Perlach Klinik schickt Mann nach Suizidversuch nach Hause

  • Der Fall der mysteriösen Blutlache in Trudering ist aufgeklärt.
  • Das Blut stammt von einem Mann, der sich aus Liebeskummer selbst verletzt hat.
  • Die Helios-Klinik in Perlach behandelt ihn, lässt den Suizidgefährdeten dann aber einfach gehen.
Von Susi Wimmer

Der junge Mann, der am Gründonnerstag in die Helios-Klinik in Perlach eingeliefert wurde, war stark betrunken und hatte eine tiefe Schnittwunde am linken Unterarm. Die habe er sich selbst zugefügt, erläuterte der 32-Jährige, weil er aus Liebeskummer aus dem Leben habe scheiden wollen.

Trotzdem ließ ihn das Klinikpersonal nach der Erstversorgung nach Hause gehen - mit dem Rat, er solle am nächsten Tag wieder kommen und sich am Arm operieren lassen, wenn er nüchtern sei. Ob das angemessen gewesen war, dazu nahm die Klinik am Mittwoch nicht Stellung.

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Sie könne "aus Datenschutzgründen zum konkreten Fall nur bei Vorliegen einer Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht durch den Patienten Auskunft geben". Im Allgemeinen entscheide der diensthabende Arzt, ob eine akute Gefährdung des Patienten vorliege oder nicht.

Die Ex-Freundin alarmierte den Rettungsdienst

Der Fall hatte vergangenen Freitag für die Polizei mysteriös begonnen, und zwar mit einer Blutlache in einer Grünanlage in Trudering. Eine Spaziergängerin entdeckte den riesigen Fleck an einer Parkbank und informierte die Polizei. Die Beamten stellten fest, dass das Opfer etwa einen halben Liter Blut verloren hatte und dann über eine Wiese gegangen sein musste.

Unter einem Baum entdeckten sie ein blutverschmiertes Obstmesser sowie zwei leere Wodkaflaschen. Die Polizisten telefonierten die umliegenden Krankenhäuser ab, aber niemand erinnerte sich an ein Opfer mit Schnittverletzungen. Schließlich meldete sich nach Presseberichten eine Rettungsassistentin, die erklärte, sie habe am Donnerstag einen Mann mit Schnittverletzungen in die Helios-Klinik gebracht.

Am Dienstag fand die Polizei den 32-Jährigen: Er habe sich das Leben nehmen wollen, weil sich seine Freundin von ihm getrennt habe, erzählte er. Nach dem Schnitt aber habe er es sich anders überlegt, sei heimgelaufen und habe die Freundin angerufen. Sie alarmierte den Rettungsdienst. Die Polizei begleitete den Mann mit seinem Einverständnis zur Behandlung in eine psychiatrische Klinik.

Anmerkung der Redaktion

Wir haben uns entschieden, in der Regel nicht über Selbsttötungen zu berichten, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Der Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Suizide. Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.