Philharmonie Verwirrung um neue Expertise zum Konzertsaal

Die Philharmonie im Gasteig.

(Foto: Florian Peljak)
  • Ein angebliches Gutachten soll belegen, dass der Beschluss zum Bau einer neuen Philharmonie im Werksviertel voreilig war und unbedingt ein Projekt in der Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke geprüft werden muss.
  • Das Papier soll anscheinend einen offiziellen Eindruck erwecken. Doch dahinter stecken wohl die Paketpost-Investoren.
Von Christian Krügel

Neue Verwirrung in der Auseinandersetzung um den Standort für einen neuen Konzertsaal: Seit Dienstagmittag kursiert ein Papier, das zunächst als Gutachten von dem Architekturbüro Speer und Partner (AS&P) ausgegeben wurde, in Wahrheit aber von den Investoren der Paketposthalle angefertigt wurde.

Es soll belegen, dass der Beschluss der Staatsregierung für einen Bau im Werksviertel voreilig war und unbedingt ein Projekt in der Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke geprüft werden muss. "Beide Standorte müssen weitere sechs Monate geprüft werden", heißt es als Fazit.

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Verbreitet wurde die umstrittene Expertise vom Büro des Bayerischen Musikrats. Dessen Präsident ist der CSU-Landtagsabgeordnete und Ex-Wissenschaftsminister Thomas Goppel, ein glühender Anhänger des Paketpost-Projektes. Das angeblich neue Gutachten ist optisch so aufbereitet wie die Expertise, die AS&P am 12. Oktober bei der Staatsregierung abgegeben hatte. Während im ursprünglichen Gutachten die Vorteile des Werksviertels klar überwogen, wurden in der neuen Fassung ganz viele Zweifel und Unklarheiten aufgenommen: angeblich beengte Räumlichkeiten, unklare Finanzierungsfragen, fehlende Zugänge und vieles mehr.

Was Goppel dazu sagt

Musikratspräsident Thomas Goppel nahm am Dienstagmittag in einer Pressemitteilung unmittelbar Bezug darauf. Neuerlich hätten die Experten von Speer und Partner die beiden Standorte untersucht. "Das aktuelle Gutachten veranlasst mit dem Musikratspräsidenten Goppel weitere Parlamentarier zu dem Schluss, beide Standorte weiter zu prüfen", heißt es in der Erklärung.

Bei Speer und Partner ist man darüber mehr als überrascht. "AS&P hat nur ein Gutachten erstellt. Darin wird das Werksviertel favorisiert", sagt Gesellschafter Friedbert Greif. Es gebe keine Überarbeitung des Gutachtens. "Zumindest keine, die von uns stammt", so Greif. Tatsächlich ist die Campo Projektentwicklungsgesellschaft Urheber des Papiers. Diese arbeitet für die Paketpost-Investoren, deren Sprecher am Dienstagabend von einer unglücklichen Verwechslung sprach.

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Man habe die Untersuchung im Stil von AS&P aufbereitet, um eine bessere Vergleichbarkeit zu erreichen. Thomas Goppel distanzierte sich am Abend von den Bezügen auf AS&P in seiner Pressemitteilung vom Mittag und sprach von einer Verwechslung in seinem Büro. Im Kern bleibe er aber bei seiner Meinung. Die Paketposthalle biete viel mehr Platz und Möglichkeiten. Gerade für die Musikhochschule und die Ballettausbildung sei diese wichtig, denn die Musikszene Münchens brauche eine "Neuordnung".

Die Verwirrung ist pikant, weil Goppel am Dienstagnachmittag Kultusminister Ludwig Spaenle, mehrere Abteilungsleiter aus dessen Ministerium und einen Vertreter von AS&P im Landtag intensiv über die Standortentscheidung befragte. Bei einer gemeinsamen Sitzung der CSU-Arbeitskreise Finanzen und Kultur sollte Spaenle den Parlamentariern seiner Partei Rede und Antwort stehen, die sich durch die Ministerratsentscheidung übergangen gefühlt hatten. Auch dort warb Goppel für die Paketpost und sprach von einer vertanen Chance.

Spaenle verwies darauf, dass er den Auftrag gehabt habe, einen Konzertsaal zu realisieren, nicht eine ganze Musikstadt. Wenn die Fraktion dies wolle, sei dazu eine völlig andere Beschlusslage notwendig. Aus den Arbeitskreisen hieß es, dass es eine gute Debatte gewesen sei, zur Beantwortung aller Fragen aber die Zeit zu knapp gewesen sei. Deshalb vertagten sich die CSU-Abgeordneten auf nächste Woche.

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