Verkehr in den vergangenen Jahren vor allem zwischen Landsberg und dem Autobahndreieck Süd-West zugenommen hat, wissen die Pendler, die sich jeden Morgen zur Arbeit und am Abend nach Hause quälen müssen. Beim kleinsten Auffahrunfall bilden sich lange Staus. Auch im 500 Meter langen Etterschlager Tunnel kommt es immer wieder Mal zu Unfällen. Damit daraus keine Katastrophen entstehen wie im Montblanc-Tunnel, hat die EU beschlossen, dass alle Tunnel bis 2014 nachgerüstet werden müssen.

Im Gemeinderat Wörthsee erläuterte Gernot Rodehack, Leiter der Betriebsstelle Kempten der Autobahndirektion Südbayern, die Pläne für den Etterschlager Tunnel, der 1998 eingeweiht wurde. Neben neuen Fluchtwegen müssen größere Löschwaser- und Abflussleitungen eingebaut werden. Dazu ist es nötig, die Fahrbahndecken aufzureißen. Problem ist, dass der Tunnel damals nur 26 Meter breit gebaut wurde und pro Röhre kein Platz für mehr als zwei Spuren vorhanden ist. Rodehack: "Das tut uns jetzt weh." Wenn also eine Röhre wegen des Umbaus gesperrt ist, müsste der gesamte Verkehr beider Richtungen jeweils einspurig durch die zweite Röhre geleitet werden. Ein Unding, sagte Rodehack, Staus von 20 Kilometern Länge wären an der Tagesordnung, und es würde ein volkswirtschaftlicher Schaden von 50 Millionen Euro entstehen. Also plant die Autobahndirektion parallel zum Tunnel in Richtung München eine zweispurige Behelfsfahrbahn - auf der ein Tempolimit von 60 Stundenkilometern gilt. Der Verkehr in Richtung Lindau wird durch die jeweils offene Tunnelröhre geschleust.

Damit die Steinebacher auch während der Bauzeit zum Etterschlager Kreisel und die Etterschlager in ihr Rathaus, zum Einkaufen oder zum Wörthsee kommen, müssen außerdem zwei Behelfsbrücken über die Behelfsfahrbahn errichtet werden, eine für die Autos, die andere für Fußgänger und Radfahrer.

Geplant ist die Maßnahme für 2013, es kann aber auch 2014 werden, kündigte Rodehack an. Denn bevor die Bagger anrücken, müssen erst die Regierung von Oberbayern und der Bundesverkehrsminister das Ganze absegnen. Schließlich geht es um den Neubau einer Straße - wenn auch nur für sechs Monate - und eine Investition von zehn bis 15 Millionen Euro.

Was am 380 Meter langen Echinger Tunnel passiert, steht noch nicht fest. Sicher ist, "dass wir hier die gleichen Probleme haben" und Eching und Etterschlag gleichzeitig umgebaut werden, sagte Rodehack.

Versprochen hat Rodehack jedenfalls, dass nach den Bauarbeiten "alles wieder so aussieht wie vorher".