Leihräder Die Münchner Obikes kommen nach Dortmund

In Dortmund werden die Münchner Obikes nicht von allen sehnsüchtig erwartet.

(Foto: Stefanie Preuin)

Der Hass auf die schwarz-gelben Leihräder aus Singapur war in Bayern nahezu grenzenlos. Nun sollen sie im Ruhrgebiet ihr Glück versuchen.

Von Dominik Hutter

Verständlich ist es ja. Wer lässt sich schon gerne oben auf einem Straßenschild, kopfüber oder in der Isar parken? Wer mag es, wenn ihm die Felge verbogen, der Sattel geklaut oder die Luft rausgelassen wird? Und so haben sich die Münchner Obikes in einem Rad-Kreis versammelt, haben Rat gehalten und schließlich den Umzug in wohlwollendere Gefilde beschlossen. Pfeif doch auf München! Wenn diese bajuwarischen Rassisten nicht einmal mit harmlosen Fortbewegungsmitteln asiatischer Provenienz klarkommen, sollen sie doch bitteschön künftig zu Fuß gehen.

Wie praktisch jeden zieht es die Vollgummibereiften nun in die Stadt Dortmund, wo sie allerdings nicht von allen sehnsüchtig erwartet werden. Ein örtliches Onlineportal munkelt bereits, man werde nun mit zerstörten Leihrädern aus München beglückt. Dabei sollte es doch selbstverständlich sein, die Kranken und Geplagten liebevoll wieder hochzupäppeln. Ganz schön gemein, diese Dortmunder - sind offenbar genauso Singapur-feindlich wie die Münchner, deren Hass auf die schwarz-gelben Räder (jaja, das passt farblich gut nach Dortmund) nahezu grenzenlos war.

Klar sein sollte allerdings: Geschenkt ist geschenkt. Zurückgeben gilt nicht. Es sei denn . . . na gut, sollten die Dortmunder bereit sein, im Gegenzug den ganzen Trachtenquatsch, Maibäume und vielleicht noch Markus Söder zu übernehmen, könnte eine Rückkehr der Obike-Armada aus Münchner Sicht akzeptabel sein. Wenn die armen Radl das überhaupt akzeptieren. Denn vielleicht sind die Dortmunder ja doch etwas weltoffener als die Münchner. Und stellen ihr Leihrad einfach am Straßenrand ab, statt es verbogen in der Emscher zu versenken.

Bislang ist nicht überliefert, wie die Randale der Münchner im Tropenstädtchen Singapur aufgenommen wurde, wo sich die Zentrale von Obike befindet. Wird man die bislang wohlwollend beworbenen Kultur- und Sauftouren gen München aus den Reiseprospekten tilgen? Man weiß ja schließlich nie, ob die dortigen Eingeborenen einen unschuldigen Touristen aus Singapur genauso behandeln wie ein unschuldiges Obike. Und Dortmund ist ja ohnehin viel interessanter. Dort kann man sich zum Beispiel ganz bequem ein asiatisches Fahrrad ausleihen, um damit die Stadt zu erkunden.

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