Karstadt-Filialen in München "Es wird brisant für die Innenstadt"

Viele Immobilien hat der Investor René Benko in München bereits - mit Karstadt kommen nun noch mehr dazu

(Foto: dpa)

Mit der Übernahme von Karstadt könnte René Benko die Münchner Innenstadt radikal verändern. Der Investor verfügt bereits über die begehrtesten Immobilien zwischen Stachus und Marienplatz. Jetzt könnte er einen größeren Plan verwirklichen.

Von Christian Krügel

Fast 1000 Arbeitsplätze sind betroffen, womöglich auch die gesamte weitere Entwicklung der Münchner Innenstadt: Die Übernahme der Karstadt-Warenhäuser durch den österreichischen Unternehmer René Benko und seine Signa Holding dürfte weitreichende Folgen für die Geschäftswelt in der Landeshauptstadt haben. Denn der 37-jährige Investor hatte sich in den vergangenen Jahren bereits einige der besten Immobilien in der Fußgängerzone gesichert, sein Karstadt-Engagement macht ihn zu einem der mächtigsten Männer im Münchner Einzelhandel.

Dabei ist allerdings noch unklar, welche Pläne Benko mit Karstadt und mit seinen Münchner Liegenschaften hat. In einer Pressemitteilung erklärte die Signa Holding am Freitag, wichtigstes Ziel sei es, dass bei Karstadt "Ruhe einkehrt und die nächsten Schritte einer tragfähigen Sanierungsstrategie" diskutiert werden. Am kommenden Donnerstag soll dies bei einer Aufsichtsratssitzung beginnen.

Auf die warten die Betriebsräte der vier Münchner Karstadt-Häuser und auch Georg Wäsler, Vize-Chef im Verdi-Bezirk München, mit Spannung. "Es wird auch ein René Benko nicht in der Lage sein, sofort und mit radikalen Maßnahmen Karstadt zu sanieren", glaubt Wäsler. Er gehe davon aus, dass die Münchner Filialen zumindest für dieses Jahr inklusive dem Wintergeschäft gesichert sind. Erst am Dienstag hatte es ein Treffen mit den Betriebsratsvorsitzenden der bayerischen Filialen gegeben. Tenor: Ruhe bewahren und sehr genau die Konzepte studieren, die die neuen Besitzer entwickeln werden. "Was auch immer umgesetzt werden soll, ist mitbestimmungspflichtig", sagt der Verdi-Vize. Allen sei bewusst gewesen, dass die Häuser aufgrund der unklaren Geschäftspolitik unter Altbesitzer Nicolas Berggruen keine Zukunft gehabt hätten.

Teure Deals in der Münchner Innenstadt

Dennoch ist die Unruhe unter den Mitarbeitern groß. Denn es geht um viele Arbeitsplätze: Laut Verdi-Angaben arbeiten in der größten Filiale am Bahnhof rund 600 Beschäftigte, in den Häusern am Nordbad und im OEZ jeweils rund 110, an der Münchner Freiheit noch einmal rund 120. Von dem Benko-Deal ausgenommen sind das Sporthaus am Karlstor (rund 100 Mitarbeiter) und der Oberpollinger (bis zu 600 Beschäftigte).

In das Sport- und Premiumgeschäft war René Benko bereits eingestiegen. Mehr noch: 2011 hatte Signa Holding gemeinsam mit einem Düsseldorfer Projektentwickler die beiden Traditionshäuser am Karlstor für 250 Millionen Euro gekauft. Damals galt der Österreicher in München noch als Unbekannter, der allerdings schon kurze Zeit später in den harten Bieterwettstreit um eine der begehrtesten Immobilien der Innenstadt einstieg - und gewann. Im Dezember 2013 gab ihm das bayerische Finanzministerium den Zuschlag dafür, den 30 000 Quadratmeter großen Gebäudekomplex der Alten Akademie und des früheren Hettlage 65 Jahre lang im Erbbaurecht nutzen dürfen. Dafür zahlt Benko dem Staat 240 Millionen Euro. Ein umstrittener Deal, denn zum einen fürchten nicht nur Denkmalschützer um den Charakter des historischen Gebäudes, das wohl zu einem exklusiven Shopping-Areal werden dürfte.

Fast eine halbe Milliarde Euro legte der Investor schon für Münchner Immobilien hin.

(Foto: SZ-Grafik)

Kommt eine Fusion von Kaufhof und Karstadt?

Zum anderen gehört Benko damit die gesamte nördliche Seite der Neuhauser Straße zwischen Karlstor und Michaelskirche mit Ausnahme der Bürgersaalkirche und des Betten-Rid-Hauses. Mieter ist er jetzt zudem in der größten Karstadt-Filiale zwischen Bahnhof und Stachus. Diese begehrte Immobilie war erst im März für 180 Millionen Euro von der deutsch-irischen Investmentgesellschaft Signature Capital gekauft worden. Einige Projektentwickler würden daraus gerne ein riesiges Einkaufszentrum machen. Benko könnte diesen Plan auf den Karstadt-Flächen nun durch ein Shop-im-Shop-Konzept wie bei Oberpollinger konkretisieren.

Für München besonders spannend dürfte es werden, wenn der Österreicher tatsächlich einen Plan verfolgt, den ihm viele unterstellen: Karstadt gemeinsam mit Kaufhof in einer großen Warenhauskette aufgehen zu lassen. Dann könnte er auch noch die beiden hoch lukrativen Kaufhof-Filialen am Stachus und Marienplatz in sein Millionenspiel einbeziehen. "Es wird brisant für die Münchner Innenstadt", glaubt Georg Wäsler. Denn in Wahrheit gehe es dem österreichischen Investor wohl schon jetzt nicht um zukunftsfähige Kaufhäuser, sondern vor allem um möglichst große Einzelhandelsflächen, am besten in eigenem Besitz.

Entsprechend wird Benko und seine Signa Holding auch in der Münchner Geschäftswelt beobachtet. "Wir sehen derzeit noch keine Gefahr, aber verfolgen das mit großer Aufmerksamkeit", sagt einer der alteingesessenen Münchner Geschäftsinhaber. Wohlwollend wird zumindest vermerkt, dass Benko offenbar bislang keine Vorzugsbehandlung von Stadtbau- und Denkmalamt bekommen hat. Denn dass bislang kein konkretes Konzept für die Alte Akademie vorgestellt wurde, liege auch an den strengen Auflagen der Behörden. Die zierten sich sogar lange, die Überbauung der alten Hettlage-Arkaden zu erlauben.