Restaurant Pescheria Fisch aus der Vitrine

Was auf den Teller kommt, liegt in einer Vitrine am Eingang der "Pescheria".

(Foto: Stephan Rumpf)

Mit der Pescheria hat ein feines Fischrestaurant im Gärtnerplatzviertel eröffnet. Die Wirte sprechen zwar lieber von einer "Fischkneipe", dafür aber sind die Preise zu gesalzen.

Von Thierry Backes

Zugegeben: Das "Du" hat durchaus seinen Charme. Wer die neue Pescheria betritt, wird begrüßt, als wäre er seit Jahren hier Stammgast. Dabei gibt es das Lokal in den Räumen des ehemaligen Kleinschmidtz an der Fraunhoferstraße erst seit Dezember. Die Wirte Pamela Knötzinger und André Bahlo, die bereits das Garbo in Schwabing und das Mi Casa Su Casa in Planegg führen, füllen mit ihrem Fischrestaurant offenbar eine Lücke im Gärtnerplatzviertel, es ist auch an einem kalten Sonntagabend im Januar bemerkenswert voll. Die Pescheria zieht ein recht hippes, junges Publikum an, aber auch ein paar ältere Semester.

Der Kellner geleitet uns an unseren Platz, er reißt zwei Papierzettel vom Haken und reicht sie uns - die Karte. Dann holt er die Tafel mit den Tagesangeboten und empfiehlt uns, doch einen Blick in die Vitrine zu werfen. Auf Eis lagert dort, was hernach auf den Teller kommen soll: frischer Lachs, Riesengarnelen, Gillardeau-Austern.

Wir entscheiden uns aber erst für die leicht angegrillten Jakobsmuscheln auf grünem Spargel (13,50 Euro) und das Thunfischtartar (11 Euro). Letzteres wird mit Frühlingszwiebeln serviert, dazu gibt es ein paar, nur mit Zitronensaft beträufelte Salatblätter. Geschmacklich passt das alles perfekt zusammen, und auch der Fisch ist so zart, wie er nur sein kann. Die Jakobsmuscheln werden uns dagegen nicht als außergewöhnlich im Gedächtnis bleiben, ihnen fehlt der gewisse Pfiff.

Nach der Vorspeise, die bald, leider zu bald, nach dem Aperitiv gereicht wird, ist jetzt endlich Zeit, sich einmal umzusehen. Die Wände in der Pescheria sind weiß gekachelt, ihr Muster wird immer wieder unterbrochen von blauen Fliesen, die, wie man uns erklärt, teils aus dem 18. Jahrhundert und teils aus Lissabon stammen. Auf der dunklen Holzvertäfeldung stehen alte Thunfischdosen, während alte Industrielampen für ein angenehm schummriges Licht sorgen. Angenehm auch, dass der Fischgeruch aus der halboffenen Küche die Pescheria nicht dominiert.

Wir denken kurz darüber nach, den Red Snapper zu probieren, verwerfen die Idee aber recht schnell angesichts des Preises: 119 Euro pro Teller. Stattdessen wählen wir das Kabeljaufilet (25 Euro) und den Loup de mer (23 Euro), dazu den halben Liter Albarino (13,50 Euro), den man uns empfiehlt und der gerade komplex genug ist, um mit dem Fisch zu harmonieren. Das Kabeljaufilet ist gut angebraten und solide im Geschmack, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Reden wir lieber über den Loup de mer, den der Koch mit Rosmarin verfeinert hat. Vor allem aber kommt der Wolfsbarsch enorm saftig daher, er ist, kurzum: eine Wucht.

Mit Dessert (Crema catalana) und Espresso zahlen wir am Ende 120 Euro. Das ist nicht gerade wenig für ein Lokal, in dem die Wirte eine "Fischkneipe" sehen wollen. Wer jedoch bereit ist, den Preis zu zahlen, kann nun im Gärtnerplatzviertel einen ziemlich guten frischen Fisch ordern.