Restaurant Süßmund Schmankerl ohne Chichi und Chia-Samen

Stühle aus Uromas Nachlass vor zitronengelber Theke: Das Ambiente im Süßmund ist ein gewagter, aber gelungener Mix.

(Foto: Stephan Rumpf)

Voller Glockenbachlässigkeit, aber seriös und bodenständig: Das Süßmund ist mit seinen regionalen Gerichten ein gastronomischer Höhepunkt in Münchens Szeneviertel.

Von Kurt Kuma

Wer durch das belebte Stadtviertel zwischen Gärtnerplatz und Westermühlbach schlendert, hat bekanntlich wenig Mühe, eine ansprechende Gaststätte zu finden. Im Quartier um die Hans-Sachs-Straße gibt es gefühlt so viele Kneipen wie Softwarefirmen im Silicon Valley. In diesem Umfeld wirkt der kleine Laden an der Westermühlstraße mit dem etwas albern klingenden Namen Süßmund (die Besitzer heißen Süß) fast unscheinbar.

Die Handvoll schmaler Tischchen auf dem Gehsteig, eher Bretter mit Stützen, sehen nach Studentencafé aus. Man könnte an dieser Stelle eines der vielen Etablissements mit Putenbrustsalaten und pappigen Hugos vermuten, einen weiteren Laden, dessen Coolness darin besteht, Augustinerflaschen ohne Glas auf den Tisch zu knallen. Man könnte. Sollte man aber nicht.

Qualität statt Bussi-Bussi

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Das Süßmund serviert absolut empfehlenswerte, frische, regionale Küche. Dazu feines Kellerbier, ungewöhnliche Cocktails und kenntnisreich ausgesuchte Weine. Die Glockenbach-Lässigkeit wird hier mit dem Anspruch seriöser, bodenständiger Gastronomie verknüpft - ohne Chichi und Chia-Samen. Es gibt Schnitzel und Forelle, Kaiserschmarrn und Bayerische Creme in einer Qualität, wie man sie nicht allzu häufig findet.

Der Gastraum fasst nur gut ein halbes Dutzend Tische und Tischchen. Das Ambiente lebt von einem gemütlichen, zusammengewürfelten Mix aus modernen Elementen, etwas Retro und ein bisschen Reminiszenz an Alpenländisches. Stühle aus Uromas Nachlass stehen vor einer zitronengelben Theke. Und der Weinschrank tat wahrscheinlich schon unter Andreas Hofer seinen Dienst. Man darf sich hier (oder vor der Tür) auch einfach nur niederlassen, um etwas zu trinken. Man könnte es bei einem Feierabendbier oder einem Vorabendcocktail belassen. Man könnte. Sollte man aber nicht.

Als erstes Indiz des kulinarischen Anspruchs erlebten wir ein deutlich hörbares Klopfen. Es drang aus der Küche in den kleinen Gastraum, und wenn man ahnt, was das Hämmern bedeutet, wartet man gerne einen Moment länger auf das Essen. Kalbschnitzel wurden da gerade plattgemacht, wie es sich gehört.

Die Qualität ist offensichtlich

Und als das Fleisch in Form von Wiener Schnitzel auf den Tisch kam, sprang die Qualität sofort ins Auge: zwei hauchdünne Schnitzel, deren Panade sich wellenförmig über das Fleisch wölbte wie ein Frank-Gehry-Bauwerk. Keine Spur von triefendem Billigfett, wie es in vielen Großgaststätten das Fleisch ertränkt. Auch ein paar Spritzer Zitrone überlebte die Kruste problemlos. Dazu gab es mit Senf verfeinerten Kartoffelsalat sowie Preiselbeeren.

Anderntags stand das Schnitzel in der Version "Wiener Art" auf der täglich wechselnden Karte, also Schwein statt Kalb und deutlich günstiger (11,50 Euro statt 18,50). Mit ähnlicher Hingabe verarbeitet, angemessen zart und ebenso knusprig machte diese Variante dem österreichischen Klassiker durchaus Konkurrenz. Aber klar, Kalb bleibt Kalb.

Richtig eng auf dem Tisch wurde es, als eine Portion Spargel serviert wurde (18,50). Das halbe Dutzend perfekt gegarter, daumendicker Stangen wurde von einer separaten Schüssel hochwertiger, mit grobem Salz bestreuter Ofenkartoffeln begleitet, "Drillinge" laut Karte. Dazu kam ein weiterer Extrateller mit gekochtem Schinken sowie ein Kännchen, man muss fast Kanne sagen, mit zerlassene Butter.

Kreatives für den Frühsommer

Frühsommerlich frisch wirkte zudem eine Portion Burrata-Käse, die Edelversion des Mozzarellas, auf Rucola-Frisee-Salat, und knackigen Spargel-Stücken (11,50). Auch ein nach Matjes-Art behandeltes Forellenfilet auf Buttermilchsauce machte schon beim Anblick gute Laune. Das Weiß der Buttermilch war mit Tropfen dunkelgrünen Kerbelöls gesprenkelt, und die rohen Fischstücke thronten auf einer Kugel Kartoffelstampf. Letzteres ist ja oft ein exaltiertes Wort für mehr oder weniger flüssigen, mehr oder weniger kartoffelhaltigen, lieblosen Brei. Hier war der Stampf eine frische, leuchtend gelbe, von Hand zerdrückte Grillkartoffel (9,50).

Das Forellengericht, auf der Karte untertriebenerweise als Vorspeise gelistet, ließ an diesem Abend gerade noch Platz im Bauch für einen durch zwei geteilten Kaiserschmarrn. Und, himmelherrjeh, genau so muss er sein: innen fluffig, außen knusprig, mit ein paar Rosinchen und gerösteten Mandeln. Das Äußere nicht angebrannt, sondern inklusive der Mandeln zu perfektem Braun karamellisiert (7,90). Völlig solide und preislich besonders attraktiv fanden wir zudem eine im Einweckglas servierte Bayerische Creme (3,90).

Dem beginnenden Sommer angemessen, näherten wir uns dem Speisenangebot nicht, ohne die eine oder andere, stets spezielle Aperitiv-Kreation zu genießen, die hier lustige Namen tragen wie "Kalte Ente" und "Fräulein Süßmund". Letzteres erwies sich zum Beispiel als freche, aber gelungene Kombination eines selbstgemachten Himbeerwodkas mit einem Spätburgunder-Rosésekt. Wer auf derlei Experimente verzichten will, kann mit einem klassischen Negroni des Tages Last und Müh' in Rekordzeit hinwegfegen.

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